Der Trümmermörder
Ein Hörbuch von Cay Rademacher - vorgestellt auf NDR Kultur.
Audiobeitrag starten (04:42 min)Gelesen von Burghart Klaußner
Der Winter vor 65 Jahren war der kälteste des Jahrhunderts in ganz Deutschland. In Hamburg herrschte im Januar 1947 klirrende Kälte von bis zu 20 Grad unter Null. Das hat der auf historische Romane spezialisierte Hamburger Autor Cay Rademacher genau recherchiert für seinen Kriminalroman "Der Trümmermörder". Burghart Klaußner hat ihn fürs Hörbuch eingelesen.
Früher hat man von Christian Brückner gesagt, er könne auch das Telefonbuch vorlesen, und es wäre immer noch großartig. Aber inzwischen gilt das für einige andere begnadete Vorleser genauso: für Ulrich Noethen, für Matthias Brandt und natürlich für Burghart Klaußner. Hier hat er sich also des historischen Kriminalromans eines bislang kaum bekannten Autors angenommen. Gleich schon ein Gütesiegel!
Bei Krimiplots mit einem Polizeiermittler im Zentrum beschleicht einen oft der Eindruck eines immer gleichen Schemas: Da ist der aufzuklärende Fall, dazu kommt eine Liebelei im Privatleben, eine kumpelhafte Beziehung zu mindestens einem Kollegen und Stress mit dem Vorgesetzten.
Die besonderen historischen Bedingungen machen die Sache in Oberinspektor Staves Fall doch um einiges aufregender. Weder dem britischen Offizier noch dem schmierigen Kollegen kann er trauen. Die Stadt lebt weitgehend gesetzlos. Die Menschen hausen in Behelfsunterkünften und halten sich mit illegalen Geschäften über Wasser.
Dass Stave den Fall am Ende löst, liegt zum Teil an gewissen modernen Profiler-Methoden, die der Hamburger Polizei 1947 sicher nicht zur Verfügung standen. Aber das macht die dichte Nachkriegsatmosphäre mit ihren vielen Verstrickungen nicht weniger spannungsgeladen. Der Wahlhamburger Burghart Klaußner legt sich bewundernswert ins Zeug.

Cay Rademacher