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Hans Fallada - Der unbeugsame Autor

von Wolf-Rüdiger Leister

Über 60 Jahre nach seinem Tod erleben die Werke Hans Falladas eine unerwartete Renaissance, besonders auf dem anglo-amerikanischen Buchmarkt. Dort ist sein Roman "Jeder stirbt für sich allein" ein Bestseller: 300.000 verkaufte Exemplare in Großbritannien, 150.000 in den USA.

Porträt des Schriftstellers Hans Fallada © picture-alliance / akg-images Fotograf: akg-images Der Schriftsteller Hans Fallada, eigentlich Rudolf Ditzen, wurde 1893 in Greifswald geboren.

Sein in Geheimschrift hinterlassener autobiografischer Roman "Der Trinker" von 1950 ist posthum zum Welterfolg geworden. Er erzählt eindrücklich die Tragödie eines Mannes. Seitdem gilt Hans Fallada als einer der bedeutendsten sozialkritischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts aus Deutschland.

Hans Fallada, eigentlich Rudolf Ditzen, wird am 21. Juli 1893 Greifswald als Sohn des Landrichters Wilhelm Ditzen und dessen Frau Elisabeth geboren. Die Familie zieht nach Berlin und später nach Leipzig. Dort unternimmt Fallada noch während der Schulzeit mit einem Freund einen als "Duell" getarnten Doppelsuizidversuch. Der Freund stirbt, Fallada überlebt schwerverletzt. Ohne Schulabschluss kommt er für zwei Jahre in eine Nervenheilanstalt.

Sucht und Gefängnis

Nach der Entlassung arbeitet er ab 1913 in der Landwirtschaft, meldet sich 1914 als Kriegsfreiwilliger, wird aber wegen seiner Alkohol- und Morphiumsucht für untauglich befunden. Bis 1919 kommt er immer wieder in Entzugskliniken, eine dauerhafte Heilung erreicht er aber nicht. Er beginnt zu schreiben, 1920 veröffentlicht er den expressionistisch beeinflussten Debütroman "Der junge Goedeschal" drei Jahre später das Werk "Anton und Gerda".

Er arbeitet wieder in der Landwirtschaft, nun in Mecklenburg. Um seine anhaltende Sucht zu finanzieren, begeht Fallada mehrere Betrugsdelikte, die ihn 1923 für Monate und ab 1925 für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis Neumünster bringen. Diese Erfahrung geht 1934 in den Roman "Wer einmal aus dem Blechnapf frisst" ein. Nach der Haft heiratet er 1929 in Hamburg Anna "Suse" Issel, mit der Lebens- und Arbeitsfreude in sein Leben zurückkehren. Aus der Ehe stammen drei Kinder.

Fallada arbeitet nun als Lokalredakteur in Neumünster. 1930 stellt ihn der Berliner Rowohlt-Verlag an, er schreibt wieder Romane. Mit dem Kleinstadt- und Landvolkroman "Bauern, Bonzen und Bomben" stellt sich 1931 auch der Erfolg ein. "Kleiner Mann - was nun?" von 1932 kommt auf 45 Auflagen und 20 Auslandsausgaben.

Denunziation und Opportunismus

Mit Frau und dem ersten Kind lebt der Autor bei Berlin, sein Erfolg ermöglicht es ein Landgut in Carwitz zu kaufen. Vor dem geplanten Umzug nach Carwitz denunziert ihn ein Mieter seines Hauses wegen angeblich staatsfeindlicher Gespräche. Er kommt für elf Tage in Fürstenwalde in Haft. Nach politischer Kritik schreibt Fallada unkritische Unterhaltungsliteratur, auf Geheiß des Propagandaministeriums schreibt er den Roman "Der eiserne Gustav" 1938 sogar um.

Während des Krieges entstehen "Kleiner Mann großer Mann - alles vertauscht" (1940), "Der unbeliebte Mann" (1940) und die Erinnerungsbücher "Damals bei uns daheim" (1942) und "Heute bei uns zu Hause" (1943). Jedem größeren Werk folgt ein Sanatoriums-Aufenthalt. Schlaflosigkeit und Morphium-Abhängigkeit begleiten den selbstzerstörerischen Schaffensprozess seiner Werke.

1944 wird seine erste Ehe geschieden, nachdem er seine Frau mit einer Pistole bedroht hat. Deshalb wird er auch vorübergehend in die Landesanstalt Strelitz eingewiesen. Dort lernt er die ebenfalls suchtkranke, fast 30 Jahre jüngere Ursula Losch kennen. Im Februar 1945 heiraten beide.

Letzte Jahre in Berlin

Grabstein des Schriftstellers Hans Fallada in Carwitz © picture alliance / dpa Fotograf: Winfried Wagner Detailansicht des Bildes Auf dem Friedhof in Carwitz hat Hans Fallada seine letzte Ruhestätte gefunden. Seine letzten Lebensjahre verbringt Fallada häufig schwerkrank in Berliner Krankenhäusern. Am 5. Februar 1947 stirbt er an Herzschwäche in Berlin. Kurz zuvor vollendet er den 1949 erschienenen Roman "Jeder stirbt für sich allein" über die authentische Geschichte eines Arbeiter-Ehepaars in Berlin, das im Kampf gegen das Hitlerregime sein Leben lassen muss.

Etliche seiner Werke sind verfilmt worden, so 1958 "Der eiserne Gustav" mit Heinz Rühmann, 1964 "Wolf unter Wölfen" mit Armin Mueller-Stahl, 1975 "Jeder stirbt für sich allein" mit Hildegard Knef und 1995 "Der Trinker" mit Harald Juhnke. Auch auf deutschen Bühnen kehrt Fallada zurück, nicht zuletzt in Hannover. Neu entdeckte Manuskripte wecken darüber hinaus das Interesse an dem großen Schriftsteller.

In Erinnerung an den Schriftsteller vergibt die Stadt Neumünster seit 1981 den Hans-Fallada-Preis.

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Porträt des Schriftstellers Hans Fallada © picture-alliance / dpa Fotograf: Bifab
 

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