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Link in neuem Fenster öffnenIn den Polargebieten ist der Klimawandel zunehmend sichtbar: Gletscher weichen zurück, Eisberge setzen sich in Bewegung. Noch allerdings ist die eisige Landschaft der Arktis relativ intakt: Das zeigt auch ein neuer Bildband von Bernd Römmelt und Thomas Henningsen, den Katja Weise vorstellt.
Bernd Römmelt: Schatzkammer Arktis
Menschleer sind die eisigen Weiten Nordkanadas, Nebel nistet zwischen den flachen Bergkuppen, ein Eisbär, fingergroß nur vor dem weißen Massiv, sucht nach Nahrung. Gleich drei Sonnen strahlen über einer weiten Ebene in Nordalaska - zwei davon Nebensonnen, die bei tiefen Temperaturen entstehen, wenn Milliarden von Eiskristallen durch die Luft fliegen und das Licht sich darin bricht.
Wie oft er sich in den vergangenen Jahren von diesen Wundern hat begeistern lassen, weiß Thomas Henningsen nicht genau. Er war bis vor kurzem Leiter der internationalen Greenpeace -Kampagne zum Schutz der Arktis und hat in dieser Funktion vielfach die verschiedenen Anrainerstaaten besucht.
Teilweise zusammen mit dem Fotografen Bernd Römmelt, zu dessen Bildern er jetzt die Texte geschrieben hat.
Stundenlang hat der Fotograf Römmelt bei minus 42 Grad Celsius ausgeharrt, um die Polarlichter fotografieren zu können - riesige grüne Lichtbänder, die sich vor dem dunklen Himmel zu Spiralen drehen oder wie Lava aus einem Berg hervor geschleudert zu werden scheinen. Wüsste man es nicht besser, würde man in diesem Lichtmeer Wesen von einem anderen Stern vermuten.
Doch auch jene, die tatsächlich in der Arktis zu Hause sind, zeigen die Fotos: Eisbären, Moschusochsen, Wölfe, Weißkopfseeadler, Narwale, Walrosse und Polarfüchse.
Viele Stunden muss Bernd Römmelt auf der Lauer gelesen haben, um die Tiere so im Sprung, Lauf oder Flug zu erwischen. Fast intim wirken die Bilder von einer Eisbärenfamilie, die er umweit eines Inuit-Dorfes in Nordalaska zehn Tage lang beobachten konnte. Bis auf fünfzehn Meter kam der Fotograf an die Tiere heran.
Auch die Menschen der Arktis hat er porträtiert: in Alaska die Inuit, in Lappland die Samen, in Russland die Dolganen und die Nenzen. Letztere fahren mit großen Schlitten über die Tundra - auch im kurzen arktischen Sommer.
Atemberaubend sind die Bilder von Bernd Römmelt, von einer teilweise fast surreal anmutenden Schönheit, wahre Farborgien und zugleich präzise Studien. Schon beim bloßen Blättern erzeugen sie eine Dringlichkeit, die sich in Worte kaum fassen lässt.

Bernd Römmelt, Thomas Henningsen