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Link in neuem Fenster öffnenAus dem Amerikanischen von Hans-Joachim Maass
Vorgestellt von Stefan Maelck
Ein Sicherheitsbeamter und ehemaliger CIA-Agent kommt einer Verschwörung auf die Spur.
Vor ein paar Jahren startete der Suhrkamp-Verlag eine eigene Krimi-Reihe. Mit Erfolg: eine gute Mischung und mit einem Händchen für anspruchsvolle Plots.
"Pacific Private" von Don Winslow beispielsweise war eine richtige Entdeckung für Deutschland und einer der besten Krimis des Jahres. Suhrkamp legte nach mit "Pacific Paradise" und "Frankie Machine".
Inzwischen hat Don Winslow eine Fangemeinde in Deutschland und Suhrkamp hat die Rechte an allen Büchern von Winslow erworben. Und so werden auch seine älteren Romane zum Teil wieder aufgelegt wie jetzt "Manhattan" aus dem Jahr 1996.
Don Winslow ist 59 und war Privatdetektiv in New York, Safariführer in Kenia und Surfer in Kalifornien. Er erinnert mit seinem lakonischen Stil an die großen Namen Chandler und Hammett. Der Schotte Ian Rankin meinte; Winslow sei ein so guter Autor, dass man ihn fast für sich behalten möchte.
Leseprobe:
"Walter Withers war bei der CIA nicht unglücklich, ihm fehlte nur New York. Oder, wie er zu Morrison, seinem künftigen Exkollegen bei Scandamerican Import/Export, sagte: "Nicht weil ich die Firma weniger liebe, sondern weil ich Manhattan mehr liebe." Walter glaubte nicht eine Sekunde, dass Morrison die Anspielung auf Shakespeare verstehen oder den Aphorismus goutieren würde, doch das Vergnügen an einem wohlformulierten Satz liegt letztlich nicht beim Hörer, sondern beim Sprecher."
Don Winslow war Privatdetektiv in New York, Safariführer in Kenia und Surfer in Kalifornien - jetzt ist er zum Glück Schriftsteller.
Es wimmelt nur so von solchen klugen, humorvollen und wohlformulierten Sätzen. Don Winslow, der ansonsten lakonischer schreibt, aber immer ein Meister der literarischen und kulturellen Anspielung ist, zeigt im Roman "Manhattan" seine ganze Wortgewalt und seine große Kunst zu fesseln.
Walter Withers wird aus Stockholm abgezogen und bekommt in seinem geliebten New York einen Job als Detektiv einer großen Versicherungsfirma. Für sie deckt er kleine und größere Betrügereien auf. Im Jahr 1958 verfolgt Senator McCarthy notorisch Homosexuelle und Kommunisten, J. Edgar Hoover und das FBI sind da willfährige Handlanger.
Aber Withers ist ein guter Mann, für die Versicherung überqualifiziert, und so bringt sein Chef ihn mit dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Keneally zusammen, für dessen Ehefrau Madeleine er dann hin und wieder den Personenschutz übernimmt.
Zusammen mit seinem angeblichen Date, der skandinavischen Schauspielerin Marta Marlund, und den Keneallys verbringt er vergnügte Abende im East Village, sie besuchen Jazzclubs, treffen auf Beatpoeten und High Society. Bis Marta Marlund eines Tages tot im Plaza gefunden wird.
Leseprobe:
"Also gut, das Motiv. Wer hatte ein Motiv? Zunächst Joe Keneally, falls er geglaubt hat, dass Marta mit der Affäre an die Öffentlichkeit geht. Er hätte es allerdings nicht selbst gemacht, sondern es durch Jimmy arrangieren lassen. Madeleine, natürlich, wo wir gerade von Subtilität sprechen. Vielleicht ein Klischee - die eifersüchtige Gefährtin - aber möglich. Dann ist da noch Anne."
Nun beginnt der eigentliche, von Don Winslow wunderbar inszenierte Fall. Denn jeder könnte schuldig sein am Tod der attraktiven Aktrice. Natürlich wird Withers verdächtigt, denn er wurde zur Tarnung gern von Keneally als scheinbarer Bettgefährte von Marlund im Hotel Plaza angemeldet.
Auch Withers' Freundin Anne, die Jazzsängerin, hatte eine Beziehung zu MM - natürlich hat der Leser längst gemerkt, wie kunstvoll Winslow das Spiel mit den Namen und Initialen beherrscht. Wer nicht längst schon an John F. Kennedy und Marilyn Monroe gedacht hat, wird das eigentliche hintergründige Vergnügen des Romans kaum erkennen.
"Manhattan" ist nichts weniger als die Verneigung vor einem Genre und einem Stadtteil, und wer diesen Herbst nur drei amerikanische Romane braucht, der nehme den neuen T.C. Boyle, den neuen Paul Auster und "Manhattan" von Don Winslow.

Don Winslow, aus dem Amerikanischen von Hans-Joachim Maass