Dieses Thema im Programm:
Wen die Twilight-Vampire nerven oder wer wissen möchte, wo sie ihre Vorbilder haben; wer Klassiker der Schauerliteratur neu entdecken will oder wer sich einfach nur an Winterabenden mit einem spannenden Hörspiel aufs Sofa verziehen will, der macht mit der Hörspielbox "Grabeskalt" nichts falsch - er riskiert lediglich seinen Schlaf ...
Von Lena Bodewein, NDR Info
Die "Grabeskalt"-CDs sind bei "der Hörverlag" erschienen.
Ein dunkelgrünes Cover, Ranken winden sich um Spiegel wie Grabsteine - "Grabeskalt" heißt diese Hörspielbox, und sie birgt Grusel mit klassischem Anspruch - wie zum Beispiel "Frankenstein" von Mary Shelley:
"Was sehen Sie? - Die riesenhafte Kopie eines Menschen, ungeschlacht, struppig und Fleisch von der Farbe einer Made, ein sabbernder Mund, tote Augen in einem riesigen Schädel - ich sehe eine widerliche abstoßende Scheußlichkeit!"
Boris Karloff in der Rolle des "Frankenstein".
Frankenstein, das ist doch der mit dem Monster, mit den Scharnieren im Hals - so das gängige Bild. Aber dieses Hörspiel hat sich mit Stil ans Original gehalten: es ist kein billiger Klamauk, sondern es ist die unendlich traurige Geschichte eines Menschen, dessen Ehrgeiz und Besessenheit ihn um alles bringen, was er geliebt hat - und dessen Geschöpf ungeliebt und einsam durch die Welt wütet:
"'Du wagst es, so mit dem Leben zu spielen?' - 'Du wagst es, mir vorzuwerfen, dass ich dich erschaffen habe?' - 'Mein Schöpfer. Ich weiß, du hasst mich ... alle Menschen hassen die, die elend sind...'"
Die Alpen und das Eis der Arktis als Szenerie, Sprecher wie Jens Wawrczeck, Christian Redl und Hansa Czypionka - "Frankenstein" war selten packender.
Auch er gab den "Dracula": Christopher Lee.
Ein weiterer Klassiker steckt in der Grusel-Box:
"Er lebt fort und fort und kann nicht von der Zeit getötet werden ..."
Dracula, ebenfalls toll besetzt mit Felix von Manteuffel, Gerd Baltus, Andreas Fröhlich oder Jörg Pleva als fliegenessendem Renfield:
"'Renfield, Sie essen da eine - finden Sie das nicht etwas merkwürdig?' - 'Nein! Blut bedeutet Leben! Leben!'"
Oft sind die Bilder, die der Kopf erzeugt, doch noch viel unheimlicher als alles, was ein Film an Gruselkost servieren kann ... ein junger Mann, allein in einem einsamen Schloss, nur ein merkwürdiger Gastgeber ...
"'Guten Morgen!' - 'Aah! Ich habe Sie gar nicht im Spiegel gesehen!' - 'Sie, Sie haben sich geschnitten, Sie ... Sie bluten!'' - 'Nicht so schlimm, ich brauche nur ein kleines Pflaster ...' - 'Aaargh!'"
Dank dieses Hörspiels wird noch einmal klar: Im Gegensatz zu den ganzen Teenie-Vampirgeschichten ist Dracula mit Recht Weltliteratur. Vielleicht gehört dieser moderne Grusel-Klassiker, der dritte in der Hörspielbox, auch irgendwann dazu:
Berühmt für seine Gruselgeschichten: Autor Stephen King.
Für manche mag diese Situation schon wie das Grauen klingen:
"Was für eine Fahrt, mannomann, die nahm kein Ende. Rachel war der ganze Umzug unheimlich; Ellie, hinten eingepfercht, moserte vor sich hin - 'Daddy, wann sind wir endlich da?!' - und Gage, der arme kleine Kerl, zahnte - 'Wäääääääh ...'"
Aber bei Stephen King kommt es natürlich noch viel schlimmer: eine scheinbar idyllische Kleinstadt mit finsterem Geheimnis, eine indianische Begräbnisstätte mit bösem Geist, auferstandene Killerkatzen und mordende Zombie-Babies:
"'Gage? Gaage?!' Ich folgte den kleinfüßigen Spuren aus Erde und Lehm, über die sich kreuz und quer Pfotenspuren aus etwas anderem zogen ... etwas Dunklem und Klebrigem ..."
Also: Wer sich vor zu viel Vorweihnachts-Idylle fürchtet, findet in dieser Hörspielbox ein schauriges Kontrastprogramm, Grusel mit Klasse. Um es mit Frankensteins Monster zu sagen:
"Jetzt ist es vorbei, wahrhaftig."

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