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Die große Zukunft des Buches

Aus dem Französischen von Barbara Kleiner

Vorgestellt von Stefan Berkholz  

Alte Bücher in einer Bibliothek © dpa/Picture Alliance Detailansicht des Bildes Umberto Eco, der italienische Bestsellerautor und Verfasser von Titeln wie "Der Name der Rose", und Jean-Claude Carrière, einer der bedeutendsten französischen Drehbuchautoren, unterhalten sich über die Zukunft des Buches. Sie reden über die Faszination von Bibliotheken, überlegen, welche Bücher sie vor einem Feuer retten würden, sinnieren über die Dummheit als Landplage und fragen sich, ob es sinnvoll sein kann, Tolstois "Krieg und Frieden" auf einem E-Book zu lesen. Beide, Eco und Carrière, sind nicht mehr die Jüngsten, haben die 80 Jahre bald erreicht und sind leidenschaftliche Buchliebhaber und -sammler. Ihr Gespräch ist nun nachzulesen im Band "Die große Zukunft des Buches".

Die Kulturgeschichte des Wortes

Bei dem Titel, den der deutsche Verlag dem Buch mit auf den Weg gegeben hat, könnte man meinen, hier riefen zwei Stimmen aus dem dunklen Wald und gaukelten sich eine besonders schöne Zukunft vor. Es geht in diesem Gesprächsband aber keineswegs bloß um die Zukunft des Buches. Dafür sind die beiden Autoren viel zu belesen und gebildet. Vielmehr liegt hier so etwas wie eine Sitten- und Kulturgeschichte der besonderen Art vor. Bestsellerautor Eco stellt zunächst eine tiefgreifende Veränderung im Wesen des Menschen fest

Umberto Eco: "Das Verschwinden der Gegenwart (…) ist nicht nur dadurch bedingt, dass die Moden, die früher dreißig Jahre lang herrschten, heute dreißig Tage dauern. Es ist auch das Problem des Veraltens der Dinge, von dem wir hier sprechen. Sie brauchten ein paar Monate ihres Lebens, um Fahrradfahren zu lernen, aber wenn diese Fähigkeit einmal erworben war, blieb sie für immer. Heute dagegen bringen Sie etwa zwei Wochen damit zu, ein neues Computerprogramm zu verstehen, und kaum beherrschen Sie es einigermaßen, wird Ihnen ein neues vorgeschlagen, ja aufgezwungen. (…) Wir stehen vor der Anforderung, uns ständig auf die Zukunft vorzubereiten."

Das Buch als Maß aller Dinge

Dagegen hilft nur die Besinnung auf die Lektüre, sind sich die beiden Gesprächspartner sicher. Sie plaudern über die Beschleunigung in allen Bereichen und die zunehmende Vergesslichkeit der Menschen; stellen angesichts der Informationsflut im Internet eine allgemeine große Verwirrung unter den Lesehungrigen fest; unterhalten sich über die Anfänge von Schriften und definieren, was ein Buch ist; benennen "Autoren verrückter Theorien" und die Blindheit von Verlegern; nehmen die Ehrfurcht vor dem Buch - und vergöttern es zugleich; debattieren über die Grenzen der Informationsgesellschaft und die Möglichkeiten einer Cyber-Diktatur; unterscheiden schließlich zwischen Dummen, Idioten und Blöden. Und sie tauschen sich endlich darüber aus, wie Klassiker und Zeitgenossen ihre Bibliotheken bewerten.

Jean-Claude Carrière: "Während Claudel seine Bibliothek wie die ’Ablagerungen einer Kohlemine’ betrachtet, vergleicht einer meiner Freunde seine Bücher mit einem warmen Pelz. Er fühlt sich wie gewärmt von seinen Büchern, geborgen in ihrer Mitte. Geschützt vor Irrtum, Ungewissheit und auch vor Kälte. Umgeben zu sein von sämtlichen Ideen der Welt, von sämtlichen Empfindungen, sämtlichen Erkenntnissen und sämtlichen Irrtümern, bietet ein Gefühl von Trost und Sicherheit. Es wird Ihnen nie kalt sein in Ihrer Bibliothek. Auf jeden Fall sind Sie da geschützt vor der eisigen Zuglust der Ignoranz.

Lust auf Lesen

Im Original heißt der Titel "Hoffen Sie nicht, sich von Büchern befreien zu können". Also nicht so marktschreierisch wie der deutsche Titel, der "Die große Zukunft des Buches" verspricht. Die beiden Gesprächspartner geben - unterhaltsam und gelegentlich auch ironisch - Anstöße zu allem Möglichen und machen im besten Sinne Lust auf Lektüre und die unendlichen Tiefen von Bibliotheken.

Umberto Eco / Jean-Claude Carrière: Die große Zukunft des Buches, Buchcover © Hanser Verlag

Die große Zukunft des Buches

Umberto Eco / Jean-Claude Carrière, aus dem Französischen von Barbara Kleiner

  • Typ: Buch
  • Bestellnummer: 978-3-446-23577-9
  • Verlag: Hanser Verlag, 288 Seiten
  • Preis: 19,90 €
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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/literatur/buchtipps/nbzukunftdesbuches101.html
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