Druckfrisch
Das Büchermagazin mit Denis Scheck im Ersten.
Link in neuem Fenster öffnenVorgestellt von Margarete von Schwarzkopf
Die Bücher von Bannalec, einem Pseudonym, beschreiben die Schönheiten und auch die dunklen Seiten einer attraktiven Region Frankreichs, der Bretagne mit ihrer eigenen Geschichte, Sprache, ihrer keltischen Tradition und Mythen.
Kommissar Dupin liebt Hummer, stammt aus Paris, lebt sich aber, nach anfänglichen Schwierigkeiten, allmählich in der Bretagne ein und hat nun einen zweiten Fall zu lösen, der mit drei Leichen auf einer der vielen winzigen Inseln der Glénan beginnt. Diese Inselgruppe vor der bretonischen Küste hat schon viele Stürme und Schiffbrüche überstanden und ist berühmt für ihr klares blaues Wasser, das aber trügerisch sein kann wie das Wetter allgemein in der Bretagne.
Was ist mit den drei Toten geschehen? Wurden sie Opfer des heftigen Sturms in der letzten Nacht? Alles deutet anfangs auf Tod durch Ertrinken hin. Kommissar Dupin erfährt jedoch, dass einer der Toten ein windiger Unternehmer mit politischen Beziehungen ist und der andere ein selbstherrlicher Segler mit jeder Menge Feinden. Dupin ahnt Böses, tappt trotzdem lange Zeit im Dunkeln. Er muss sich erst einmal mit der bretonischen Psyche noch ein Stückchen vertrauter machen, ehe er das ganze Ausmaß der Ränkespiele und der Tragödien erkennt, das sich hinter dem Fall von den drei toten Männern auf der kleinen Insel verbirgt.
"Bretonische Brandung" ist zwar ein spannender Krimi, aber auch hier bestimmen wunderbare Schilderungen von herben Landschaften und historischen Meilensteinen die Handlung, Geschichten über einen besonderen Menschenschlag, für den das Meer mit seiner Urgewalt ähnliches bedeutet wie für die Bewohner des Périgord die Höhlen, in denen man die Zeichnungen prähistorischer Bewohner fand. Das waren und sind noch immer Schicksalsorte, die bis heute die Menschen vor Ort prägen und damit zugleich ihre Sicht der Welt. Und selbst wenn der Hummer noch so köstlich schmeckt, so lauert auch an dem Ort, der nicht umsonst "Ende der Welt" heißt, so manches dunkle Geheimnis auf Kommissar Dupin.

Jean-Luc Bannalec