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Politisches Buch: "Mut statt Wut"

Von Daniela Remus, NDR Info

Claus Leggewie © picture-alliance / ZB Fotograf: Karlheinz Schindler Detailansicht des Bildes Politikwissenschaftler Claus Leggewie macht sich in seinem neuen Buch Gedanken um die Zukunft der "Wutbürger". Politikmüde und desinteressiert oder überengagiert und wütend? Die klassischen Parteien leiden unter dramatischem Mitgliederschwund, aber die Bürgerproteste bekommen Zulauf wie zuletzt vor etwa 30 Jahren. Claus Leggewie, der renommierte Politikwissenschaftler und Leiter des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen, sieht in dieser scheinbar gegenläufigen Entwicklung eine Chance.

"Wir wissen aus Umfragen über den Wertewandel der letzten 30, 40 Jahre, dass die Zielsetzung von Occupy und anderen, die Distanz gegenüber dem, was man Finanzkapital nennt - das ist Mainstream, das ist nicht eine radikale, kleine Protestbewegung, die sich sozusagen abhebt in ihrem Linkssein oder in ihrem Dagegen-Sein, vom Rest der Bevölkerung - das ist Mainstream", so Leggewie.

Speerspitze einer neuen Bürgerbewegung

Cover des Buches "Mut statt Wut" von Claus Leggewie. © Edition Körber Stiftung Detailansicht des Bildes Das Buch von Claus Leggewie ist in der Edition Körber erschienen und kostet 14,- Euro. Die Gegensätze zwischen rechts und links, zwischen konservativ und sozialdemokratisch sind nicht mehr so gravierend wie etwa in den 70er- oder 80er-Jahren. Deshalb sammeln sich Vertreter aller Gruppierungen bei den sogenannten Wutbürgern, ob es um Stuttgart 21 geht, Occupy oder Gorleben. Für Leggewie sind sie die Speerspitze einer neuen Bürgerbewegung, die zeigt, dass sich das Verhältnis zwischen Regierten und Regierenden im Umbruch befindet.

"Wir haben gesehen, dass eine Politik der Leidenschaft stets ambivalent, Leidenschaft in der Politik aber unabdinglich ist. Es steht in der Verantwortung politischer Vorbilder, aber natürlich auch der Zivilgesellschaft, ob ambivalente Gefühlslagen überborden und demagogisch instrumentalisiert werden oder ob sie als Energieschub für kollektive Projekte  und die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft genutzt werden können." (Buch-Zitat)

Aus Wut muss Mut werden

Nur dagegen zu sein, empört zu sein, das allein reicht nicht aus, um politisch dauerhaft etwas zu verändern. Die klassischen politischen Institutionen und die Gesellschaft müssten sich stärker miteinander vernetzen. Nur dann könne die Kritik konstruktiv sein und tatsächlich Veränderungen herbeiführen. Aus Wut müsse Mut werden, fordert Leggewie in zehn Thesen zur Ermutigung: "Der Übergang vom Wutbürger zum Mutbürger ist nicht einer, der seine Wut abstellt und seine Empörung hintenanstellt, sondern ist einer, der sie zivilisiert, und daraus ein Projekt macht für die Zukunft", so der Autor.

"Demokratie ist anstrengend"

In einer Demokratie zu leben, bedeutet für den 61-jährigen Kulturwissenschaftler immer auch, Konflikte auszuhalten, um bessere Argumente zu ringen und zukunftsfähige Lösungsvorschläge zu entwickeln: "Und eins kann ich sagen: Demokratie ist verdammt anstrengend und zeitaufwendig. Man wird den Fernseher ausmachen und abends zu einer Planungssitzung gehen. Auf diese Ebene bricht sich das runter und dann können tatsächlich die Grantler und Meckerer mal etwas zurücktreten und die Unternehmer und Erfinder mal in den Vordergrund  treten."

Ein nachdenklich stimmendes Buch

Um die komplexen Krisen wie Klimaerwärmung, Energieverbrauch oder Armutskonflikte lösen zu können, müssten alle zusammen arbeiten meint Leggewie. Parteien und Bürger, die da oben und die da unten. "Mut statt Wut" ist ein nachdenklich stimmendes Buch, das konsequent und handlungsnah die Frage verfolgt, wie wir den Umbruch in unserer Gesellschaft so gestalten können, dass eine gerechtere und demokratischere Zukunft die Folge sein wird.

Cover des Buches "Mut statt Wut" von Claus Leggewie. © Edition Körber Stiftung

Mut statt Wut. Aufbruch in eine neue Demokratie

Claus Leggewie

  • Typ: Buch
  • Bestellnummer: 978-3-89684-084-4
  • Verlag: Edition Körber Stiftung
  • Preis: 14,00 €
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