Lesenswerte Bücher vorgestellt
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Vorgestellt von Ulrike Sárkány
Das Hörbuch "Ulysses" versammelt 38 Stunden Hörgenuss auf 31 CDs!
Undenkbar, dass man in Berlin etwa einen Franz-Biberkopf-Tag begehen würde! Dabei wäre es doch nicht so abwegig, einmal im Jahr am Alexanderplatz ein Fest zu Ehren von Alfred Döblins Roman zu feiern. Macht aber keiner. Aber seit bald sechzig Jahren gibt es in Dublin den Bloomsday. Am 16. Juni wird in Irlands Hauptstadt - und auch in einigen andern Städten der Welt - mal wieder eine vergnügte literarische Kneipentour gemacht, mit gebratenen Nierchen und Gorgonzola-Brot.
Leopold Bloom heißt die Hauptfigur im Roman "Ulysses" von James Joyce, und er ist der einzige Romanheld der Welt, für den ein Fest gefeiert wird. Falls Sie das Buch noch immer nicht gelesen haben: Ab jetzt gibt es die ungekürzte Lesung mit über 30 namhaften Schauspielern als Hörbuch.
Er ist nicht nur in Kiel geboren, sondern ermittelt dort auch für den "Tatort" als Kommissar Borowski: Axel Milberg. Auch in Kinofilmen brilliert er, wie in "Hannah Arendt" von Margarethe von Trotta. Seine Stimme leiht der preisgekrönte Schauspieler neben dem "Ulysses" etwa den deutschen Hörbüchern von Henning Mankell.
Hier ist die erste Garde der Vorleser versammelt: Ulrich Noethen, Burghart Klaußner, Sophie Rois, Imogen Kogge, Ulrich Matthes, Christian Berkel, Axel Milberg – sie übertreffen sich alle selbst. Endlich muss man sich keine Sorgen machen, dass man die vielen schlauen Anspielungen im Text vielleicht gar nicht erkennt, denn das Zuhören macht einfach Spaß.
Peter Matić liest das berühmte vierte Kapitel: In der Dubliner Eccles Street Nummer 7 beginnt der Anzeigen-Akquisiteur Leopold Bloom den 16. Juni 1904 mit einem deftigen Frühstück für sich und seine Frau Molly. Die knapp tausend Seiten des Romans erzählen diesen einen Tag. Es ist der Tag, an dem James Joyce in der Realität seine Frau Nora Barnacle zum ersten Mal ausführte. Während der Niederschrift des Romans lebte das Paar längst in Triest - kein Wunder, dass dann auch Italienisch gesprochen wird. Sprecher Frank Arnold beherrscht das meisterhaft.
James Joyce schuf mit Leopold Bloom im Roman "Ulysses" die einzige Romanfigur der Welt, für die ein Fest gefeiert wird.
Die blendend makellose Mammutlesung ist beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) entstanden, in der Regie von Ralph Schäfer und in der Redaktion von Claus-Ulrich Bielefeld. In Auszügen war der "Ulysses" natürlich auch früher schon im Rundfunk zu hören, aber nur eine alte Lesung fand Eingang in diese prachtvolle Neuproduktion.
Den großen fließenden Schlussmonolog der Molly Bloom las Edith Clever 1985 beim Sender Freies Berlin (SFB) ein. Hans Wollschlägers Übersetzung von 1975 erweist sich als langlebig. So virtuos vorgetragen wird aus dem "schwierigen" Stoff ein frecher, witziger Abenteuerroman – ganz im Sinn des Autors.

James Joyce