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Link in neuem Fenster öffnenAus dem Niederländischen von Hanni Ehlers
"Herz aus Stein" war der Titel des letzten Romans der niederländischen Autorin Renate Dorrestein. Aber damit kann sie nicht ihr eigenes Herz gemeint haben. Ihre sozialkritischen, warmherzig geschriebenen Romane, in denen sie ungerechtes Unglück anprangert, sind in den Niederlanden bei den Leserinnen ausgesprochen beliebt.
Renate Dorrestein ist eindeutig eine Anwältin der einfachen Menschen, deren Innenwelten sie behutsam beleuchtet. In ihren Büchern erzählt sie die Geschichten daher gern aus der Perspektive der Figuren.
Ihr neuer Roman handelt von einer Frau, die einmal sehr schön war, aber sich zu viel gefallen lassen hat. Inzwischen ist sie 48 Jahre alt. Das Leben war nicht gerade freundlich zu ihr, sie ist früh verbraucht und verdient ihr Geld inzwischen als Toilettenfrau. Eines Tages bekommt sie vom Jugendamt den behinderten Sohn ihrer drogenabhängigen Tochter zugeteilt. Jolie ist - wie sie selbst früher auch - mit 16 Jahren von zu Hause ausgerissen und hatte dabei noch weniger Glück als ihre Mutter. Um ihren Sohn Igor kann Jolie sich nicht kümmern. Igor war fünf, als man ihn von seiner Mutter getrennt hat und inzwischen seit elf Jahren bei der Oma. Nettie, Igors Oma, versucht mit aller Kraft, wenigstens in diesem Fall alles richtig zu machen. Leicht ist das nicht.
Leseprobe:
Denn manchmal, wenn sie einfach normal zusammen vor dem Fernseher sitzen, fängt sie plötzlich an zu jammern, dass sie es leid ist, jemanden im Haus zu haben, der nie einen Ton von sich gibt. Jemanden, der dümmer ist, als die Polizei erlaubt. Jemanden, der nie Rücksicht auf sie nimmt. er denn?, hat er einmal gefragt. Hier ist doch gar keiner.
Renate Dorrestein, geboren 1954 in Amsterdam, wuchs in einer römisch-katholischen Familie auf. Schon früh stand ihr Traum fest: Schriftstellerin werden. Heute ist die ehemalige Journalistin eine der niederländischen Starautorinnen.
Für ihre Romane, die unter anderem sehr erfolgreich in Amerika, Großbritannien, Italien, Spanien, Finnland, Schweden und Frankreich erscheinen, wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt erschien von ihr"Mein Sohn hat ein Sexleben und ich lese meiner Mutter Rotkäppchen vor". Dieses Buch wurde 2009 mit Iris Berben verfilmt.
Spätestens an der Stelle ist es um uns geschehen. Das ist wie eine moderne Variation auf Astrid Lindgrens "Madita", die zu der Bemerkung der Mutter, sie wünsche sich zu Weihnachten zwei artige Mädchen, sagt: Und wohin sollen dann Lisbeth und ich? Aber Astrid Lindgrens Bullerbü-Idyll gab es schon zu Lindgrens Zeiten nicht mehr. Die Zeiten sind in anderer Weise ruppig und armselig geworden. Nettie versucht das Leben backend und kochend zu bewältigen. Sie entwickelt sich zu einer Süßspeisenvirtuosin.
Leseprobe:
Aus dem brodelnden Topf beginnt ein köstlicher Duft aufzusteigen. Ein Gefühl grenzenloser Vergeudung überkommt sie. Vergeudete Zeit, vergeudete Mühe, vergeudete Zutaten. Plumpudding für Igor! Ein Teller Brei mit einer dicken Schicht Zucker drüber würde ihn genauso zufriedenstellen.
Aber es ist mitnichten alles vergeudet. Die atemberaubende Geschichte von Igors großer Liebe, einem geraubtem Baby und den Irrungen und Wirrungen im Leben seiner Oma sind so rasant und schnörkellos erzählt, dass man den Roman lieber nicht in der Bahn lesen sollte, es sei denn man plant, bis zur Endstation mitzufahren, um das Happyend nicht zu versäumen.

Renate Dorrestein, aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers