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Link in neuem Fenster öffnenVorgestellt von Katharina Mahrenholtz
Das neue Buch von Anne C. Voorhoeve ist im Ravensburger Verlag erschienen.
Helgoland, 18. April 1945: Die britische Luftwaffe hat 7.000 Bomben in knapp zwei Stunden über der Insel abgeworfen. Die meisten Bewohner haben zwar in den Bunkern überlebt, aber ihr Zuhause ist zerstört. Helgoland wird evakuiert. Das ist der Ausgangspunkt für Anne Voorhoeves Roman.
"Ich fand einfach, das ist eine tolle Weise, eine Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg zu erzählen, die gut ausgegangen ist", antwortet die Autorin auf die Frage nach ihren Beweggründen, diesen Roman zu schreiben. Bis zum guten Ausgang allerdings vergingen sieben Jahre. Solange mussten die Helgoländer woanders unterkommen. So auch die zwölfjährige Alice, die Heldin des Romans, und ihre Familie, die bei einer entfernten Bekannten in Hamburg wohnen können - zusammen mit vielen anderen Flüchtlingen.
Alice, ihre Mutter, Großmutter und der Bruder haben ein einziges Zimmer, die Küche darf nur zu bestimmten Zeiten benutzt werden. Es ist eng, kalt und es gab nie genug zu essen.
"Im Radio war empfohlen worden, jeden Bissen nicht nur langsam zu kauen, sondern mit Hingabe; eine achtsame Art des Essens, hieß es, stelle größeres Sättigungsgefühl her und könne den Nährwert des Lebensmittels gleichsam vervielfachen." (Buch-Zitat)
Alice freundet sich mit einem Flüchtlingsjungen aus dem Haus an und lernt von ihm, wie man das Nötigste zum Leben organisiert. Auf dem Schwarzmarkt, auf Hamsterfahrten. Es ist ein Kampf, jeden Tag, obwohl der Krieg vorbei ist. "Deswegen heißt das Buch "Unterland". Das ist ein Teil Helgolands und auch synonym für den Status Deutschlands in diesen Jahren. Das war ja wirklich ganz am Boden, tiefer ging es ja gar nicht. Und dazu gehörte auch der Kampf um die physische Existenz und um den Kopf klar zu kriegen und zu wissen, wer sind wir, haben wir noch eine Zukunft als Deutsche und wie kann die aussehen", so VVoorhoeve.
Anne Voorhoeve beschreibt sehr eindrucksvoll diese Nachkriegsjahre. Man friert mit Alice und möchte nie wieder über altes Brot zum Frühstück meckern. Trotzdem ist "Unterland" kein pädagogisches Buch nach dem Motto: Seht mal, so schlecht ging es denen! Wie auch in ihren anderen Jugendromanen schafft es die Autorin, vor einem historischen Hintergrund eine richtig gute Geschichte zu erzählen.
Zu Voorhoeves Recherchen gehörten auch viele Gespräche mit Ernie Rickmers, der Schwester von James Krüss. Die Familie hat die Bombardierung Helgolands und die Vertreibung von der Insel miterlebt. Eine harte Zeit, meint Ernie Rickmers heute, aber auch ein Abenteuer: "Als Kind hat man eigentlich nicht so viel verloren. Man hat immer noch die ganze Zukunft vor sich, ist irgendwie optimistischer. Verloren haben vor allem die Erwachsenen ihre Habe. Ich weiß, dass ich es als Kind abenteuerlich gefunden habe."
Der junge James Krüss kommt übrigens auch als Randfigur in Voorhoeves Roman vor, ein nettes Detail, das die Geschichte noch realistischer erscheinen lässt.

Anne C. Voorhoeve