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Politisches Buch: Die USA im Wahljahr

von Claudia Plaß, NDR Info

US-Präsident Barack Obama bei einer Rede im Weißen Haus in Washington am 21. Oktober 2011. © dpa picture alliance Fotograf: Kristoffer Tripplaar Detailansicht des Bildes Barack Obama möchte eine zweite Amtszeit als US-Präsident antreten. In den USA ist das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur bei den Republikanern eröffnet. Nach den ersten Vorwahlen zeichnet sich ab, dass der Ex-Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, im November gegen den amtierenden Präsidenten Barack Obama antreten könnte. Viele Amerikaner sind derzeit unzufrieden mit Obama, dem Mann, der noch bei seinem Amtsantritt die Botschaft von "Veränderung und Hoffnung" verbreitet hatte. Und einmal mehr wird hierzulande die Frage gestellt: Wie ticken die eigentlich, die Amerikaner? Christoph von Marschall versucht, auf diese Frage Antworten zu geben in seinem neuen Buch. Eva C. Schweitzer widmet sich in ihrem Buch einer radikalen Bewegung und deren Einfluss auf die Republikaner.

"Mensch, die spinnen, die Deutschen"

Cover des Buches "Was ist bloß mit den Amis los? Warum sie an Obama hassen, was wir lieben" © Herder Verlag Detailansicht des Bildes Das Buch "Was ist bloß mit den Amis los? Warum sie an Obama hassen, was wir lieben" ist im Herder Verlag erschienen. Die spinnen, die Amis - ob es nun die spritfressenden Familienkutschen sind oder das Waffenrecht - jeder kennt diesen Satz. Auch Christoph von Marschall hat ihn oft gebraucht. Das hat sich geändert, seit er selbst in den USA lebt, erzählt er: "Wenn man sich darüber wundert, warum wollen so viele Amerikaner keine Krankenversicherung haben, oder warum reagieren die nicht auf die Ölpest und ändern ihre Energiepolitik, warum gibt es immer noch die Todesstrafe, warum setzen die so viel Militär ein ...? Diese Fragen stellt man sich ja. Dann fängt man an nachzudenken, wie das eigentlich in Deutschland geregelt ist. Und wenn man diese beiden Länder vergleicht, dann fallen einem auch Beispiele ein, wo man dann plötzlich denkt, Mensch, die spinnen, die Deutschen."

Bedeutender mentaler Unterschied

Der US-Politiker Mitt Romney von den Republikanern. © dpa picture alliance Fotograf: Cj Gunther Detailansicht des Bildes Nach den ersten Vorwahlen scheint Mitt Romney auf einem guten Weg, der Kandidat der Republikaner zu werden. Die Deutschen, sagt von Marschall, glaubten an die Rolle des Staates, der vieles reguliert und den Menschen dadurch Sicherheiten gibt. Die Amerikaner dagegen betonten die Selbstorganisation des Einzelnen. Anhand vieler Beispiele aus dem Alltag der Amerikaner und der Politik von US-Präsident Obama erklärt von Marschall diesen bedeutenden mentalen Unterschied. Vieles kommt einem bekannt vor, und einige Beispiele klingen wie aus einem Buch 'Amerika für Anfänger'. Aber auch USA-Kenner kommen auf ihre Kosten.

"Die Obama-Präsidentschaft hat diese Unterschiede im Denken über die Rolle des Staats und der Bürger, über soziale Gerechtigkeit und Eigenverantwortung, Privatwirtschaft und gesellschaftlichen Zusammenhalt (...) in besonderer Weise sichtbar gemacht." (Buch-Zitat)

Beide Seiten sind enttäuscht

Aus Sicht der Deutschen sind viele Reformvorhaben Obamas stecken geblieben. Aber den Amerikanern geht der Reformkurs ihres Präsidenten zu weit. Das Ergebnis: Beide Seiten sind enttäuscht. "Aus deutscher Sicht hat Obama die Erwartungen nicht erfüllt. Er wollte Guantanamo schließen, das ist nicht passiert. Er hat den Irakkrieg beendet, hat aber in Afghanistan aufgerüstet. Aus amerikanischer Sicht ist es genau umgekehrt: Die Amerikaner werfen ihm vor, dass er zu viel verändert, und dass er das Falsche tut. Er hat es nicht geschafft, die Wirtschaftskrise zu beenden und den Aufschwung wieder näher zu bringen", so von Marschall. Die Republikaner, so der Autor, versuchten im Wahljahr, diese Enttäuschung für sich zu nutzen.

Der rechte Rand der Republikaner

Cover des Buches "Tea Party - Die weiße Wut. Was Amerikas Rechte so gefährlich macht" © dtv Verlag Detailansicht des Bildes Das Buch "Tea Party - Die weiße Wut. Was Amerikas Rechte so gefährlich macht" ist im dtv Verlag erschienen. Eine Gruppe, die sich in der Anti-Obama-Stimmungsmache besonders hervortut, ist die Tea-Party-Bewegung am rechten Rand der Republikaner. Eva Schweitzer beleuchtet die neue Rechte in ihrem Buch. "Die Tea Party ist eine diffuse Bewegung von Leuten, die teilweise widersprüchliche Dinge wollen. Aber diese eigentliche Wut am Anfang der Bewegung, das ist eine Bewegung von Weißen, denen es nicht passt, dass ein schwarzer Präsident im Weißen Haus ist. Das ist die emotionale Triebfeder, die die antreibt", so Schweitzer.

Die Anhänger der Tea Party wollen einen schlanken Staat, keine Steuern, keine Einwanderer. Sie sitzen im Abgeordnetenhaus und blockieren Reformvorhaben. Sie haben viele Unterstützer bei den konservativen Medien. Detailliert zeigt die Autorin auf, wer die Strippenzieher im Hintergrund sind - das Netzwerk ist bisweilen so kleinteilig beschrieben, dass es für den normalen Leser fast ermüdend erscheint. Ein Buch also für alle, die es genau wissen wollen.

Ausgang der Wahl bleibt offen

Dabei geht die Autorin nicht davon aus, dass die Tea Party tatsächlich die Macht in Washington übernimmt. Und auch Christoph von Marschall ist überzeugt: Der Einfluss der Tea Party ist begrenzt. Dafür lässt er keinen Zweifel daran, dass die Republikaner mit Romney ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahl gefunden haben: "Romney ist angeblich so ein toller Typ, weil er ein Investment-Manager war, in Amerika sagen die Leute, das ist ein Geschäftsmann. Der hat Erfolg gehabt, der weiß, wie es geht", so von Marschall. Es wird spannend bis zur Wahl im November, das´sind sich beide Autoren sicher. Ausgang: offen.

Informationen zu den Büchern

"Was ist bloß mit den Amis los? Warum sie an Obama hassen, was wir lieben"
Christoph von Marschall
Herder Verlag, 18,99 Euro
ISBN 978-3-451-30575-7

"Tea Party - Die weiße Wut. Was Amerikas Rechte so gefährlich macht"
Eva C. Schweitzer
dtv Verlag, 14,90 Euro
ISBN 978-3-423-24904-1

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