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oder: Wie das Kamel seinen Höcker kriegte
Gelesen von Christoph Waltz
Vorgestellt von Andrea Heussinger
Rudyard Kipling hat die "Just so Stories" für seine verstorbene Tochter geschrieben.
Mehr als 100 Jahre ist es her, dass die "Just so stories for little Children" erschienen sind, mit dem Untertitel: "Geschichten für den allerliebsten Liebling". Damit war Josephine gemeint, die Tochter des Dschungelbuch-Erfinders und späteren Nobelpreisträgers Rudyard Kipling.
Der hatte all diese Geschichten selbst als Kind von seinem indischen Kindermädchen gehört, sie dann seiner Tochter erzählt und schließlich auch für alle anderen Kinder aufgeschrieben. 1902 erschien das Buch - nun, 110 Jahre später, gibt es die "Just so Stories", zu Deutsch "Genau-So-Geschichten oder: Wie das Kamel seinen Höcker kriegte", als Hörbuch.
Die Geschichten liest ausgerechnet der derzeitige Parade-Bösewicht des internationalen Kinos - der österreichische Schauspieler Christoph Waltz. Mit der typisch gesenkten Stimme und dem verschwörerischen Unterton - was aber hier kein bisschen bedrohlich wirkt, sondern sehr unterhaltsam und kindgerecht ist. Kipling würde wahrscheinlich sagen: "Elegant und amüsant, nicht arrogant - und auch nicht anstrengend oder unpassend, sondern voller Charme, die Stimme warm".
Entstehungsgeschichten vom "Anfang aller Jahre, als die Welt noch so funkelnagelneu war", dass der Wal noch keine Gurgel hatte, der Leopard noch keine Flecken, das schlechtgelaunte und manierenlose Nashorn noch nicht seine faltige Haut - jede der fünf bis 20 Minuten langen Geschichten birgt ein Feuerwerk an Alliteration und kleinen Reimen, ist voller Wortneuschöpfungen und sprechenden Namen. Sie alle liefern biologisch völlig unkorrekte, dafür aber umso fantasievollere Erklärungen für typische Merkmale der Tiere - zum Beispiel eben auch für den charakteristischen Höcker des Kamels, dem die "Genau-So-Geschichten" ihren Untertitel verdanken.
"Da gab es ein Kamel und es lebte mitten in einer scheuseligen Wüste, weil es nämlich arbeitsscheu und außerdem noch ein Scheusal war. Deshalb aß es Stöcke und Dornen und Tamarisken und Wolfsmilch und Stacheln, ganz schauerlich faul. Und wenn jemand etwas zu ihm sagte, sagte es: 'Höck!' Bloß 'Höck' und sonst nichts."
Hintergrund der heiteren Geschichten ist ein sehr trauriger: Kipling schrieb sie für seine Tochter Josephine auf - wenige Jahre nachdem der "allerliebste Liebling" mit sechs Jahren an einer Lungenentzündung gestorben war.
Der Schauspieler Christoph Waltz trifft auf diesem Hörbuch den richtigen Ton.
Elf der insgesamt 13 "Just so Stories" hat Waltz eingesprochen. Einer der Höhepunkte ist die Geschichte von dem Elefantenkind, das unbedingt wissen will, was das Krokodil zu Mittag isst - und sich dafür quer durch das halbe Tierreich fragen muss, bis es endlich auf das Krokodil höchstpersönlich trifft...
Das Hörbuch wird dem Wesen der Genau-so-Geschichten perfekt gerecht, schließlich müssen die laut Kipling jedes einzelne Mal genau so wie sonst immer erzählt werden - da jede noch so kleine Änderung das Einschlafen unmöglich machen würde. Und genau das passiert hier: Waltz liest diese wunderbaren Geschichten garantiert immer genau so wunderbar vor, wie sie sein müssen.

Rudyard Kipling