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Orientierung im Bücherdschungel - mit Denis Scheck.
Link in neuem Fenster öffnenGedichte sind nicht nur die hohe Kunst der Literatur, Sprache in ihrer verdichtetsten Form - Gedichte können auch Therapie sein. Sie können Menschen helfen, die den Bezug zur Realität verloren haben. Worte, Verse, die sie noch aus der Kindheit kennen, öffnen plötzlich den Weg ins Hier und Jetzt. Bei Alzheimer- und Demenzkranken wird in den USA schon seit Jahren Poesie eingesetzt - die sogenannte "Alzpoetry". In Deutschland gibt es das nun auch - "Weckworte" nennt sich das Projekt, bei dem junge Menschen die Kranken besuchen.
Lars Ruppel ist Projektleiter von "Weckworte".
Lars Ruppel ist einer der wenigen hauptberuflichen Poetry Slammer. Beim Bundeswettbewerb in Hamburg belegte er gerade den dritten Platz. Vor zwei Jahren machte er einen Workshop zu "Alzpoetry" und fand seine Berufung. "Das hat mich gefesselt und so überzeugt in seiner Wirkung, dass ich dabei geblieben bin und das zu meinem Beruf gemacht habe", schwärmt er. 150 Workshops leitet der 26-Jährige jährlich, schult Schüler und Pflegepersonal - mit durchdringendem Erfolg.
Jede sogenannte "Session" beginnt mit einem Handschlag: Die Schüler stellen sich persönlich und direkt vor. Das hilft ihnen, ihre Scheu abzubauen - und den Dementen, überhaupt in Kontakt zu treten: ein erster Brückenschlag. "Wir versuchen für demente Menschen Erinnerungsprozesse in Gang zu setzen, ihnen eine gute Zeit zu bieten, Texte mitzusprechen, bei der Entstehung von Gedichten dabei zu sein und sie so von den Demenz typischen Symptomen aufzuwecken", erklärt Ruppel.
Damit das überhaupt gelingen kann, gibt es feste Regeln: Alle vorgetragenen Gedichte müssen positiv sein, zur Jahreszeit passen und bekannt sein - sei es Sinnspruch, Gebet oder Klassiker.
Ob Sinnspruch, Gebet oder Klassiker: Während einer Session sprechen die Senioren ihnen bekannte Verse mit.
Während einer Session spricht Lars Ruppel die Dementen auch direkt an und fragt sie: "Was ist das Schönste in Ihrem Leben?" Und plötzlich haben die Senioren ganz klare Momente. "Für mich zeigt das immer wieder, wie mächtig diese Sprache, die wir haben, wirklich ist und was wir damit erreichen können - dass wir Menschen beschenken können damit", so Ruppel.
Die Schüler sind übrigens alle freiwillig dabei. Häufig begleiten sie die Senioren noch auf ihre Zimmer. "Weckworte" sind für sie sowie für die Dementen eine ganz besondere Erfahrung.