Ein verlassenes Haus. Irgendwo im Ostharz. Es war einmal eines der feudalsten Hotels in Deutschland. Vor 100 Jahren hieß es noch "Fürst zu Stolberg". Es war das Luxushotel im "St. Moritz des Nordens", so nannte man den Ort damals. Zu DDR-Zeiten wurde es umbenannt in "Heinrich Heine Hotel". Seit 18 Jahren steht es leer und soll jetzt einem spanischen Investor gehören. Inzwischen ist es verwahrlost und längst vergessen. Gerade solche Orte reizen die "Urban Explorer" - zum Fotografieren.
Jede Tour ist ein kleines Abenteuer - und nicht immer ganz legal, wie Markus erzählt: "Ja, es ist ein bisschen verboten, das stimmt. Grundsätzlich ist es wohl schon so landläufig der Tatbestand des Hausfriedensbruchs, allerdings muss man das Ganze vermutlich auch bisschen relativ sehen. Was machen wir? Wir machen ja nichts anderes als praktisch ein Zeitdokument zu erstellen. Wir nehmen praktisch den Ist-Zustand, machen da vielleicht sogar noch eine Kunstform draus."
Die Urban Explorer kommen nur als Beobachter. Denn es gibt einen Ehrenkodex: nichts zu hinterlassen als Fußspuren - und nichts zu machen als Fotos. "Wir würden nie Sachen zerstören, nie Sachen mitnehmen oder eine Scheibe einschlagen oder irgendwas umdekorieren", so Markus.
Sie machen nur Fotos - aber ihre Bilder zeigen nicht nur die Schönheit des Verfalls, sie dokumentieren auch die Geschichte des Ostens nach der Wende. Nicht nur im Harz, die Braunschweiger fotografieren in ganz Ostdeutschland.
Wie entstehen diese Bilder? Von jedem Motiv werden bis zu zehn verschiedene Belichtungen aufgenommen, die später am Computer übereinandergelegt und digital bearbeitet werden. Das Ergebnis: sogenannte Hochkontrastbilder. Die Ästhetik des Verfalls und 100 Jahre deutsche Geschichte konservieren die Urban Explorer in großartigen Bildern. Das Einzige, was bleibt, wenn der Mensch gegangen ist.