Druckfrisch
Das Büchermagazin mit Denis Scheck im Ersten.
Link in neuem Fenster öffnenVorgestellt von Margarete von Schwarzkopf
Über den Auslöser vieler dieser furchtbaren Ereignisse, den 11. September 2001, ist schon viel geschrieben worden. Amy Waldmans Roman "Der amerikanische Architekt" erzählt auch von den Folgen dieses Tages für die USA, aber etwas anders.
Im Mittelpunkt steht eine Ausschreibung einige Jahre nach dem 11. September 2001 für eine Gedenkstätte für die Verstorbenen. Ausgerechnet der Vorschlag eines Architekten mit muslimischen Wurzeln gewinnt das Rennen - zum Entsetzen vieler Jury-Mitglieder und vieler Amerikaner. Mohammed Khan möchte einen großen Garten für die Getöteten anlegen auch als Stätte der Begegnung und Versöhnung. Aber das stößt auf scharfe Kritik und löst eine Welle von Reaktionen auf allen Seiten aus. Ausgerechnet die Witwe eines der Opfer vom 11. September unterstützt den Architekten, dessen eigene Familie und muslimische Gemeinde sich nicht nur begeistert zeigen über Khans Idee.
Der Roman schildert darüber hinaus Schicksale, die eng mit dem Geschehen von 2001 und den Folgejahren verknüpft sind, darunter die Tragödie einer Witwe, deren Mann illegal im Land war und in den Twin Towers schwarz gearbeitet hat und deshalb offiziell nicht existiert. Ein fesselndes Buch über Schuld und Sühne und den schweren Weg zur Aussöhnung und zur Gerechtigkeit, der oft genug an sehr persönlichem Interessen, wie am Beispiel einer ehrgeizigen Journalistin gezeigt wird, zu scheitern droht. Auch der amerikanische Architekt Mohammed Khan selbst ist eine ambivalente Figur, deren Motive für seinen Antrag nicht eindeutig scheinen. Und so zerrissen wie die Stadt New York nach der Zerstörung der Twin Towers sind auch Menschen im ganzen Land, schwankend zwischen Rachegefühlen und dem Traum von Aussöhnung.
Eine originelle und spannende Aufarbeitung der Ereignisse des 11. September 2001.

Amy Waldman