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Link in neuem Fenster öffnenvorgestellt von Lena Zieker
Buch über Leben und Arbeit der weltberühmten Choreografin Pina Bausch
Im Jahr 2009 ist Pina Bausch gestorben. Überraschend und schnell mit nur 68 Jahren. Seither ist eine wahre Flut an Bildbänden über ihr Leben und Werk erschienen. Keiner allerdings war wohl so mächtig und opulent wie der von Ursula Kaufmann.
Ob Pina Bausch der schimmernde Goldglanz gefallen hätte, der den Bildband umrahmt? Der Choreographin, die schon mal in Gummistiefeln und Männerhosen im Probensaal erschien? Dem Arbeitstier mit der leisen Stimme, der kettenrauchenden Erfinderin so vieler bewegender Tanzstücke - über 40 an der Zahl.
Einem solchen Werk kann man nur mit einem sehr dicken Buch gerecht werden, muss sich Ursula Kaufmann gedacht haben. Ihr Bildband ist 30 mal 40 Zentimeter groß und über drei Kilo schwer.
"Kontakthof" des Tanztheaters Wuppertal / Pina Bausch ist dem Publikum auch aus dem Wim Wenders-Film "Pina" bekannt.
Seit 1975 begleitet die Theaterfotografin die Stücke von Pina Bausch. Immer mit einem eher emotionalen und subjektiven Blick durch die Kamera. "Mich interessiert nicht, wie die Menschen sich bewegen, sondern, was sie bewegt." Dieses berühmte Zitat von Pina Bausch liegt auch den Bildern von Ursula Kaufmann zugrunde.
Sie hat nicht allein die schönen Bewegungen auf den großformatigen Fotos festgehalten - eine Balancefigur in der höchsten Streckung, ein gepunkteter Rock, der einer Drehung hinterher weht, lange braune Haare, die wie ein Schweif durch die Luft fliegen. Spannender als all das sind die Geschichten, die die ausdrucksstarken Gesichter der Tänzer erzählen: Von Trauer, Verzweiflung, Angst oder Lebenslust berichten sie...
Pina Bausch hat in ihrem Leben viele bewegt. 2009 ist sie gestorben.
Pina Bausch wollte nie nur schön sein, sondern wahr. Und diesem Ansatz entsprechen die Bilder von Ursula Kaufmann. Sie drückt den Auslöser nicht im schönsten, sondern im ehrlichsten Moment - und das macht die Bilder faszinierend.
Teilweise kann man über Bilderfolgen ganze Bewegungssequenzen beobachten. Oder sich in den zweiseitigen Gruppenbildern verlieren.
Auch die eindrücklichen Bühnenbilder von Pina Bauschs langjährigem Lebenspartner Rolf Borzik kommen toll zur Geltung. Er war der erste, der Natur auf die Tanzbühne brachte. Erde, Wasser und ganze Blumenwiesen, Krokodile oder wie in "Arien" ein riesiges Nilpferd.
Die poetischen Texte der Journalistin Gudrun Norbisrath zwischen den Kapiteln bräuchte es eigentlich nicht. Denn den Bildern ist eine Rede von Pina Bausch aus dem Jahr 2007 vorangestellt, die die gesamte Gefühlswelt der sonst so stillen Person offenbart. Dieser Einblick in ihre Persönlichkeit lässt die Bilder noch intensiver wirken.
380 Farbfotografien: Die Masse an Bildern erschlägt. Aber es ist auch spannend, sich durch die Zeit zu blättern und dabei die Entwicklung der Arbeiten zu beobachten. Die stilprägenden, weiß-durchsichtigen Leibchen der frühen Stücke "Frühlingsopfer" oder "Cafe Müller" werden von farbenprächtigen Ballkleidern und gefährlich hohen Stöckelschuhen abgelöst. Die Gesichter der Tänzer werden faltiger.
Mit dem abschließenden Werkverzeichnis und einem ausführlichen Lebenslauf ist dieses Buch eher umfassende Dokumentation als reiner Bildband. Ein echter Wälzer für die Walzer von Pina Bausch.

Ursula Kaufmann