Hörbuchtipps im NDR
Blau verfremdetes Motiv: Regler im Tonstudio. © © Valeriy Poltorak - Fotolia.com_298266 Fotograf: © Valeriy Poltorak - Fotolia.com_298266
 
 

18 Monate hinter Gittern

Gelesen vom Autor

Vorgestellt von Oliver Kranz

Autor Ben Tewaag. © Daniela Glunz Detailansicht des Bildes Ben Tewaag hat ein Buch über seine Zeit im Gefängnis geschrieben. Bisher war Ben Tewaag kaum sehr viel mehr als der Skandalsohn von Uschi Glas. Er hat zwar Fernsehsendungen für MTV moderiert und in der Deutschrock-Band "Eschenbach" gesungen, aber Schlagzeilen machte er durch seine kriminellen Exzesse. Er hat etwa nach einer Schlägerei einen Kameramann mit Rum übergossen und angezündet. 2009 und 2010 saß er für 18 Monate im Gefängnis. Über diese Zeit hat er ein Buch geschrieben, das zugleich als Hörbuch erscheint. Es heißt "313" und ist nun im Handel erhältlich.

Ein frischer Roman über das Gefängnisleben

"Ich habe den Kühlschrank abgetaut, stelle die Heizung aus und ziehe die Stecker raus von allem, was anfangen könnte zu brennen. Als würde ich in den Urlaub fahren. Ich war schon immer ein Kontroll-Freak, doch diesmal ist es anders. Ich fahre nicht in den Urlaub, ich gehe in den Knast."

Tewaag liest selbst. Das wirkt authentisch - schließlich geht es um seine Geschichte. Autobiografisch ist das Buch aber nur zum Teil. Der Autor hat die Story zurechtgebogen. Seine Hauptfigur heißt nicht Ben Tewaag, sondern Oli Stein.

Tewaag hat schon vor Jahren Sendungen auf MTV moderiert und in einer RTL-Serie vor der Kamera gestanden. Allerdings ohne nachhaltigen Erfolg. Nun sieht es so aus, als wollte er mit seinem Gefängnisaufenthalt nachträglich Geld verdienen. Dabei ist das Buch gar nicht auf seine Initiative entstanden. Grundlage waren Tagebuchnotizen und Briefe, die er während seiner Haft geschrieben hat.

Entstanden ist ein sehr frischer Roman, der mehr über die Zustände in deutschen Gefängnissen erzählt als viele Zeitungsberichte. Der Ich-Erzähler wird nicht zum Helden stilisiert. Er tritt seine Haft mit Ängsten an, die ihn als einen völlig normalen Menschen erscheinen lassen. Oli Steins Stimmung schwankt zwischen Angst und tiefer Traurigkeit. Als er am ersten Tag allein in seiner Zelle sitzt, muss er heulen. Doch das will er sich nicht gestatten. Er will nicht mit tränennassen Augen von anderen Gefangenen gesehen werden.

Positives Denken

Die Geschichte ausschließlich aus der Perspektive der Hauptfigur zu schildern, ist ein geschickter Kunstgriff. Man sieht das Gefängnis mit Oli Steins Augen, wundert sich über Absurditäten des Haftalltags und erlebt gefährliche Situationen. Über die Straftaten, für die er verurteilt wurde, erfährt man wenig. Daher gibt es nichts, was ihn unsympathisch macht. Er ist ein Mensch, der immer positiv denkt und sich von der Maschine, die das Gefängnis darstellt, nicht unterkriegen lässt. Und das ist Ben Tewaags persönliches Credo: "Positives Denken lernt man da drin, und man übt sich ein bisschen mehr in Demut, in meinem Fall zumindest", so Tewaag. "Wenn du da drin mit Selbstmitleid anfängst, dann wirst du schwer depressiv, und dann wird die Haft echt schwierig."

Denn dass eine Haftstrafe auch in Deutschland kein Zuckerschlecken ist, daran lässt das Buch keinen Zweifel. Oli Stein übersteht seine anderthalb Jahre, weil er Glück hat. Er findet Freunde und hat draußen eine Partnerin, die zu ihm hält. Trotzdem gerät er immer wieder in Situationen, in denen alles kippen kann. Das Buch bleibt spannend, bis zum schließlich unvermeidlichen Happy End.

Cover: Ben Tewaag: 313 © Random House Audio

313

Ben Tewaag

  • Typ: Hörbuch
  • Bestellnummer: 978-3837108200
  • Verlag: Random House Audio
  • Preis: 19,99 €
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Ben Tewaag: 313

26.01.2012 | 15:20 Uhr
NDR Kultur

Ein Hörbuch von Ben Tewaag - vorgestellt auf NDR Kultur.

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