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Link in neuem Fenster öffnenNaiver Narr, tapferer Held, Ritter der Tafelrunde - Parzival ist eine schillernde Figur der deutschen Literaturgeschichte. Auch die Kunst hat ihn für sich entdeckt. Beim Hamburger Maler Dieter Asmus ist Parzival vor allem eins: klein. Er hat die Prachtausgabe des Klassikers von Wolfram von Eschenbach illustriert. Jan Ehlert stellt das Buch vor.
Peter Knecht hat den Klassiker neu übersetzt, Dieter Asmus mit ungewohnten Bildern illustriert.
In seinem Narrenkostüm, unritterlich auf einem Esel reitend, wird Parzival angesichts der Kaiserstadt Nantes zur Randfigur - die auch an den Rand des Bildes von Dieter Asmus gedrängt wird.
Leseprobe:
Hoch ragen die Mauern und Türme auf, ein doppelter Mauerring schützt die Wohnbauten, den Palast des Königs und die Kathedrale. Schier unzugänglich erscheint das steinige Gebirge aus weltlicher und geistlicher Macht, so klein der junge Held, dass man glaubt, er werde nie zu Artus vordringen. Sein Aufwachsen fern vom Hof ist eindrücklich ins Bild gesetzt. Statt oben mit den Artusrittern zu turnieren, im Festsaal zu tanzen oder an der Tafel zu sitzen, kann Parzival nur Gemeinschaft mit dem Federvieh haben. Er hat einen schweren Weg vor sich.
So heißt es in Volker Mertens' Beschreibung der Asmus'schen Bilder, die als erklärendes Nachwort diesem Band angehängt sind. Ein Nachwort, das notwendig ist, denn aus den Bildern allein erschließt sich nicht immer, wen oder was sie darstellen.
Asmus verzichtet darauf, die bekanntesten oder eindrücklichsten Szenen abzubilden. Der Tod von Herzeloyde, die Heilung des Fischerkönigs Anfortas oder gar der Gral - all das interessiert Asmus nicht. Stattdessen gibt er Stimmungen wieder. Gefahr und Unruhe, Sorge und Schmerz.
Leseprobe:
Dunkelbraun verschmelzen Ritter, Pferde und Erde. Man erblickt nur aufgereckte Speere. Die Anführer, auf deren Rüstungen Glanzlichter fallen, kämpfen mit den Schwertern und dem Streitkolben. Ist das Gahmuret? Wir erfahren es nicht. Ein düsteres Bild: düstere Aussichten für ihn trotz (oder wegen) seiner ritterlichen Tüchtigkeit.
Asmus Bilder sollen - und können - den Text also nicht ersetzen. Sie sind Wegweiser und Verstärker, die das mythische, märchenhafte der Erzählung Wolfram von Eschenbachs unterstreichen. Die Blutstropfenszene etwa, die rote Punkte in einer grauen, trostlos wirkenden Schneelandschaft zeigt. Eine einsame Gänsefeder ist der einzige erkennbare Gegenstand. Oder Orgelûses Zaubergarten: riesige Blumenkübel, angefüllt mit prachtvollen, glänzenden Farben, dazwischen im eng anliegenden grünen Kleid eine femme fatale, die auch heute noch ihre Reize ausübt.
Leseprobe:
Er brauchte sie bloß anzusehen, so war er aus den Krallen des Unglücks freigekauft. Sie war ihm eine rechte Maienzeit, eine Blütenpracht, lichter als alles, was blitzt und blinkt, den Augen süß und dabei ätzend für das Herz. Verlieren war an ihr und Finden und alles das, was einem kranken Glück Genesung gibt: Es konnte ihn jeden Augenblick von Fesseln lösen und in Ketten halten."
Der Reclam-Verlag hat sich für die Erzählung des Eschenbach-Epos für die zu Recht viel gerühmte Prosaübersetzung von Peter Knecht entschieden, die das mittelalterliche Deutsch meisterhaft in die heutige Zeit holt, ohne dass Stil und Atmosphäre der Vorlage verloren gehen.
Zusammen mit den 18 Abbildungen von Dieter Asmus ist nicht nur ein bildschönes Buch entstanden, sondern eines, das dem Parzival-Epos wieder ein wenig von dem Glanz verleiht, den er bereits vor 800 Jahren ebenfalls auf seine Leser ausgeübt haben muss.

Wolfram von Eschenbach, Prosaübersetzung von Peter Knecht, mit Illustrationen von Dieter Asmus und einem Nachwort von Volker Mertens