Die Geheimschrift der Märchen
Vor 200 Jahren erschien die Sammlung der Brüder Grimm. mehr
Gelesen von Nina Petri, Christiane Paul, Dietmar Bär, Dieter Mann, Carmen-Maja Antoni, Torsten Michaelis, Susanne Lothar, Ulrich Mühe, Josefine Preuß, Martin Seifert und Mechthild Großmann
Darstellung der Brüder Jacob (re.) und Wilhelm Grimm.
In diesem Fall kann man nun wirklich von Klassikern sprechen: Denn es gibt wohl kaum jemanden, der noch nie von "Aschenputtel" und "Dornröschen", "Hänsel und Gretel" oder den "Bremer Stadtmusikanten" gehört hat.
Aber wie steht es mit dem "Mädchen ohne Hände", dem "treuen Johannes" oder der "Bienenkönigin"? Wie gut, dass 2012 ein Grimmsches Jubiläumsjahr ist und das Märchenbuch so wieder in aller Munde - beziehungsweise Ohren sein wird. Denn vor 200 Jahren, 1812, erschien der erste Band der "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Jakob Ludwig Karl und Wilhelm Carl Grimm.
Es waren einmal zwei Brüder, die kannte auch 200 Jahre nach ihrem ersten Buch noch fast jedes Kind. Denn schließlich hatten die beiden ihr Leben damit verbracht, jede Menge Märchen zusammenzutragen, die auch heute noch fast alle Menschen lieben.
Wer die Grimmschen Märchen in der Kindheit zum letzten Mal gehört hat, wird beim Wiederhören mehr als einmal verblüfft sein, wie viele Märchen er ganz anders oder sogar falsch in Erinnerung hatte.
Auf der anderen Seite ist ähnlich überraschend, wie viele Textpassagen man noch auswendig mitsprechen kann. "Ruckediguh, Blut ist im Schuh!", "Manntje, Manntje, Timpe Te. Buttje, Buttje in der See" oder "Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich der Königin ihr Kind!" Aber wussten Sie noch, dass Rumpelstilzchen am Ende das Zeitliche segnet, indem es sich selbst entzwei reißt?! Dass Aschenputtels Kleidungswünsche von einem weißen Vöglein auf dem Grab der Mutter erfüllt werden?! Oder wie Hänsel und Gretel endet?!
27 Märchen hat der Verlag Sauerländer Audio auf vier CDs zusammengestellt. Zwischen eineinhalb und 23 Minuten lang, vorgelesen von elf namhaften Schauspielern. Neben bekannten Märchen wie "Der Froschkönig", "Schneewittchen" und "Dornröschen" versammelt das Hörbuch auch einige der weniger geläufigen Geschichten, etwa die vom "Erdmännchen" oder von "Hans mein Igel".
Geschmückt sind die CD-Hüllen mit ganz wunderbaren Zeichnungen der niederländischen Illustratorin Charlotte Dematon. Im Booklet finden sich kurze Abrisse über Leben und Schaffen der Brüder Grimm, sowie über die Sprecher.
Ein bisschen mehr Information wäre trotzdem schön gewesen - zum Beispiel, welche Version des jeweiligen Märchens erzählt wird, oder woher die beiden Aufnahmen mit dem vor fast fünf Jahren verstorbenen Schauspieler Ulrich Mühe stammen. Zusammen mit seiner dritten Ehefrau Susanne Lothar liest Mühe zwei Märchen vor: "Brüderchen und Schwesterchen" und "Jorinde und Joringel".
Die Fidelei, die als Trenner zwischen den Märchen fungiert, ist wahrlich Geschmackssache - ansonsten aber ist Sauerländer Audio hier ein wirklich toll klingendes, liebevoll gestaltetes Hörbuch gelungen: ein lohnender Einstieg in die insgesamt mehr als 200 Grimmschen Märchen. Und wenn die weiter vorgelesen werden, dann kennt man sie noch morgen.
