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Link in neuem Fenster öffnenAus dem Englischen von Alex Capus
Im Klett-Cotta Verlag ist gerade ein amerikanischer Klassiker in neuer Übersetzung erschienen. John Kennedy Tooles "Ignaz oder die Verschwörung der Idioten" war 1980 ein Kultbuch in den USA. Ein Schelmenroman, zu dem Figuren wie Groucho Marx oder Huckleberry Finn Pate gestanden haben könnten. Annemarie Stoltenberg stellt den Roman vor.
Sagen Sie, welche Fassung ist Ihnen lieber? Erstens:
Eine grüne Jagdmütze, stramm auf der fleischigen Wölbung des Kopfs. Über Büscheln von ungestutztem Haar, breiten Ohren und den Borsten, die aus den Ohren wuchsen, standen die grünen Ohrenlaschen ab wie Winker, die zwei Richtungen auf einmal anzeigen. Volle Lippen schürzten sich unter dem buschigen schwarzen Schnauzbart, zogen sich seitwärts auf Winkel zurück, wo in kleinen Falten Verachtung und Krümel von Pommes Frites nisteten.
Die gleiche Passage nun in neuer Übersetzung:
Auf dem kugelrunden Kopf eine viel zu kleine grüne Jagdmütze mit Ohrenklappen, die wie Signalzeichen waagerecht in beide Richtungen abstanden. Darunter ein paar Haarbüschel und zwei große, borstige Ohren. Ein buschiger schwarzer Schnauzbart und volle, geschürzte Lippen, in den Mundwinkeln ein Anflug von Verachtung, gemischt mit Krümeln von Kartoffelchips.
Geboren wurde er 1937 in New Orleans. Er studierte in New York und unterrichtete anschließend Englisch an der Universität von Louisiana. Ein Doktorat musste er abbrechen, weil er eingezogen wurde.
Den Roman "Die Verschwörung der Idioten" schrieb Toole während seines Militärdienstes in Puerto Rico. Überzeugt von seinem Werk, suchte er jahrelang vergeblich nach einem Verleger. Er begann zu trinken, verfiel in Depression und nahm sich schließlich 1969 das Leben. Elf Jahre später veröffentlichte ein kleiner Universitätsverlag auf Drängen der Mutter das Manuskript.
Postum erhielt der Autor 1981 den Pulitzer-Preis. Bis heute ist der Roman - insbesondere in den USA - Kult.
Übersetzungen, pflegte mein Englischlehrer zu kalauern, seien wie Frauen: Entweder treu oder schön. Ich kann mich noch gut an die tiefe Enttäuschung erinnern, als Dshamilja von Tschingis Aitmatow plötzlich in neuer angeblich sehr viel besserer Übersetzung erschien und mir die alte doch nicht ersetzen konnte.
In diesem Fall hingegen ist es ein Glück, dass Alex Capus sich dieses amerikanischen Klassikers angenommen hat. Seine Übertragung ist luftiger, eleganter und bringt den Witz, der darin steckt, besser zum funkeln.
Ignaz, der amerikanische Oblomow, ist die Hauptfigur und ein Mann, den wir alle kennen. Von der Mutter systematisch zum Geisterfahrer des sozialen Umfelds verzogen. Er wurde sein Leben lang durch etwas, das wie Mutterliebe aussehen sollte, angefettet zum notorischen Besserwisser. Ein Mann, der sich gewiss ist, klüger zu sein als alle anderen Menschen und jede Arbeit oder gar Anstrengung scheut.
Der Autor John Kennedy Toole hat viele Jahre an dem Stoff gearbeitet. Wegen der Aussichtslosigkeit, einen Verleger dafür zu finden, hat er Selbstmord begangen und seine Mutter hat posthum dafür gesorgt, dass dieser skurrile, zwerchfellerschütternde Schelmenroman 1980 doch noch veröffentlicht wurde. Mit nebenbei überraschend großem Erfolg. " Ignaz oder Die Verschwörung der Idioten" wurde zum Kultbuch als eine Art Anti-Salinger - als Parodie des "American Way of Life".
Der Held, Ignatius J. Reilly, ein 30 Jahre alter Doktor der Philosophie, ist ein wenig überdreht, dick, schrill, weiß alles, kennt alles und entlarvt alle anderen als Deppen. Er lebt zu Hause bei Muttern und versucht sich über den verachtungswürdigen Zustand der Welt zu trösten. Er versucht sich auf etlichen Arbeitsstellen, was jeweils in tumultartigen Slapstick-Szenen endet.
Für Ignaz ist die Gesellschaft eine einzige Antithese zur eigenen Lebensweise, und sein Ziel ist es, den Rest der Menschheit von der Richtigkeit seiner Auffassung zu überzeugen. Dass nun dieser elegante "Dick und Doof"-Roman ausgerechnet jetzt neu erscheint, gehört offenkundig folgerichtig zur Ironie der Geschichte.

John Toole, aus dem Englischen von Alex Capus