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Schlangenkopf

Seit etlichen Jahren zählt Ulrich Ritzel zu den besten Kriminalschriftstellern des Landes. 2010 erhielt er für den Roman "Beifang" den Deutschen Krimipreis. Mit seinem neuen Buch "Schlangenkopf" lässt er seinen Ermittler, den Ex-Kommissar Hans Berndorf, hinter den Kulissen nach den wahren Gründen für politische Entscheidungen fahnden. Annemarie Stoltenberg stellt das Buch vor.

Ulrich Ritzel: Schlangenkopf (Buchcover) © btb Verlag Detailansicht des Bildes Sein Held ist Hans Berndorf, ein Kriminalpolizist im Ruhestand, der aber gern noch weiter arbeitet, obgleich es auch private Anforderungen an ihn gibt - manch einem würden die verlockender erschienen, als Kriminelle zu jagen. Mit dieser Figur hat Ulrich Ritzel schon vor Jahren eine Zeitstimmung aufgegriffen.

Rente heißt nicht Ruhestand

Dieser Ermittler hat ebenso eigenwillige wie flexible Vorstellungen von der Gestaltung seiner Zeit nach der Pensionsgrenze. Er ist ein bisschen bedächtiger, erfahrener und vorsichtiger als die Jüngeren. Andererseits kann er furchtlos sein, was die Gefährdung weiterer Karriereleiter-Stufen angeht, als es ein Familienvater wäre, der etwa gerade ein Haus gebaut hat.

Berndorf wird vom Vater eines türkischen Jugendlichen, der nachts von einem Auto getötet wurde, beauftragt herauszufinden, wer seinen Sohn auf dem Gewissen hat. Schnell ist für Berndorf klar, dass es kein Unfall war, und er ahnt, dass aus der Sicht der Täter der Falsche ermordet wurde.

 

Ulrich Ritzel - Vita

Geboren 1940, gilt er als einer der besten Kriminalautoren Deutschlands.

Nach einem Jurastudium arbeitete er als Journalist für verschiedene Zeitungen. 1981 erhielt er für seine Gerichtsreportagen den renommierten Wächter-Preis. Seine Kommissar-Berndorf-Krimis "Schwemmholz" (2002) und "Der Hund des Propheten" (2005) wurden ausgezeichnet, der Roman "Beifang" (2009) errang den Deutschen Krimipreis 2010.

Ulrich Ritzel lebt in Laufen/Schweiz und im Schwarzwald.

Das Böse ist immer und überall

Es gibt zahlreiche Nebenerzählstränge, die Ulrich Ritzel raffiniert miteinander verwebt. Ein verwahrloster Junge taucht auf und streunt durch den Roman, eine skrupellose, eiskalte Killerin erzeugt Herzrasen, Berndorfs Geliebte beschwert sich über Vernachlässigung, hilft aber durch eigene Kontakte. Ein Politiker mit Insiderwissen zum Jugoslawienkrieg erleidet einen Schlaganfall, ein Pädophiler wittert Beute. Und wer verdient eigentlich an den Kriegen unserer Zeit? - Das sind die Facetten, aus denen dieser Krimi gebaut ist.

Der Politikbetrieb, die Ermittlungsbehörden und die Geheimdienste - überall werden kleine Süppchen gekocht, um persönliche Vorteile zu erwirtschaften oder einfach nicht behelligt zu werden.

Die politischen Instanzen des Landes haben dem organisierten Verbrechen, das in einer Parallelwelt agiert, wenig entgegenzusetzen. Ein Mann aus dem ehemaligen Jugoslawien weiß zu viel und hat sich mit der Mafia angelegt. Aber Berndorf lässt nicht locker und zieht schließlich geschickt an seinen eigenen Strippen.

Leser als "Co-Ermittler"

Wer "Schlangenkopf" von Ulrich Ritzel liest, sollte es möglichst ohne lange Pausen zwischen den Lektüreschritten tun, am besten jeden Tag im Kontakt mit dem Buch bleiben, weil man sich sonst in den verschiedenen Handlungssträngen verirrt und nicht mehr erinnert, wer eigentlich wer war. Am Ende des Buches sind alle Mitwirkenden noch einmal aufgelistet, was eine enorme Hilfe für die Lektüre sein kann. Den Schluss kann man vorher ruhig schon mal beschnuppern, es nützt nichts, man versteht das Ende erst, wenn man bis dorthin "mit ermittelnd" durchgedrungen ist.

Ulrich Ritzel: Schlangenkopf (Buchcover) © btb Verlag

Schlangenkopf

Ulrich  Ritzel

  • Typ: Buch
  • Bestellnummer: 978-3-442-75297-3
  • Verlag: btb, 448 Seiten
  • Preis: 19,99 €
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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/literatur/buchtipps/nbschlangenkopf101.html
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