Hörbücher nach Sendedatum sortiert.
Die Hörbücher aus dem Programm von NDR Kultur nach Datum geordnet. mehr
Gelesen von Carolin Kebekus
Ab einem gewissen Alter geht es los: Da bekommt einfach jeder im Freundeskreis Kinder. Auf einmal hat keiner mehr Zeit für spontane Ausgehabende, und die Gespräche drehen sich ums Stillen, Babyschwimmen und Kita-Plätze. Diese Erfahrung hat auch die Journalistin und PR-Beraterin Dunja Pechner gemacht. Sie ist 40 und will keine Kinder. Darüber hat sie jetzt ihr erstes Buch geschrieben: "Noch nicht mal alleinerziehend". Das Hörbuch hat Kabarettistin Carolin Kebekus eingelesen.
Nora wird bald 37 - und hat das Gefühl, dass sie sich ständig rechtfertigen muss: dafür, dass sie zufrieden alleine lebt, dass sie wirklich keine Kinder möchte, dass sie sich selber zum Geburtstag eine Botox-Behandlung schenkt, dass sie eine Affäre mit einem 25-jährigen Argentinier anfängt.
"Der Roman - das bin ich!" sagt Autorin Pechner über ihr Debüt. Vieles ist autobiografisch: Wie Nora lebt auch Dunja Pechner in Köln - mit einem zehn Jahre jüngeren Freund und natürlich ohne Kinder. Auch sie arbeitet als PR-Beraterin, unter anderem für die Teenieband Tokio Hotel - die Zwillinge im Buch hat sie nach den Kaulitz-Brüdern Bill und Tom getauft. Man merkt also, dass Pechner viele der humorvoll erzählten Szenen selbst erlebt hat. Das sind die starken Momente in "Noch nicht mal alleinerziehend".
"'Wann seid ihr dran?' fragte Florentine. '9. November', lautete Sentas Antwort. '10. November', sagte Frauke lachend. 'Oh Gott', kreischte Daggi und klatschte in die Hände. 'Da kommt ja ein kompletter Freundeskreis auf die Welt.' 'Wer trinkt denn jetzt überhaupt Prosecco?' fragte Nora überfordert. Daggi und Luna hoben die Hände. Die anderen schüttelten selig lächelnd und wie auf Kommando alle die Hände über ihren Bäuchen haltend den Kopf.
Leider erschöpft sich "Noch nicht mal alleinerziehend" aber auch in der Beschreibung dieses Zustands. Es gibt keinen Spannungsbogen. Es passiert nichts, keine wirkliche Entwicklung - außer, dass Nora eine Therapie beginnt, um herauszufinden, warum sie anders ist als die anderen. Fast ein Viertel des Hörbuches widmet sich dieser Aufarbeitung - und es drängt sich der Eindruck auf, dass auch das Schreiben des Buches für Pechner eine Art therapeutische Bewältigungsstrategie war.
Dass das Hörbuch trotzdem Spaß macht, liegt an den sympathischen, glaubwürdigen Charakteren und einer sehr starken Carolin Kebekus. Die Kabarettistin spielt mehr als dass sie spricht. Mit spürbarer Begeisterung schlüpft sie in die verschiedenen Rollen: vom quengelnden Kleinkind bis zum heißblütigen argentinischen Lover.

Dunja Maria Pechner