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Regie: Leonard Koppelmann
Vorgestellt von Lena Bodewein
"Wir hatten es schön zusammen, Molotow, mein Kater, und ich, draußen in der Hütte bei Yxhult – bis der Scheißfuchs eines Tages den Kater erwischte – Molotow! – Miiaaaaaauuu!"
Bei der anschließenden Vergeltungsaktion sprengt Allan Karlsson aus Versehen sein Gehöft in die Luft und landet im Altersheim. Da hätte er auch um ein Haar seinen 100. Geburtstag gefeiert – wäre er nicht durchs Fenster gestiegen und verschwunden ...
Regisseur Leonard Koppelmann hat aus dem Bestseller mit tollen Sprechern und knackiger Musik ein großes Hörvergnügen gemacht.
Der Rest ist Millionen von Lesern des Bestsellers "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" von Jonas Jonasson bekannt: Allan Karlsson gelangt an einen Koffer mit sehr viel Geld sowie an neue skurrile Freunde samt Elefantenweibchen, und zwischendurch erzählt er seine Lebensgeschichte.
Es ist ein Ritt durchs 20. Jahrhundert in bester Forrest Gump-Manier, nur mit sehr viel mehr Alkohol. Der Hundertjährige hat Mao, Truman und De Gaulle getroffen, als Doppel-Agent gearbeitet, nebenbei die Atombombe erfunden und das Ende des Kalten Krieges herbeigeführt.
Der schwedischer Bestsellerautor Jonas Jonasson im November 2011 zu Gast in Hamburg.
Heinz-Dieter Sommer hat diesen Schelmenroman zu einem Hörspiel umgearbeitet, das drei Gattungsformen kombiniert: Zum einen gibt es eine Art Dokumentation mit Originaltönen von Stalin oder Franco, zweitens das Roadmovie – Allan und seine Freunde fliehen vor Gangstern und Polizei –,und als drittes den Krimi, hier in Reportageform, mit schnellen Schnitten, Nachrichtenton und Newsticker.
Aus einer furiosen Vorlage hat Regisseur Leonard Koppelmann ein großes Hörvergnügen gemacht, mit knackiger Musik von der Bigband des Hessischen Rundfunks und jeder Menge toller Sprecher wie Marion Breckwoldt und Charly Hübner:
"Schöne Frau, haben Sie auch einen Namen? Jo, ja jetzt eigentlich ja jetzt so Gunilla, aber verdammt nochmal schöne Frau, das klingt ja ganz gut, kannst mich ruhig weiter so nennen."
Mit dabei auch Christian Redl, Rosemarie Fendel, Walter Renneisen und vor allem Matthias Habich als knorriger Allan – da gibt es herrliche Ensembleszenen:
"Die hab ich mitgehen lassen ... du hast eine Tüte Bonbons gestohlen, obwohl wir 50 Millionen im Koffer haben?"
Die Vorlage musste stark gekürzt werden, darum fassen die Figuren die Handlung oft ein wenig aufsatzartig zusammen. Dafür ist das Hörspiel an vielen Stellen so verspielt und absurd, dass man merkt: Musiker und Sprecher waren mit Schmackes bei der Sache.

Jonas Jonasson