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Die Geschichte von König Lear

Vorgestellt von Pascal Fischer

Ausschnitt aus dem Buchcover: Die Geschichte von König Lear von Gisbert Haefs. © Insel Verlag 2010 kommt auch hierzulande mal wieder eine Shakespeare-Verfilmung in die Kinos: König Lear, mit Anthony Hopkins als König Lear und Naomi Watts, Gwyneth Paltrow und Keira Knightley als dessen Töchter. Bei diesem Staraufgebot witterte der Insel-Verlag die Chance, auch ein Buch zu vermarkten und fand in Gisbert Haefs einen kundigen und begeisterten Übersetzer, hatte der doch schon das kanonische altenglische Epos "Beowulf" passend zu dessen Verfilmung ins Deutsche übertragen, außerdem Werke von Rudyard Kipling und Jorge Luis Borges. Den Dialogen im "Lear" fügte Haefs nun erzählerische Elemente hinzu.

König Lear ist greis und will sein Land unter seinen drei Töchtern verteilen, je nachdem, wie sehr diese ihre Liebe zu ihm bekunden. Während die jüngste bescheiden schweigt und deshalb leer ausgeht, umgarnen die beiden anderen ihren Vater schmeichlerisch, ja, heuchlerisch und erben große Landstriche. Nur, um ihren Vater danach nicht einmal mehr auf seinen ehemaligen Besitztümern aufzunehmen. Der politisch bedeutungslose und verlassene König verfällt dem Wahnsinn, das Reich wird in Intrigen und Kriege gestürzt.

Ein cineastisches Leseerlebnis

"Narrative Inszenierung" nennt Haefs sein Verfahren: Er hat die Dialoge übersetzt und sparsam beschreibende Sätze eingefügt. "Da ich selbst genug Romane geschrieben habe, bilde ich mir ein, ein gewisses Gespür zu haben, wann Dinge nötig sind, Farben, Gerüche, die Hintergrundbeleuchtung, damit im Kopf der automatische Film entsteht", so Haefs. "Das habe ich dann versucht, zu reduzieren. Den Text auf 400 Seiten aufzublähen, das ist Blödsinn. Lear ist ein so monströses Stück, dass - durch welche Zutaten auch immer - die Monstrosität nicht gesteigert, sondern nur verwässert werden kann. Deshalb hatte ich von vorneherein die Absicht, dabei möglichst knapp zu bleiben."

150 Seiten ist die Erzählung schmal. Die Prosa liest sich tatsächlich rasant und filmisch wie ein Drehbuch. Haefs ging es um eine sehr direkte und getreue Übersetzung. Sätze wie "Fürstchen Fürzchen juchhei, hussa, er reitet vorbei" darf der Leser ebenso genießen wie Anrüchiges aus dem Narrenmund, der dem König beibringt, er habe seinen eigenen Töchtern die Rute in die Hand gegeben und sich selbst die Hosen heruntergezogen. Die Übersetzungen von Christoph Martin Wieland, Friedrich Schlegel, Ludwig Tieck oder Wolf von Baudissin haben einen anderen Ton. "Wieland lässt jeden derberen Scherz weg, der aber zu Shakespeare gehört", meint Haefs. "Schlegel, Tieck, Baudissin lassen die derberen Scherze nicht unbedingt weg, aber heben sie. Es ist interessant zu gucken, was sie gemacht haben, aber man kann sich nicht drauf stützen und sagen: Ich nehme jetzt die Übersetzung von Erich Fried als Grundlage und korrigiere sie hier und da. Man muss schon komplett bei Null anfangen, damit das ganze sprachlich kohärent ist."

Barock-opulente Schimpfkanonaden, doppelzüngige Wortgefechte, packende Kämpfe, aber auch existentielle Meditationen in tiefster Verzweiflung erwarten den Leser. Haefs' erzählende Übersetzung findet jeweils einen treffenden Ton und erfrischt Shakespeare, ohne ihn künstlich aufzupeppen und ohne die faszinierende Fremdheit der Epoche, aus der dieses Drama stammt, einzuebnen. Ein literarisches und geradezu cineastisches Leseerlebnis!

Ausschnitt aus dem Buchcover: Die Geschichte von König Lear von Gisbert Haefs. © Insel Verlag

Die Geschichte von König Lear

Haefs, Gisbert

  • Typ: Buch
  • Bestellnummer: 9783458351702
  • Verlag: Insel
  • Preis: 7,00 €
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