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Das Büchermagazin mit Denis Scheck im Ersten.
Link in neuem Fenster öffnenAus dem Spanischen von Stephanie von Harrach.
Jorge Bucay ist in seiner Heimat Argentinien ein durch viele Talente berühmter Künstler. Er ist nicht nur Psychotherapeut und Gestalttherapeut, er tritt auch als Clown oder Professor auf und veröffentlicht Bücher, die weltweit große Erfolge feiern.
Er erzählt meist ganz schlicht wirkende Geschichten für Menschen, die es gerade schwer haben im Leben. Fabeln, Märchen, Weisheiten aus unterschiedlichen Kulturkreisen, überraschend und oft verblüffend anders. Sein neues Buch ist jetzt auf Deutsch erschienen unter dem Titel: "Drei Fragen. Wer bin ich? Wohin gehe ich? Und mit wem?" Annemarie Stoltenberg hat es gelesen.
Für den Literaturnobelpreis wird Jorge Bucay nicht nominiert werden. Er schreibt schmucklos, oft wirkt sein Stil geradezu schlampig. Nicht ganz bis zu Ende gearbeitet oder hastig aufgekritzelt. Aber seine Leserinnen lieben ihn, weil er trösten kann, weil es wohl tut, seine schlichten Alltagsweisheiten zu lesen, weil er amüsiert und ablenkt und manchmal, weil er intuitiv den Gedanken seines Gegenübers widerspricht, wo es Not tut. Eine seiner neuen Botschaften lautet, dass die moderne Gesellschaft ihre Kinder überbehütet:
„In meinen mehr als dreißig Jahren als Therapeut habe ich mich Hunderte von Malen mit Kindern unterhalten, die sich nicht ablösen konnten, junge Männer und Frauen, die an ihre Eltern gekettet blieben und nicht den Mut hatten, unter ihrem schützenden Flügel hervor zu kriechen, um ihr eigenes Leben zu leben. In der Mehrzahl der Fälle, das muss ich hier deutlich machen, ist die Ursache hierfür eher bei den Eltern zu suchen, die es aus Unerfahrenheit, Angst oder aufgrund ihrer eigenen Neurosen versäumt oder absichtlich unterbunden haben, ihre Kinder auf den Abflug vorzubereiten.“
Elchkühe, so erzählen uns Naturforscher, beißen ihre Kälber, nicht zärtlich, nein, so dass es wirklich weh tut und ihre Kälber sich freiwillig aus dem Staub machen. Menschenmütter steigen gelegentlich geradezu heimlich in die Wohnungen ihrer Töchter ein, um dort rasch mal für Ordnung zu sorgen, weil das arme Kind es nicht kann, weil es gerade für eine Prüfung lernen muss oder Liebeskummer hat - oder was auch immer. Jorge Bucay dürfte das nicht erfahren. Er mahnt streng, den Kindern nicht zu helfen. Eher unterstellt er der helfenden Mutter, sie selbst sei auf der Suche nach Anerkennung und Erfolgserlebnissen: Bestätigung. Seine gute Nachricht für diese und andere verdrehte Verhaltensweisen lautet:
"Der Prozess zunehmender psychischer Abhängigkeit ist jederzeit vollständig umkehrbar. Jederzeit."
Als Training für die Befreiung empfiehlt er positives Denken, Vertrauen in sich selbst.
"Das Verhalten gewisser chronisch unglücklicher Menschen, die eine Fähigkeit haben, Leid zu produzieren, und zwar nicht aus einer passiven Haltung heraus, sondern durch harte Arbeit, hätte ein Extrakapitel verdient. Den Bannerträger dieses Unglücks kenne ich, und ich nenne ihn jetzt einmal 'Immer' mit Vornamen und 'Nochmehr' mit Nachnamen."
"Nie" ist sicherlich auch so ein Kumpel im Bunde. Wenn Sie nun sagen, das seien doch nur Banalitäten, das wisse man alles schon, kann ich dem nicht bedingungslos widersprechen. Aber es gibt ein paar einfache Erkenntnisse, die man sich in schwierigen Zeiten mantra-artig hersagen muss. Dieses Buch löst keine Probleme, kann aber möglicherweise manchem beim Lesen das Atmen leichter machen. Manchmal geht es nicht ohne Schmerzen, sagt Bucay, aber Schmerz sei unverzichtbare Voraussetzung für inneres Wachsen.

Bucay Jorge, aus dem Spanischen von Stephanie von Harrach