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Link in neuem Fenster öffnenAus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren
Carsten Stroud: Niceville
Wegen der großen Nachfrage, hieß es beim Dumont Verlag, habe man das Erscheinen von Carsten Strouds Kriminalroman "Niceville" vom 22. Februar auf den Januar vorgezogen. Offenbar warten Krimifreunde ungeduldig auf den ersten ins Deutsche übersetzten Krimi von Carsten Stroud, dessen Bücher in den USA bereits Bestseller sind.
Für die Übersetzung konnte Dirk van Gunsteren gewonnen werden. Annemarie Stoltenberg hat sich mit dem Lesen beeilt.
Es ist schon eines der Bücher, für die man - ob man möchte oder nicht - bis morgens um drei wach bleibt, um zu erfahren, ob da nun endlich eine Erlösung kommt. Carsten Stroud ist einer der unablässigen Verschwörungswitterer unter den Krimiautoren. Einer, der stets die Vermutung nährt, dass finstere Mächte am Werke sind, dunkle Geheimnisse aus der Vergangenheit ihr Gift verbreiten, alte Rechnungen, die noch nicht beglichen sind und als Rachedurst über Generationen weiter gegeben wurden. Dabei verwischt er die Grenzen des üblichen Kriminalromans zum Nachbarfach Fantasy. Ein Kind namens Rainey verschwindet und wird in einer verschlossenen Gruft gefunden. Aber unterdessen hat seine Adoptivmutter Sylvia Selbstmord begangen, weil:
Leseprobe:
"Sylvia Angst vor etwas in der Vergangenheit hatte und auf einer Website geforscht hat, damit der Stadtarchivar es nicht bemerkt? Und dass sie geforscht hat, als Rainey entführt worden war, damit Rainey zurückkehren konnte von -" "Von draußen?" "Von draußen... wenn Sie wissen wollen, was passiert ist, müssen Sie in der Vergangenheit forschen."
Unterdessen gerät in dem kleinen Ort mit dem vollkommen unpassenden Namen "Niceville", also Nettstädtchen, so einiges durcheinander. Ein Polizist ermordet eiskalt seine Kollegen, die zwei Bankräuber verfolgen, diese beiden Bankräuber fangen an sich zu streiten und schießen aufeinander. Ein Mann, der vom Familienrichter gedemütigt wurde und seine Tochter nicht mehr sehen darf, beschuldigt einen anderen Mann öffentlich als Kinderschänder und treibt ihn in einen Amokanfall, eine andere Frau will, dass jemand getötet wird, offenbar weil ihre Großmutter vor Jahrzehnten geschwängert und vom Kindsvater verlassen wurde. In diesem Städtchen Niceville wohnt das Böse und treibt seine grausamen Spiele mit den Bewohnern. Ist es eine kosmische Kraft, sind es Tiere - oder Menschen?
Leseprobe:
"Er flog tief über den Dächern und Kirchtürmen und Alleen von Niceville dahin und verdunkelte die Sonne. Dann schwang er sich weiter empor... dort versammelten sich die Tiere, schlugen mit den Flügeln und rückten knarzend und krächzend auf den Ästen hin und her."
Wer er ist, wird nicht verraten. Sein Erfinder, der Autor Carsten Stroud, ist ein Abenteurer. Es heißt, er habe eine zwielichtige Vergangenheit, was bedeutet, er hat nicht Creative Writing studiert, sondern war Surfer, Bootsbauer, Berufstaucher und in geheimen Missionen in der Dritten Welt unterwegs. Bei der Lektüre seines Romans "Niceville" muss man verflixt aufpassen. Die vielen Namen und disparaten Erzählstränge machen die Geschichte unübersichtlich, ein Personenregister wäre hilfreich oder zumindest ein Inhaltsverzeichnis der einzelnen Kapitel, damit man zur Not zu dem entsprechenden Kapitel zurück gehen kann, um sich zu erinnern, wer noch mal wer war. Vielleicht ist dies eine neue Generation. Es wäre nämlich leichter, es als E-Book zu lesen. Dann könnte man als Suchwort "Phil Holliman" eingeben, um sich wieder zu erinnern, warum der Bursche wichtig war. So hilft nur: In einem Rutsch durch!

Carsten Stroud, aus dem Amerikanischen von Dirk van Gunsteren