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Link in neuem Fenster öffnenVorgestellt von Krischan Koch
Thriller über die letzten Fragen zu Theorie und Ethik in der Wissenschaft.
Wer sich hinter dem Pseudonym Max Bronski versteckt, darüber wird in der Literaturszene schon lange gerätselt. Unter dem Namen sind bislang vier Krimis erschienen, die alle in München spielen.
Jetzt hat Max Bronski seine Heimatstadt verlassen. Sein neuer Roman "Der Tod bin ich" ist ein breit angelegter Spionagethriller.
Es beginnt, wie sich das für einen Krimi gehört, mit einem Toten. Vor der Jagdhütte eines idyllischen kleinen Schlosses an einem oberbayerischen See geschieht ein kaltblütiger Mord. Während der Gutsverwalter Eulmann Wellen in seinem Zen-Garten harkt, wird er hinterrücks erschossen.
Leseprobe:
"Als habe er Scheu, die Sandfläche zu betreten, blieb der Besucher am Rand in einer Entfernung von etwa fünf Metern stehen. Er hob die Waffe und zielte. Die Kugel traf den Nacken. Der Getroffene schwankte, wollte nach hinten zurückweichen, um nicht in seine Wellenzeichnung zu fallen. Schließlich kippte er doch nach vorne. Das aus der Wunde strömende Blut sickerte in den Sand."
Tino Senoner, der verträumte Assistent des erschossenen Verwalters, wird aus seiner beschaulichen Idylle gerissen. Statt entspannt in der Hängematte Joints zu rauchen soll er jetzt das Erbe des Ermordeten antreten und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln.
Wer hat Eulmann getötet? Wer war Eulmann überhaupt? "Der Tod bin ich, Erschütterer der Welten" steht auf der ersten Seite eines Notizbuches, das der Tote ihm hinterlassen hat. Es ist ein berühmtes Zitat des Physikers Robert Oppenheimer, der als "Vater der Atombombe" gilt.
Max Bronski blendet zurück in die fünfziger Jahre, als die USA und die Sowjetunion das atomare Wettrüsten und ihren Wettlauf ins All begannen. Im zweiten Teil des Romans flieht 1957 ein junger Kernphysiker aus der DDR und verfängt sich im Intrigenspiel des Kalten Krieges.
Leseprobe:
"Bertold Oftenhain. Hat Physik in Berlin und Leipzig studiert. Dazwischen Aufenthalt in Moskau. Sein Vater sitzt in Bautzen ein. "Habt ihr etwas mit ihm vor?" Miller lachte."
Vom schmuddeligen Schlachthofviertel seiner atmosphärischen München-Krimis hat es Max Bronski jetzt in die große Welt der Agenten verschlagen. Genüsslich spielt Bronski mit den Versatzstücken des Spionagethrillers, als wäre es eine Geschichte von John le Carré.
Da gibt es verwanzte Büros, Stasidokumente auf Mikrofilm und Affären mit erotischen Ostagentinnen. Wenn es spannend wird, lässt der Autor Nebelschwaden aufziehen. Vor einer Toilette, die als toter Briefkasten fungiert, gehen die gegnerischen Agenten gleich reihenweise zu Boden.
Leseprobe:
"Er fasste in den Wasserkasten und tastete ihn ab, bis er das Gesuchte gefunden hatte. Jemand versuchte von draußen die Kabinentür zu öffnen. Er zog die Spülung und trat nach draußen. Weniger der Mensch als ein mit Stoff umwickeltes Schlaginstrument behagte ihm nicht. Dann fuhr ein dumpfer Schmerz in seinen Schädel, er kippte nach hinten."
So recht mochte sich Bronski wohl nicht entscheiden zwischen Räuberpistole und seriöser Betrachtung über die Verantwortung der Atomwissenschaft. Die Zitate von Kepler bis Heisenberg und die Exkurse in die Physik wirken manchmal aufgesetzt.
Aber dann gelingen Max Bronski wieder schillernde Charaktere und sehr atmosphärische und hochdramatische Szenen, die den Leser in Atem halten. Das ist ein bunter deutscher Spionageroman, mal trivial, mal hintersinnig - aber immer spannend.

Max Bronski