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Link in neuem Fenster öffnenAus dem Dänischen von Hannes Thiess und Marieke Heimburger
Die Titel der Kriminalromane von Jussi Adler-Olsen klingen wie Donnerschläge: "Erbarmen", "Schändung", "Erlösung". Mit Carl Mörk als Ermittler ist das feinster Stoff aus dem skandinavischen Hochspannungsgenre. Der bei uns neue Adler-Olsen ist "Das Alphabethaus" ist in Dänemark bereits 1997 herausgekommen. Annemarie Stoltenberg stellt den Krimi vor.
Jussi Adler-Olsen
s Roman erzählt die Geschichte von zwei britischen Piloten, die im Krieg nach Deutschland geraten.
Zweiter Weltkrieg - die beiden Piloten der Royal Air Force, Bryan und James, haben schon ein ungutes Gefühl, als sie losgeschickt werden, um militärische Anlagen in Deutschland auszukundschaften. Ihr Flugzeug wird beschossen, sie stürzen ab, können sich allerdings mit Fallschirmen retten. Dann gelingt es ihnen, auf einen Zug aufzuspringen, der verwundete deutsche Soldaten von der Front zu einem Lazarett transportieren soll.
Bryan und James schleichen nachts durch den Waggon, werfen zwei Männer, die bereits gestorben sind, aus dem Zug und schlüpfen in die Identität und die Schlafanzüge deutscher Offiziere. Da sie nun kein Wort mehr von sich geben dürfen, um nicht aufzufliegen, werden sie als geistesgestört eingestuft und kommen in eine Nervenheilanstalt im Breisgau.
Dort werden sie vom Pflegepersonal geschlagen, von den Ärzten mit Medikamenten und Elektroschocks misshandelt und, was noch schlimmer ist, es gibt drei weitere Simulanten, die schlicht Kriegsverbrecher sind, finstere, brutale und vollkommen skrupellose Burschen, die ein Geheimnis miteinander teilen. Es geht um wertvolle Kriegsbeute.
James und Bryan sind für sie höchst unliebsame Mitwisser und geraten auf die Liste der zu eliminierenden Personen für die drei Schurken. Nur eine der Krankenschwestern verliebt sich in James und wird ihr Leben lang versuchen, ihn zu beschützen.
Leseprobe:
Petra wusste nur, dass er ein netter Herr mittleren Alters war, der völlig neben der Spur zu sein schien.
Bryan hört auf, die Beruhigungsmittel zu schlucken, die ihm verabreicht werden. Er versucht auch mit James gemeinsam eine Flucht zu planen, aber James ist nicht ansprechbar für ihn. Unter dramatischen Umständen flieht Bryan allein.
Er überlebt den Krieg. Aber ihn plagt die Frage, wo sein bester Freund James geblieben ist, ob er noch immer in einer deutschen Klinik ist oder wo er beerdigt wurde? Er fühlt sich schuldig, weil er den Freund nicht gerettet, ihn verlassen hat. Nach 30 Jahren kehrt Bryan nach Deutschland zurück und sucht im Schwarzwald nach Spuren seines Freundes.
Leseprobe:
Er registrierte die vielen jungen Menschen, die fröhlich und ausgelassen in den Straßencafés saßen und diese Sprache so fließend und natürlich sprachen, ganz ohne all die hasserfüllten und drohenden Untertöne. Aber als er die zahllosen alten Männer und Frauen bemerkte, sah er in ihren Gesichtern das Kainsmal der Vergangenheit. Und da wusste er, dass er wieder in Feindesland war.
Bis zu diesem Punkt der Handlung zu kommen dauert im Roman - mitunter quälende - 356 Seiten, bis die Geschichte endlich Fahrt aufnimmt. Und, Skandinavier würden nach Lektüre dieses Kriminalromans zu ihrer Familie wohl sagen: Wir können gern durch Deutschland in den Süden, aber wir halten nur zum Tanken. Gefährlich, als ob immer noch Krieg sei, erscheint hier das Nachkriegsdeutschland.
Es sind wirklich grausame Kriegsgewinnler, deren Habgier und Vernichtungswut Bryan sich stellen muss. Er kann kein Deutsch, was innerhalb der Logik mancher Szenen offenbar vergessen wurde. Sein Freund James war 30 Jahre im Dämmerzustand, unansprechbar, hat aber urplötzlich die Geistesgegenwart und Kraft, seine Peiniger zu verfolgen, zu überwältigen und zu töten.
Jussi Adler-Olsen, seine fiktiven Romane werden zur Realität.
Die Krankenschwester, die James treu wie eine deutsche Eiche liebt, wird zur Komplizin.
Leseprobe:
Ihr Blick sprach Bände. Die Pistole hatte sie bereits an sich genommen.
Das ist natürlich unfreiwillig urkomisch. Mein Blick spricht nun auch Bände, aber als Leserin muss ich zugeben, dass die letzten 220 Seiten sehr, sehr spannend sind. Das ist Jussi Adler-Olsen, wie man ihn aus den späteren Krimis kennt. Eine höchst dramatische Verfolgungsjagd beginnt, bei der die Bösewichte ordnungsgemäß besiegt werden.

Jussi Adler-Olsen, aus dem Dänischen von Hannes Thiess und Marieke Heimburger