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Politisches Buch: Deutschsein von Zafer Senocak

Vorgestellt von Daniela Remus

Cover des Buches "Deutschsein" von Zafer Senocak. © Edition Körber Stiftung Detailansicht des Bildes Das Buch "Deutschsein" ist in der Edition Körber erschienen. Die Deutschen sind mit sich nicht im Reinen, sagt Zafer Senocak. Stimmt das? Fällt uns deshalb das Deutschsein so schwer? Die Sprachlosigkeit der Deutschen, wenn es darum geht zu beschreiben, was die eigene Identität ausmacht, hält der Schriftsteller, der seit über 40 Jahren in Deutschland lebt, für bemerkenswert.

Für Zafer Senocak ist sie ein wesentliches Indiz für die so merkwürdig diffus und doch auch heftig geführte Debatte um Integration und Einwanderung, um Muslime und Parallelgesellschaften: "Worum es mir geht, die Perspektive auch zu lenken auf die aufnehmende Gesellschaft, nicht nur auf die Einwanderer. Wie definiert sie sich? Hat sie überhaupt eine Definition? Wie tritt sie auf? Welche Geschichten bringt sie mit sich? Also das versuche ich eigentlich ein bisschen mit zu thematisieren."

Die gebrochene Identität der Deutschen

Statt sich in der gegenwärtigen Integrationsdebatte zum Gegner oder Anhänger Sarrazins zu machen, wählt Senocak einen dritten, ganz eigenen Weg: Er betrachtet nicht die Einwanderer und ihre möglichen oder tatsächlichen Defizite, sondern die Deutschen und ihre - historisch bedingte - gebrochene Identität: "Es hat sehr viel zu tun mit diesen Verunsicherungen, die im 20. Jahrhundert entstanden sind, und es hat aus meiner Sicht schon sehr viel damit zu tun, dass dieser Begriff des Nationalen, des Nationalgefühls, in Deutschland - im Unterschied zu Frankreich oder anderen Ländern - eigentlich nicht positiv besetzt ist." Kein deutscher Politiker würde das Wort Nationalgefühl benutzen, so Senocak weiter: "Für einen türkischen Politiker ist das kein Problem, das ist sein täglich Brot."

Zu pauschale Urteile

Der 50-jährige Senocak bedauert, dass in der Diskussion um Kopftuchmädchen, Zwangsheiraten und sozialen Hängematten, zu pauschal geurteilt werde. So, als stünden sich bei der Frage um Integration zwei geschlossene Gruppen gegenüber. Aber das sei nicht der Fall, weder bei den Einwanderern noch bei den Deutschen: "Erstmal wird festgestellt, wer man nicht ist, und das ist ein Weg, den man schon aus dem 19. Jahrhundert kennt. Das ist nicht etwas Neues, was wir hier erfinden, sondern ein bisschen ist das ein Griff in die Mottenkiste der Frühphase des Nationalismus. Ob das heute noch so funktioniert, da habe ich meine Zweifel. Und das habe ich versucht auch so in diesem Buch zu formulieren."

Ein rationalerer Weg der Auseinandersetzung

Die Vorstellung, wir seien eine homogene Nation, funktioniert nicht, sagte er - und das nicht erst, seitdem die sogenannten Gastarbeiter in die Bundesrepublik gekommen sind. Statt andere auszugrenzen - durch den pauschalen Rückgriff auf Religion und Abstammung - plädiert der Schriftsteller dafür, einen rationaleren Weg der Auseinandersetzung zu suchen.

Statt Angst vor Überfremdung und Kulturverlust wünscht sich Zafer Senocak mehr Vernunft in der Debatte. Eine Vernunft, die sich auf die Gedanken der Aufklärung und die allgemeinen Menschenrechte bezieht. Nur dadurch sei das Zusammenleben in einer offenen und pluralistischen Gesellschaft letztendlich möglich.

Cover des Buches "Deutschsein" von Zafer Senocak. © Edition Körber Stiftung

Deutschsein. Eine Aufklärungsschrift

Zafer Senocak

  • Typ: Buch
  • Bestellnummer: 978-3896840837
  • Verlag: Edition Körber
  • Preis: 16,00 €
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