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Link in neuem Fenster öffnenVor einem Jahr hat Michael Buselmeier in Hamburg den Ben Witter Preis erhalten. Damals war er noch so eine Art Geheimtipp. In diesem Jahr hat es der 1938 in Berlin geborene und in Heidelberg lebende Schriftsteller mit seinem Theaterroman "Wunsiedel" gar bis auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis geschafft. Annemarie Stoltenberg stellt den Roman vor.
Michael Buselmeier gehört in die Kategorie der Autoren, die handwerklich unglaublich sorgfältig arbeiten. Wollte man ihn mit einem Handwerker vergleichen, dann wäre er der, der noch einen Bleistift hinter dem Ohr stecken hat, ausmisst, im Kopf rechnet und per Handschlag einen Vertrag macht, und nach getaner Arbeit ist dann alles so, wie es soll.
Man sieht manchmal in seinen Texten, wie er das näht und wo er gelernt hat, aber das bekommt dann eine innere Wahrhaftigkeit und Echtheit, die große Sogkraft entfaltet.
1938 geboren in Berlin, ist er aufgewachsen in Heidelberg. Er absolvierte eine Schauspielausbildung, war Regieassistent und studierte Kunstgeschichte und Germanistik in Heidelberg. Anschließend lehrte er an verschiedenen Hochschulen. Seit 1978 veröffentlicht er sowohl Lyrik, als auch Prosa. Im September 2010 erhielt Michael Buselmeier den mit 15.000 Euro dotierten Ben-Witter-Preis. Sein Roman "Wunsiedel" gehört zu den sechs nominierten Titeln für den Deutschen Buchpreis 2011.
Der Schriftsteller und Lyriker lebt und arbeitet in Heidelberg.
Leseprobe:
Ich ging in meiner Kammer unablässig auf und ab, auch in der Nacht konnte ich keine Ruhe finden. Immer wieder zog ich Ullas Brief aus dem grünen Kuvert hervor, las die entscheidenden Passagen, die ich mit Blei angestrichen hatte.
Mehr Aufwand braucht Michael Buselmeier nicht, um etwa 44 Jahre auf der Zeitachse zurück zu springen. Weil wir das Wort "Blei" zum letzten Mal in den 60er-Jahren - als Schüler - gehört haben.
Die Geschichte dieses sogenannten Theaterromans wird aus der Perspektive von Moritz Schoppe erzählt. Der Romanheld war in dem kleinen Ort Wunsiedel im Fichtelgebirge 1964 am Theater engagiert. Es ist keine leichte, unbeschwerte Zeit für ihn, er ist einsam, innerlich tief einsam, heimwehkrank, seine Freundin betrügt ihn, und das Theaterstück, in dem er spielt, gerät zum Desaster.
Leseprobe:
Ich war nicht viel über zwanzig und noch nie zehn ganze Wochen von zu Hause entfernt gewesen, nur einmal als Kind für etwa sechs Monate im Heim - doch die Monate im Heim zählten dreifach.
Der Held fühlt sich einer rohen, schweren Welt ausgeliefert. Er tröstet sich mit der Lektüre des in Wunsiedel geborenen Romantikers Jean Paul.
Leseprobe:
Schwer und schlummernd schwamm die Sonne auf ihrem Meer - es zog sie hinunter, ihr goldener Heiligenschein glühte fort in leerem Blau und die Echotöne schwebten und starben auf dem Glanz.
Moritz Schoppe liest mit wachsender Erregung Schulmeisterlein Wutz, die Flegeljahre und den Titan. Er verliert sich fast im chaotischen, sprachverrückten Werk von Jean Paul.
44 Jahre später kommt er wieder nach Wunsiedel und sieht, wie sich alles verändert hat. Er betrachtet mit romantischer Empfindsamkeit oder den Augen eines alternden Werther auf dieser Naturbühne seine eigene Vergangenheit.
So mag man sich sofort nach der Lektüre vornehmen, das kleine Buch irgendwann noch einmal zu lesen und dann noch einmal, um zu gucken, wie es sich im eigenen Kopf verändert haben wird und ob man dann wieder Heimweh nach irgendetwas Unbestimmtem hat - beim nächsten Mal.

Michael Buselmeier