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Der Stadtpark - Schmelztigel der Völker

Vorgestellt von Annemarie Stoltenberg

Rolf von Bockel, Peter Schütt - ….und am siebten Tag schuf Hammonia den Stadtpark… (Cover) © Rolf von Bockel Verlag Detailansicht des Bildes Geschichten aus 100 Jahren Hamburger Stadtpark Kluge und weitsichtige Hamburger Stadtplaner (wie Fritz Schumacher und Alfred Lichtwark) haben schon in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts begonnen, sich Gedanken zu machen über Erholungs- und Erlebnisräume in der Stadt für die ganze Bevölkerung, damit - wie es hieß - Hamburg auch mit einer Million Menschen bewohnbar bleibt. Entstanden ist dann der Stadtpark in Winterhude, freigegeben für die Bevölkerung am 1. Juli 1914.

Heute ist dieser Park Schmelztiegel, ein Treffpunkt für alle Völker, die in der Großstadt Hamburg miteinander leben. Ein Jahr vor dem großen Jubiläum ist ein Buch mit Geschichten aus 100 Jahren Hamburger Stadtpark erschienen: "... und am siebten Tag schuf Hammonia den Stadtpark..." ist der Titel, herausgegeben von Rolf von Bockel und Peter Schütt.

Bunt gewürfelte Geschichten

4. September 2012: Trotz der Wolken brauchen Sie bei einem Spaziergang durch den Stadtpark keinen Regenschirm, es soll trocken bleiben. © Hans Thiedemann Fotograf: Hans Thiedemann Detailansicht des Bildes Der Stadtpark bietet viele Möglichkeiten für erholsame Spaziergänge. Es sind hier Fotos und Geschichten versammelt von Laien und Literaten, von Journalisten und Heimatforschern im besten Sinne - so bunt gewürfelt wie die Besucher des Stadtparks. Ein Gedicht ist dort zu lesen, das tief berührt. Fatma Sellami schreibt, wie am Wochenende, wenn sie nicht arbeiten geht, auf leisen Sohlen das Heimweh zu ihr kommt, Heimweh nach Tunis. Dann geht sie in den Stadtpark und trifft Landsleute, teilt beim Picknick das, was sie abrahamitische Gastfreundschaft nennt und in diesen Momenten fühlt sie sich - wenigstens für ein paar Stunden - glücklich unter Hamburgs sparsamer Sonne. Dann kann sie abends am Telefon sagen: "Mama es geht mir gut." Damit sie sich keine Sorgen macht.

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Porträt von Fritz Schumacher, undatiert. © picture-alliance / dpa Fotograf: dpa
 

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1909 trat der Architekt Fritz Schumacher in den Dienst der Hansestadt. Seine Backsteinbauten prägen bis heute das Stadtbild Hamburgs. Die Nazis zwangspensionierten ihn. mehr

Geprägt von der Arbeiterbewegung

Picknick im Park © NDR Fotograf: Petra Volquardsen Detailansicht des Bildes Die Wiesen werden gern für ein Picknick genutzt. Herausgeber Peter Schütt sagt über den Stadtpark: "Er ist proletarisch geprägt, ein Teil der Arbeiterbewegung, er hat den einfachen Leuten gehört, die es wirklich brauchten. Das ist das Moderne. Am Wochenende wird der Stadtpark nach Polizeiangaben von bis zu 220.000 Menschen besucht. Die grillen, da sind alle Völker - ich bin Nachbar des Stadtparks - jede Kultur, jede Nation hat ihren Platz zum Grillen. Da sind die Pakistanis, da sind die Vietnamesen, da sind die Türken, da sind die Afghanen. Ich wohne so nah am Stadtpark, dass ich am Geruch, der mir in die Nase steigt, genau merken kann, wer jetzt gerade grillt."

Ein Park für die breite Bevölkerung

Das Hamburger Planetarium bei Nacht © Planetarium Hamburg Fotograf: Tim Florian Horn Detailansicht des Bildes Durch die Beleuchtung erscheint das Hamburger Planetarium bei Nacht besonders imposant. Dem Verleger und Herausgeber Rolf von Bockel ist es wichtig, dass in dem Buch mit Texten über den Stadtpark auch die hundertjährige Geschichte abgebildet wird: "Insgesamt kann man sagen, dass der Stadtpark dazu diente, ein Forum zu bieten innerhalb der Hansestadt. Fern jenes Parks nach englischem Vorbild, wie sie im Jenisch Park oder anderen Parks existierten, um auch der breiteren Bevölkerung großen Raum zu gewährleisten. Das ging bis dahin, dass in den 30er Jahren dort Autorennen und Pferderennen stattfanden. Insgesamt war der Stadtpark somit auch als großes Kommunikationszentrum von seinen Ideengebern geplant. Neben Fritz Schumacher ist dort Alfred Lichtwark vor allem zu nennen, der allerdings 1914 starb und die Eröffnung gar nicht mehr mitbekam, aber der seit 1890 in Hamburg dafür plädierte, dass in Winterhude ein Stadtpark eingerichtet wird mit breiten Freizeiträumen."

Erholungsraum und Treffpunkt

Publikum bei Lotto King Karl and the Barmbek Dreamboys auf der Freilichtbühne im Stadtpark Hamburg am 18. September 2009. © picture-alliance / Jazzarchiv Detailansicht des Bildes Auf der Freilichtbühne im Stadtpark finden in den Sommermonaten regelmäßig Konzerte statt. Erholungsraum für eine wachsende Bevölkerung, das ist der Stadtpark bis heute und zusätzlich ein Schmelztiegel der Völker, die hier miteinander toben, lachen, feiern oder spazieren gehen können. Peter Schütt sagt, früher war der Stadtpark auch für die Liebespaare der Stadt wichtiger Treffpunkt, denn zu Hause konnte und durfte man sich damals nicht einfach treffen. Und diese erotische Bedeutung hat der Stadtpark bis heute: "Wie viele, sagen wir mal türkische oder afghanische, Liebespaare haben denn die Möglichkeit, sich in den Arm zu nehmen? Am besten, am verstecktesten Ort im Stadtpark!"

Jetzt nach Erscheinen des Buches kamen noch viele weitere Erinnerungsgeschichten zum Stadtpark bei den beiden Herausgebern an. Genug Stoff für einen zweiten Band im nächsten Jahr.

Rolf von Bockel, Peter Schütt - ….und am siebten Tag schuf Hammonia den Stadtpark… (Cover) © Rolf von Bockel Verlag

….und am siebten Tag schuf Hammonia den Stadtpark…

Rolf von Bockel, Peter Schütt

  • Typ: Buch
  • Bestellnummer: 978-3-932696-893
  • Verlag: Rolf von Bockel Verlag
  • Preis: 14,80 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 11.06.2013 | 12:40 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/literatur/buchtipps/stadtpark121.html
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Der Lesestoff vom  "Gemischten Doppel" vom 6. März 2012 bei NDR Kultur © NDR Fotograf: Patricia Batlle
 
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... und am siebten Tag schuf Hammonia den Stadtpark ...

11.06.2013 | 12:40 Uhr
NDR Kultur

Rolf von Bockel ist es wichtig, dass in dem Buch "...und am siebten Tag schuf Hammonia den Stadtpark..." die hundertjährige Geschichte abgebildet wird.

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