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Orientierung im Bücherdschungel - mit Denis Scheck.
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Cora Stephan bei der Buchpräsentation
Sie hält zu ihm: Angela Merkel verteidigt ihren Verteidigungsminster, steht ihm in seinen schwersten Stunden zur Seite - entgegen aller Verdachtsmomente. Freundschaftsbeweise vor aller Augen: "Ich hab keinen wissenschaftlichen Assistenten oder einen Promovierenden oder einen Inhaber einer Doktorarbeit berufen, sondern mir geht es um die Arbeit eines Bundesverteidigungsminister." Die Publizistin Cora Stephan findet diese Worte flapsig und respektlos. Respektlosigkeiten von einer Frau, die eines geworden ist: respektabel. Keiner lästert mehr über ihre Frisuren. Ihr Aussehen ist heute kein Thema mehr. Seit sechs Jahren ist sie die Mächtigste im Land. Doch was hat Angela Merkel aus der Macht gemacht?
"Diese Bilanz ist in der Tat so etwas von traurig, dass einem schon fast die Tränen kommen, wenn man nicht gerade sauer darüber ist", sagt die frustrierte Wählerin Cora Stephan. Und noch mehr als das: In ihrem Buch "Angela Merkel. Ein Irrtum" erzählt sie die Geschichte ihrer enttäuschten Liebe zur Bundeskanzlerin. Eine Liebe, die vor fast dreißig Jahren begann. Damals nahm niemand Angela Merkel ernst. Diese unbeholfene Frau, eine kinderlose Wissenschaftlerin, noch dazu aus dem Osten. Viele reduzierten sie auf menschliche Makel und fragten: Warum ausgerechnet Angela?
"Kaum jemand von unseren Politikern ist derartig frauenfeindlich gemobbt worden wie Angela Merkel. Und ich fühlte mich, ehrlich gesagt, damit ein bisschen persönlich angeschossen und hab mich wahrscheinlich auch damit identifiziert: mit einer Frau, die keine Schönheit ist, die wie eine ganz normale Frau wirkt, meine Güte. Übrigens: Die junge Angela Merkel wirkt auf mich heutzutage rührend."
Cora Stephan hat Merkel gewählt - wie viele andere. Sie unterstützte Angie nicht, weil sie eine Frau war, sondern weil sie für etwas stand: für einen Neubeginn, eine historische Chance auf einen völlig neuen politischen Stil. Argumente statt Posen, Klartext statt Phrasen. "Das eine ist natürlich, dass ich auch gegen etwas gewählt habe im Jahre 2005. Ich konnte nämlich unsere testosterongesteuerten Männer nicht mehr ertragen. Angela Merkel war ein völlig anderes Programm. Sie schien mutig zu sein, sie machte sehr, sehr klare Aussagen, sie hatte ein ausgesprochen gepflegtes Reformprogramm."
Aber dann: Die unerklärliche Wandlung der Angela M. Im Kanzleramt sitzt plötzlich eine konturlose Weichspülpolitikerin. Cora Stephan tauft ihre Merkel deshalb um - aus der straighten "Angie" wird die wankelmütige "Tina" - eine wie alle. "Warum auch diese Kanzlerin die Bevölkerung nicht ernst nimmt und stattdessen mit Schmusedeckchen kommt und mit viel Wärmegefühl und einer Ansprache, die ich manchmal regelrecht infantil finde, das vermag ich nicht nachzuvollziehen."
Früher war Merkel eine kühle Rechnerin und eine noch kühnere Strategin. Doch mittlerweile appelliert sie nicht mehr an den Verstand, sondern lieber ans Gefühl. "Familien hängen da dran, Ungewissheit. Wie viele Menschen haben Angst um ihren Arbeitsplatz?", heißt es in einer ihrer Ansprachen.
"Man hat auch das Gefühl, sie entscheidet gar nicht mehr. Man hat das Gefühl, sie wartet so lange, bis die Dinge sich so weit zugespitzt haben und als ob es nur noch einen Weg gibt. Und das nennt sich dann 'alternativlos'."
Stattdessen Symbolpolitik. Cora Stephan ist sauer: Ihre Hoffnungsträgerin inszeniert sich plötzlich als Klimakanzlerin, lenkt mit Reisen ins Polareis davon ab, dass sie zuhause den Kurs verloren hat. "Leute, wer noch nicht mal eine schlichte Steuerreform zustande bringt, möchte die Welt retten, indem er den Klimawandel aufhält? Das kann ja gar nicht wahr sein!"
Das Buch "Angela Merkel. Ein Irrtum" ist nicht nur eine Abrechnung mit Merkel allein. Die Kanzlerin ist nur das prominenteste Beispiel für eine Polit-Szene, in der sich Langweiler an Langweiler reiht, Entscheidungen nicht getroffen sondern vertagt werden. Wie schwer muss es sein, in dieser Welt noch Kante zu zeigen? Anpassung bis zur Selbstverleugnung? "Manchmal, wenn ich Lust auf Phantasien habe, dann stelle ich mir vor, dass Angela Merkel selbst dasteht und leidet unter diesem System, was zum Verrenken und Verdrehen führt. Was die dazu nötigt, dumme Sätze zu sagen."
(Beitrag von Eva-Maria Lemke und Sylvie Kürsten)

Cora Stephan