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Buch der Woche: "Haus der Löcher"

Vorgestellt von Krischan Koch

Cover: Das Haus der Löcher von Nicholson Baker © Rowohlt Verlag Detailansicht des Bildes Die Kritik jubelt über das "Haus der Löcher": Ausschweifend, skurril - aber manchmal ermüdend. Das "Haus der Löcher" ist ein Ort, von dem alle träumen, sagt Nicholson Baker. Eine Art erotischer Vergnügungspark, ein märchenhaftes Reich der Lüste, wo jeder seine geheimsten Wünsche ausleben kann. Zu erreichen ist dieses Sex-Wunderland durch die unterschiedlichsten Löcher, auf einem Golfplatz, durch Strohhalme oder Wäschetrockner oder die zum O geformten Finger einer Hand. 

"Dann drückte er ihr das O gegen den Mund. Sie schob die Zunge hindurch und ihr Körper strömte durch seine Finger. Sie wurde in einen Wusch von Flaumigkeit gesogen, und dann landete sie und kondensierte, und vor ihr im Gras war ein Schild: Willkommen im Haus der Löcher." (Buch-Zitat)

Ein schmutziger Kinderulk

Hier gibt es Stöhnzimmer und eine Lizenz zum Arschkneifen. Zwei russische Pianisten spielen vierhändig auf einem Frauenbein. Nicholson Baker, dieser nette Herr mit dem gemütlichen Rauschebart, hat eine ausschweifende und ziemlich schmutzige Fantasie. In unzähligen kurzen Kapiteln inszeniert er die abstrusesten erotischen Konstellationen. Und wenn es zur Sache geht, wird es lautmalerisch wie in einem Comic. "Wamm bing-bong. Schnorf!" Ihr Körper machte "klong, klong, klong." Als Umschreibung für die Geschlechtsteile müssen die Namen von Malern und Schriftstellern herhalten. Baker kreiert die verrücktesten Wortspiele und erotischen Hilfsmittel: Pornosaugschiffe, Masturboote, und Peniswaschanlagen. 

"Es ist wie eine Autowaschanlage, aber nur für Luxussportwagen, Ferrari, Miata et cetera. Die Männer, die hier reinkommen, sehen mit am tipptoppsten aus. Es ist also eine Ehre, in der Peniswaschanlage gewaschen zu werden, und es ist eine Ehre Peniswäscherin zu sein. Beides. Und nun fahr fort, du machst das gut." (Buch-Zitat)

Abstrus, pornografisch - und politisch

Bakers Text ist zwar alles andere als jugendfrei. Dennoch wirkt er wie ein absurder Kinderulk: Alice im Wunderland der Lüste. Zumindest das Motiv der Löcher, durch die Alice in ihre Phantasiewelt gelangt, ist aus dem Kinderbuchklassiker entliehen. In surrealen und alptraumhaften Szenen parodiert Baker das Monströse der Pornografie. Da tauscht einer seinen Arm gegen einen Riesenpenis ein. Und bei der Sicherheitskontrolle im Flughafen wird bei einer Passagierin die Klitoris beschlagnahmt. Eine Ohrfeige für prüde und doppelmoralische Konservative in den USA. 

"Dann kam die Klitdiebin. Sie war um die fünfundvierzig, superpatriotisch, dicke Haare, Riesenstöckel, patriotische falsche Riesentitten. Und sie sagte: Tut mir leid, aber wir haben entschieden, dass ihre Klitoris nicht ins Handgepäck gehört. Sie liegt über dem Gewichtslimit und stellt eine Bedrohung der Sicherheit dar." (Buch-Zitat)

Viel Beachtung für einen literarischen Porno

Baker hat ein Faible für abstruse und manchmal auch recht komische Situationen. Doch die Sache wird schnell ermüdend. Dann wünschte sich der Leser zur Abwechslung mal eine Szene, in der nicht gleich die Hosen heruntergelassen werden. Es gibt keine Charaktere, nur Statisten. Dieses "Haus der Löcher" ist ein Kuriositätenkabinett erotischer Fantasien, eine wüste, mal herrlich schräge, aber oft auch etwas eklige Sex-Persiflage. Aber eines hat Nicholson Baker mit diesem "Schmuddelbuch" geschafft: Es ist ein literarischer Porno. 

Cover: Das Haus der Löcher von Nicholson Baker © Rowohlt Verlag

Haus der Löcher

Nicholson Baker

  • Typ: Buch
  • Bestellnummer: 978-3498006716
  • Verlag: Rowohlt Verlag
  • Preis: 19,95 €
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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/kultur/literatur/buchtipps/baker101.html