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Luftaufnahmen des Fotografen Jochen Knobloch
"Deutschland von oben" und die "Nordsee von oben" sind erfolgreiche Dokumentar-Filme im Kino und im Fernsehen. Sie zeigen Landschaften und Städte aus der Vogelperspektive so, dass sie wie liebevoll gestaltete Spielzeugmodelle aussehen.
Etwas Ähnliches macht der Hamburger Fotograf Jochen Knobloch. Mit seiner Propellermaschine überfliegt er immer wieder deutsche Regionen und hält fest, wie sie aus der Luft aussehen.
Wie niedlich alles aus der Entfernung aussieht. Die 100 Meter hohen Windkraftanlagen im Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog schrumpfen auf die Länge eines Bleistifts zusammen. Die Rendsburger Eisenbahn-Hochbrücke wird zum feinen Gerüst aus Stäbchen. Und von der übers Gras watschelnden Gänse-Herde in Angeln lassen sich nur hunderte weiße Tupfer mit geschwungenen Hälsen erkennen.
Die Welt sieht anders aus von oben; manches tritt auch klarer hervor: Die Halbinsel Eiderstedt zum Beispiel zeigt sich als der grüne Flickenteppich aus Feldern und Parzellen, der sie ist. Und wie vollkommen symmetrisch der Barockgarten von Schloss Gottorf angelegt ist, lässt sich eigentlich nur aus der Luft so richtig gut erkennen.
Der Autor und Moderator Wolf von Lojewski hat das Vorwort zu diesem norddeutschen Bilderbuch geschrieben. Schleswig-Holstein kennt er wie seine Westentasche. Denn hier begann seine Karriere als Journalist, hier ist er aufgewachsen und als Kind unzählige Male über Wiesen und Felder geradelt:
Leseprobe:
"Herb und voller Abenteuer (ist) die Küste entlang der Nordsee. Windschiefe Büsche und Bäume hinter den Deichen lassen erahnen, mit welcher Wucht hier im Frühjahr und im Herbst die Elemente gegen das Ufer anrennen. Die Westküste Schleswig-Holsteins ist eine mal düstere und dann wieder leuchtend helle Szenerie. Die Ostseeküste und ihr Hinterland - sie sind das liebliche Gegenüber. Gleich hinter Kiel beginnt eine Perlenkette von Seen. Die Gletscher der letzten Eiszeit müssen sich hier wohl länger gehalten haben als anderswo, um dann auf einem überhasteten Rückzug tausende Gräben und Mulden in den Boden zu schaben, die sie mit ihrem Tauwasser füllten."
Von oben betrachtet entfaltet die Landschaft eine eigene Poesie: Rotgolden leuchtet am Abend die Nordsee bei Büsum, während ein einzelnes Schiff auf die Hafeneinfahrt zuhält. Bläulich durch das Pflanzengewirr schimmernde Striche eines zugewachsenen Wasserlochs bei Meldorf sehen aus wie ein exotisches Schriftzeichen. Die Insel Triebs im Plöner See wirkt wie ein herbstlich gefärbter Brokkoli-Kopf und die grüne Hallig Norderoog zwischen lauter Karos aus Lahnungen wie ein in einem Netz gefangenes Tier.
"Seine Fotos versetzen uns in die Perspektive eines Vogelflugs", schreibt Wolf von Lojewski über Jochen Knoblochs Bilderband. "Wie Schleswig-Holstein aus der Sicht einer Möwe. Es ist ein Motorsegler, mit dem er fliegt und aus dem er seine Fotos macht. Eine großzügige gläserne Kuppel sorgt für gute Sicht (...). Und (...) gemächlich ist das Tempo. So kann das Auge dessen, der durch die Seiten dieses Bildbandes blättert, ganz genau die Einzelheiten am Boden abtasten, ist sozusagen wie die Möwe jederzeit zum Landen bereit, wenn sie dort unten etwas Lohnendes entdeckt."
Vor allem, wer die Landschaft von unten kennt, wird Freude an diesem Möwenblickwinkel haben. Es bereitet großes Vergnügen, beim Betrachten der Bilder Vertrautes wiederzuerkennen: Da ist das Lübecker Holstentor. Dass es so spitze Türme hat, fällt von unten gar nicht auf. Und dort ist der Leuchtturm von Westerhever. Wie einsam er in der dunklen Salzwiese steht. Typisch dieses alte Bauerngehöft. Das Reetdach ist ganz schön verwittert.
"Im Flug über Schleswig-Holstein" ist ein hübscher Fotoband, der zum Entdecken einlädt und dabei buchstäblich ganz neue Perspektiven eröffnet.

Jochen Knobloch (Fotos), Wolf von Lojewski (Vorwort)