Warum man nie runde Geburtstage feiern sollte
Ein Hörbuch herausgegeben von Silvia Schmid - vorgestellt auf NDR Kultur.
Audiobeitrag starten (04:20 min)Herausgegeben von Silvia Schmid
Im Jumbo-Verlag ist ein Hörbuch erschienen, das die Frage beantwortet, warum man nie runde Geburtstage feiern sollte.
Runde Geburtstage verursachen Stress. Nicht unbedingt der Ehrentag selbst, aber die Planungen für ein Fest. Krimiautor Friedrich Ani erzählt von den Vorbereitungen für eine gemeinsame Geburtstagsfeier mit einem gewissen Herrn B. Bis zuletzt plagen Ani Zweifel, ob es überhaupt richtig sei zu feiern:
"Ein runder Geburtstag, schön. Ein runder Geburtstag mit einer Primzahl als erste Ziffer, und es ist nicht die drei, weniger schön. (...) Ich mag nicht feiern. Ich brauche das nicht, dass mir Gleichaltrige und noch Ältere Ratschläge erteilen und mir versichern, alles sei super, ab jetzt gehe es aufwärts, oder so. Will ich nicht hören."
Schauspieler Jürgen Uter, der gerade einen runden Geburtstag ohne Primzahl überstanden hat, erzählt die Kurzgeschichte. Vier weitere finden sich im Hörbuch. Der Schweizer Schriftsteller Rolf Lappert berichtet von Moritz Eckstein, dem an jedem Jubiläum ein tragisches Schicksal widerfährt, auch am 50. Geburtstag:
"Die Segelyacht Kranich schipperte vor Borkum und hielt Kurs auf Wangerooge. (...) Die Kollision fand kurz nach elf statt und riss ein Medizinball großes Loch in die Bugwand. Später war von einem Pottwal die Rede. Den Untergang der Kranich verfolgten sie von dem Schlauchboot aus, das sie für Landgänge benutzen."
Das Hörbuch bietet eine Auswahl von 18 Kurzgeschichten, die in der Buchausgabe im dtv-Verlag erschienen sind. Die lustigen, skurrilen und zum Teil nachdenklichen Episoden liefern abschreckende Beispiele für ein Geburtstagsfest. Dora Heldt schreibt von einer Familie aus dem ländlichen Niedersachsen, die ihre Tochter, Nichte, Cousine in einer Hamburger Beach-Bar überrascht. Es liest Katja Danowski:
"Maren und meine Mutter kamen gerade mit den letzten Kühltaschen von unten und schleppten sie an die Seite, wo mein Vater einen Tapetentisch aufgestellt hatte. Heidi tackerte eine Papiertischdecke fest. Wir können doch hier nicht einfach eigenes Essen..., versuchte Ela mit letzter Kraft. Aber Maren legte ihr mit beruhigend eine Hand auf die Schulter. Das ist ein Geschenk. Das geht."
Schade, dass die Autoren nicht selbst erzählen, das wäre persönlicher. Stefan Maiwald ist mit einer Italienerin verheiratet und lebt auf der Insel Grado im Golf von Venedig. Italiener verschulden sich für ein Geburtstagsgeschenk bis in die Enkelgeneration, lässt Stefan Kaminski wissen:
"Diese Schenkerei ist einerseits sehr spaßig, denn es bedeutet, dass man zum Geburtstag von Nichten, Blutsverwandten, Tanten plötzlich einen Flachbildfernseher oder einen Titanium-Golfschläger geschenkt bekommt. Andererseits wird die gleiche Freigebigkeit auch von einem selbst erwartet."
Renate Welsh philosophiert, warum man einen Geburtstag nicht feiern sollte. Sie stellt fest, dass kleine Niederlagen in der Vergangenheit zum Grundstock werden können für den privaten Mythos einer Familie. Ingeborg Kallweit trägt vor:
"Mein Vater hat mir an meinem 30. Geburtstag zum Eintritt ins Greisenalter gratuliert. Meine Mutter war mit 28 an einem Hirntumor gestorben und hatte nie damit gerechnet, älter als sie zu werden und war deshalb sehr überrascht, dass ich an meinem 30. Geburtstag immer noch am Leben war."
Wer nach den 74 Minuten immer noch nicht überzeugt ist, warum er seinen nächsten runden Geburtstag ausfallen lassen sollte, der kann es mit Großmutters Worten halten: die Feste doch einfach feiern, wie sie fallen.
