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Das Büchermagazin mit Denis Scheck im Ersten.
Link in neuem Fenster öffnenIn den Buchhandlungen liegt alle Jahre wieder eine große Auswahl von Geschichten, die zu Herzen gehen, für Weihnachtsstimmung sorgen oder von kleinen und mittleren Familien-Katastrophen zu Weihnachten erzählen. Eine der aktuellen Geschichtensammlungen hat den Titel: "Weihnachten im hohen Norden". Annemarie Stoltenberg ist diese Sammlung aufgefallen, weil die Übersetzerin gerade ausgezeichnet wurde.
Oft vergessen wir es ja ganz oder es wird auch gern mal an Übersetzungen herum gemäkelt. Geehrt und beachtet werden Übersetzer nur selten so feierlich. Gabriele Haefs spricht siebzehn verschiedene Sprachen und übersetzt seit Anfang der 80er-Jahre unter anderem aus dem Norwegischen ins Deutsche. Und das bedeutet immer, sie dichtet die Texte in gewisser Weise neu. Nun ist Haefs mit einer hohen Ehre ausgezeichnet worden, als "Ritter des königlich norwegischen Olafs-Ordens".
Es ist nicht untypisch für die unglaublich bescheidene, humorvolle, mit funkelndem Witz und hellwachen Verstand ausgestattete Übersetzerin Gabriele Haefs, dass sie einen Orden bei aller Ehre eher als Verpflichtung versteht.
Die frisch ernannte Ritterin hat zusammen mit Christel Hildebrandt und Dagmar Mißfeldt Weihnachtsgeschichten aus dem "hohen Norden" gesammelt und herausgegeben. Entstanden ist ein schmaler kleiner Band mit der schwedischen Santa Lucia in Weiß auf dem Umschlag vor skandinavisch blauem Himmel und einem dynamischen Rentier, das aus einem roten Winterhandschuh heraus sprintet, offenbar um rechtzeitig zum Fest die Geschenke auszutragen.
Die Geschichten erzählen vom klassischen Weihnachtsfest in Finnland, Dänemark, Schweden und Norwegen, aber sie sind selbstverständlich auch schräg und gegen den Strich gebürstet. Zum Beispiel, wenn es darum geht, etwas über die Weihnachtsspeisen in Norwegen zu erzählen.
Leseprobe:
"Über die furchtbaren Sitten und Gebräuche, was man da isst. Ausgelaugten Fisch, der aussieht wie dicke Quallen und auch gar nicht schmeckt."
Das heißt dann Lutefisk mit Erbsbrei und man muss vermutlich Norweger sein, um es zu mögen.
Natürlich ist in dem Buch auch einer von Astrid Lindgrens langen Winterabenden beschrieben, die voller Frieden und festlicher Erwartung glühen und von oben bis unten nach Pfeffernüssen und Tannengrün duften. Aber es passieren in manchen der Geschichten auch rüde Entzauberungen. Es gibt Kinder, die, wenn Weihnachten dann endlich da ist, schon keine Lust mehr haben auf den Weihnachtsmann, der in den Wochen vorher schon jeden Tag und überall präsent war.
Gleichwohl möchten Kinder wohl an den Weihnachtsmann glauben und wie Lasse aus Bullerbü überzeugt sein, graue Haare zu bekommen, bis es Heiligabend endlich so weit ist. Wer bis dahin Erinnerungen daran wecken möchte, dass diese Zeit immer ein wenig geheimnisumwittert ist mit Geschenkpapierrascheln und geschmückten Zimmern, der findet im Band "Weihnachten im hohen Norden" vielfältige Weihnachtsdüfte, Wunder und Bräuche beschrieben.
Und wer sich über den Weihnachtsrummel ärgert, darf verfolgen, wie in einem Weihnachtskurzkrimi gänzlich unfestlich mit Gift hantiert wird. Keine Weihnachtstümelei, sondern eine größere Gefühlspalette wird hier abgebildet.

Gabriele Haefs, Christel Hildebrandt, Dagmar Mißfeldt