Druckfrisch
Das Büchermagazin mit Denis Scheck im Ersten.
Link in neuem Fenster öffnenVorgestellt von Margarete von Schwarzkopf
Kevin Powers, 32 Jahre alt, hat selbst im Irak gedient. Er weiß also genau, was er in seinem Debütroman "Die Sonne war der ganze Himmel" schildert. Denn die Realität und die Fiktion sind in seinem Roman kaum zu unterscheiden, auch wenn Powers nicht geplant hatte, einen autobiographischen Roman zu veröffentlichen.
Seine Hauptfigur John Bartle ist ein begeisterungsfähiger Junge, der Gedichte liebt und von Abenteuern und Heldentum träumt. Aber die Erfahrungen, die er im Irak macht, zerstören rasch alle Illusionen, gleichen sie doch in keinem Fall den Filmszenen von aufregenden Scharmützeln mit Happy End, sondern sind grausam, lähmend, dreckig und vor allem atemberaubend Furcht erregend. Vor diesem Hintergrund von Gewalt und Tod scheint nur die Freundschaft zwischen Joe und dem etwas jüngeren Murph noch Bestand zu haben. Schicksalsgefährten in der Hölle, bedacht, irgendwie aus diesem Inferno wieder heraus zu kommen und zu überleben. Joe schafft es zwar, dem Teufelskreis von Töten und getötet werden zu entkommen. Doch der junge Mann, der als Veteran nach Hause zurückkehrt, ist vom Krieg gezeichnet, findet keinen Anschluss mehr an das Leben und an die Welt zuhause, die voller falscher Versprechungen steckt. Und immer wieder kehren die Erinnerungen zurück an jene Tage, "da die Sonne der ganze Himmel war", die Soldaten in der Gluthitze kaum mehr atmen konnten und Murph, der beste Freund, daran zerbrach.
Ein großartiges Buch, erschütternd, nie larmoyant, voll bitterem Humor und großer Empathie für alle, die durch Krieg und Terror zerstört werden – also höchst aktuell.

Kevin Powers