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Gelesen von Uwe Büschken
Vorgestellt von Andrea Heußinger
"Die zwei Leben der Alice Pendelbury" wird von Uwe Büschken gelesen, bekannt als der Synchronsprecher von Hugh Grant und Colin Firth.
Marc Levy ist ganz schön produktiv - und erfolgreich. Denn gleich sein erster Roman "Solange du da bist" wurde von Hollywood verfilmt. Seitdem hat der französische Schriftsteller, Filmproduzent und Wahl-New Yorker ordentlich nachgelegt - auch wenn bislang keines seiner Werke mehr auf der großen Leinwand zu sehen war. "Die zwei Leben der Alice Pendelbury" ist Levys zwölfter Roman.
Alice Pendelbury hat es hübsch. Ihr Beruf als Parfümeurin macht ihr Spaß, sie lebt mitten in London in einer viktorianischen Villa und hat in ihrer lichtdurchfluteten Wohnung mit Glasdach oft genug Besuch von ihren Künstler-Freunden. Genau die jedoch sind schuld daran, dass Alices Leben am Tag vor Weihnachten gehörig aus den Fugen gerät: Bei einem Ausflug auf den Jahrmarkt nötigen sie ihre Freundin zu einer Hellseherin. Die alte Frau behauptet, Alice trage eine Geschichte in sich, von der sie nichts weiß.
"'Was wirklich amüsant ist', fuhr die Hellseherin schließlich fort, 'ist, dass der Mann, der der wichtigste in deinem Leben sein wird, derjenige, den du seit jeher suchst, ohne zu wissen, ob er überhaupt existiert, vor kurzem genau hinter dir vorbeigegangen ist.' (...) 'Und wo ist dieser Märchenprinz jetzt?' 'Geduld, meine Kleine. Vorher musst du sechs andere Personen treffen. (...) Und vor allem eine große Reise machen.'"
Obwohl Alice nie an Wahrsagerinnen geglaubt hat, gehen ihr die Worte der Frau nicht mehr aus dem Kopf.
Im Original heißt der Roman "Die sonderbare Reise des Herrn Daldry". So heißt der einigermaßen unfreundliche, dann aber doch wieder hilfsbereite Nachbar von Alice. Sie schüttet dem exzentrischen Landschaftsmaler, der im Übrigen Kreuzungen bevorzugt, ihr Herz aus. Daldry schlägt vor, noch einmal nach Brighton zu fahren und begleitet sie. Die Wahrsagerin rät Alice, nach Istanbul zu reisen - und die plagt von da an jede Nacht der immer gleiche Albtraum:
"Alice läuft barfuß und sieht sich nach allen Seiten um. Die bunten Metall-Jalousien der kleinen Geschäfte sind heruntergelassen. Aus der Ferne vernimmt sie eine Stimme. Eine Frau ruft nach ihr. Sie steht an der Treppe und bedeutet ihr, sich zu beeilen, als drohe ihr Gefahr. Alice beschleunigt den Schritt, doch die Frau eilt schon die Stufen hinab. Hinter ihr ist Gebrüll zu hören, Rufe und Schreie."
Synchronsprecher Uwe Büschken war schon die deutsche Stimme von Hugh Grant und Colin Firth. Hier macht er einen soliden Job, ist top als Betrunkener und nicht ganz so gut bei den Frauenrollen: Die geraten an einigen Stellen zu atemlos und ergriffen, dann wieder ist der Unterton plötzlich naseweis, die Stimme zu hoch gestellt. Und schon macht die Hauptfigur einen - garantiert ungewollten - blasierten Eindruck.
Gemeinsam mit dem schrulligen Kreuzungs-Maler macht sich Alice schließlich auf die Suche nach ihrem zweiten Leben und ihrer großen Liebe.
"Die zwei Leben der Alice Pendelbury" ist ein Reisebericht, eine Liebesgeschichte - und am Ende sogar noch eine kleine Lehrstunde in türkischer Geschichte.
Trotz einiger Vorhersehbarkeit und mancher Redundanz - gerade in Anbetracht des bevorstehenden Sommerurlaubs in (hoffentlich) sonnigeren Gefilden: Dieses Hörbuch kann man auf der Reise, im Liegestuhl oder im Hotelzimmer getrost in den CD-Player legen.

Marc Levy