George Harrison: Living in the Material World

George Harrison © picture-alliance / united archives Detailansicht des Bildes George Harrison in seiner Zeit bei den Beatles. Die Beatles - Lennon und McCartney, das waren die Stars. Aber George Harrison? Der ging immer ein bisschen unter. Alle nannten ihn nur den "stillen" Beatle. Dabei hat er einige der bewegendsten Songs der Beatles geschrieben, wie zum Beispiel "Here Comes The Sun". George Harrisons Leben war voll von Brüchen und Konflikten. "Er hatte fünf Leben in einem. Wenn ihn jemand gefragt hätte: Willst du fünf Leben hintereinander, oder ein wirklich intensives, dann hätte er sicher gesagt: Gib mir das eine Leben, ich komme nicht noch mal zurück", erzählt seine Witwe Olivia.

In einem Bildband lässt Olivia Harrison dieses Leben jetzt wieder auferstehen. Und gemeinsam mit dem Regisseur Martin Scorsese produzierte sie einen eindrucksvollen Dokumentarfilm.

George Harrison: Living in the Material World

Dokumentation von Martin Scorsese
2 DVDs
Länge: 209 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Preis: 14,99 Euro

Der Beginn der Fab Four

Hamburg 1960: Auf der Reeperbahn beginnt die Weltkarriere der Beatles. Harrison dürfte eigentlich gar nicht dabei sein. Er spielt mit den Beatles ausgerechnet in einem Strip-Club und ist noch nicht einmal volljährig. "Mit 17 mitten in der verruchtesten Stadt der Welt aufzutreten - das war schon aufregend!", sagt er in der Dokumentation. "Wir waren Punks. Nichts als Punks", so Ringo Starr. Und Paul McCartney erinnert sich: "Wir brauchten einen Gitarristen. John und ich waren nicht so gut, dass wir solo spielen konnten. Und ich sagte: Ich kenne da einen, der ist zwar ziemlich jung, aber er ist gut."

Paul McCartney, John Lennon und George Harrison auf dem Dach des Top Ten Clubs in Hamburg, 1961. © Harrison Family Detailansicht des Bildes George Harrison, John Lennon und Paul McCartney (v.l.n.r.) auf dem Dach des Top Ten Clubs in Hamburg, 1961. Auf dem Höhepunkt ihrer Popularität revolutionieren die Beatles mit jeder Platte die Popmusik. Und es ist vor allem George Harrison, der musikalisch experimentiert: mit Folk, Klassik und indischer Musik. Er war ein Melancholiker - immer auf der Suche nach wahrer Harmonie, jenseits von Showbusiness, Ruhm und Geld. "Als wir plötzlich all das Geld hatten, merkten wir erst, dass Geld keine Antwort ist. Wofür andere Leute lange arbeiten müssen, hatten wir schon ganz früh. Und das war gut. Denn dadurch lernten wir, dass Geld nicht das Ziel sein kann. Dass uns immer noch etwas fehlte", so Harrison.

Auf der Suche nach Grenzerfahrungen

Was ihm fehlt, findet George Harrison in Indien. Was für die anderen Beatles eine Episode unter vielen ist, die Reise zu Maharishi Yogi, wird für George zum Zentrum seines Lebens. Er konvertiert zum Hinduismus, lernt Sitar spielen und ist immer auf der Suche nach neuen Grenzerfahrungen: "Als wir die berüchtigte Wunderdroge LSD ausprobierten, waren wir ganz naiv. Und das war gut. Denn es gibt ja so eine Paranoia rund um LSD, dass die Leute schon auf einem schlechten Trip sind, bevor sie die Droge nehmen. Wir dagegen nahmen sie einfach, und es war unglaublich."

Harrison verlässt die Beatles

George Harrison bei den Aufnahmen für das Album The Radha Krishna Temple in London, 1969. © Harrison Family Detailansicht des Bildes George Harrison bei den Aufnahmen für das Album "The Radha Krishna Temple" in London, 1969. Ende der 60er-Jahre isoliert sich George Harrison immer weiter von der Band. Er ist frustriert, gegen John und Paul kann er sich mit seinen Songs nicht durchsetzen. Während der Aufnahmen zu "Let It Be" ist er derjenige, der als erster die Beatles verlässt. "Die Spannungen nahmen immer mehr zu", erzählt McCartney über die Zeit. "George hatte das Gefühl, dass ich die Dinge diktierte. Und es stimmte ja: Ich diktierte die Dinge, weil ich wusste, wie meine Songs klingen sollten. So wie John seine Songs diktierte. Und George genauso." "Irgendwann erstickte uns das alles", so Harrison. "Es waren zu viele Einschränkungen. Das musste sich selbst zerstören."

Unbekannter versucht George Harrison zu erstechen

George zieht sich ganz auf seinen luxuriösen Landsitz in der Nähe von London zurück. Zwar nimmt er noch Soloalben auf, doch die sind mäßig erfolgreich. Er organisiert auch Konzerte für Bangladesch und scheint endlich seinen inneren Frieden gefunden zu haben. Doch dann holt ihn seine Berühmtheit wieder ein. Ein geistig verwirrter Einbrecher verletzt ihn lebensbedrohlich. "Es war schrecklich", berichtet Olivia Harrison. "Zuerst hörte ich nur diese Stimme wie aus der Hölle, wie die Glocken der Hölle. Und dann stürmte der Mann die Treppe hinauf, warf sich auf George, lag auf ihm drauf, stach mit einem Messer auf ihn ein und versuchte ihn zu töten."

"Ich habe mich oft gefragt: Wenn ich in einer Stunde meinen Körper verlassen müsste, was würde ich vermissen? Und ich sagte mir: Na ja, ich habe einen Sohn, der braucht einen Vater. Für ihn sollte ich noch ein bisschen dableiben. Aber abgesehen davon kann ich mir kaum einen Grund vorstellen, noch länger hierzubleiben", sagt Harrison 1999.

Zwei Jahre später starb George Harrison an Lungenkrebs. Der melancholische, der leise, der verkannte Beatle mit den wunderschönen Songs.

(Autor: Joachim Gärtner)

Buchcover: illustrierte Biografie über George Harrison: Living in the Material World von Olivia Harrison. © Knesebeck Verlag

George Harrison: Living in the Material World

Olivia Harrison

  • Typ: Buch
  • Bestellnummer: 978-3868734164
  • Verlag: Knesebeck (Oktober 2011)
  • Preis: 39,95 €
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