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Schwarzer Schwan

In Deutschland sind Historien- und Politkrimis populär, doch der eigentliche Abräumer ist der Regionalkrimi. Der deutsche Leser ist eben ein pragmatischer: Am liebsten hat er den Reiseführer, der zugleich spannend ist. Als Regionalkrimis versteht Horst Eckert seine Thriller ganz gewiss nicht. "Schwarzer Schwan" heißt sein elfter Kriminalroman und er ist ein ganz großer Wurf - meint Stefan Maelck.

Horst Eckert: Schwarzer Schwan (Buchcover) © Grafit Verlag Detailansicht des Bildes Die Fälle des Autors spielen in der Stadt, in der er lebt, in Düsseldorf, aber sie sind keinesfalls vom Tourismus-Amt gefördert. Mit seinem zehnten Krimi "Schwarzer Schwan" läuft Eckert nun zur großen Form auf.

Leseprobe:
Hier liefen die Typen umher, die am Wirtschaftsboom verdienten, von dem seit einem Jahr alle redeten, und der nach ihrem Eindruck auf der Ausbeutung einer Generation von Praktikanten beruhte. Das Land ging den Bach runter, die Steuerzahler mussten für die Spekulationsverluste der Banken und die angebliche Rettung Griechenlands aufkommen, nur die Reichen wurden noch reicher.

Großes Kino

Eckert kleckert nicht: Gleich auf den ersten Seiten gibt es ein Entführungsopfer, ein Möchtegern-Bonny&Clyde-Pärchen, einen traumatisierten Kommissar und eine Investmentbankerin, die glaubt, ganz dicht dran zu sein am großen Abschluss - und am noch größeren Karrieresprung.

Aber Hanna Kaul hat sich verrechnet, hinter ihrem Rücken ziehen mächtige Männer mit Verbindungen in den Bundestag die Fäden, der Deal platzt. Außerdem wird Hanna Kaul ausspioniert und dann verschwindet auch noch ihre Nichte Leonie, die bei ihr zu Gast ist.

 

Horst Eckert - Vita

Er wurde 1959 in Weiden/Oberpfalz geboren, ist aufgewachsen in der bayerischen Provinz. Eckert studierte in Erlangen und Berlin Politologie.

Der Autor hat bisher zehn Kriminalromane veröffentlicht. Für "Aufgeputscht" ist er von der Raymond-Chandler-Gesellschaft mit dem "Marlowe" ausgezeichnet worden für den besten deutschsprachigen Kriminalroman des Jahres 1997. Für "Die Zwillingsfalle" bekam Eckert den "Friedrich-Glauser-Preis".

Der Schriftsteller lebt in Düsseldorf.

Schließlich wird die Leiche des Möchtegern-Clydes gefunden, verbrannt in seinem Polo. Das Pärchen hat auf dem Düsseldorfer Flughafen Geschäftsleuten ihre Aktenkoffer gestohlen und diese zurückverkauft. Bis sie auf den Falschen trafen. Kommissar Dominik Roth, der endlich eine Chance bekommt, das Betrugsdezernat gegen die Mordkommission zu tauschen, vermutet schnell, dass all diese Fäden zusammenlaufen. Und er trifft auf konzertierten Widerstand von Kollegen, Bankern und Politikern.

Leseprobe:
Finstere Geschäfte aufdecken? Womöglich hatte diese frustrierte Tussi alles nur erfunden, um sich aufzuspielen. Eine junge Bankerin, Flausen im Kopf, aber dem Haifischbecken Hochfinanz nicht gewachsen. Und selbst wenn ihr Verdacht zutraf: Was hätte er von einer Enthüllung? Nichts als Ärger. Dingendorff war einer der mächtigsten Wirtschaftsbosse Deutschlands.

Seilschaften bis nach ganz oben

Gekonnt entwirft Eckert das ganz große Szenario aus Bankenkrise, politischer Korruption und Kleinkriminalität. Dann stirbt auch noch eine Lobbyistin der Deutschen Börse AG, die gerade ausgestiegen war: aus ihrer Beziehung mit dem Strippenzieher Dingendorff, aus ihrem Job und aus ihrem ganzen Lebenstrauma, das mit dem Selbstmord ihrer Schwester einen Höhepunkt erreicht hatte.

Dieser Dingendorff steckt hinter dem geplatzten Bankdeal und ist zudem der Kopf einer alten Seilschaft, die vor 20 Jahren Schuld auf sich geladen hat und deren Mitglieder mittlerweile in höchsten Ämtern sitzen.

Leseprobe:
Die Kanzlerin schaute von ihrem Handy auf, in das sie gerade eine Nachricht tippte, begrüßte Dingendorff und seinen Begleiter, setzte sich wieder und schrieb zu Ende. Sie hatten exakt vierzig Minuten, dann musste die Kanzlerin weiter nach Paris.
"Was wir hier reden, bleibt vertraulich", sagte sie.
"Selbstverständlich", antwortete Dingendorff.

Der Schwarze Schwan der FDJ

Horst Eckert, 2011 © Kathie Wewer © Kathie Wewer Fotograf: Kathie Wewer Detailansicht des Bildes Der Schriftsteller Horst Eckert ist ein Meister des Thrill. Eckert entwickelt auf 380 Seiten einen Fall, in dem auch die Finanzpolitik der Regierung ins Spiel kommt und der in seiner ganzen Brisanz kein bisschen überzogen wirkt. Den Titel "Schwarzer Schwan" lässt sich die Kanzlerin auf Seite 289 übrigens genau erklären und fühlt sich dabei an die FDJ-Schulungen ihrer Jugend erinnert.

Horst Eckert schreibt nicht nur engagiert, spannend und logisch, er hat auch noch Humor. Schwarzen Humor, versteht sich.

Horst Eckert: Schwarzer Schwan (Buchcover) © Grafit Verlag

Schwarzer Schwan

Horst Eckert

  • Typ: Buch
  • Bestellnummer: 978-3-89425-667-8
  • Verlag: Grafit, 380 Seiten
  • Preis: 19,99 €
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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/literatur/buchtipps/nbschwarzerschwan101.html
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