Kulturjournal
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Rund 400 Gäste kamen, darunter Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (2.v.r.) und Altkanzler Gerhard Schröder (r.).
Zwei Ereignisse gibt es im Günter Grass-Haus in Lübeck dieser Tage zu feiern: den 85. Geburtstag des Literaturnobelpreisträgers am Dienstag und das zehnjährige Jubiläum des Hauses. Prominente Gäste aus Kunst und Kultur kamen am Sonntagabend zur feierlichen Wiederöffnung der für mehr als 200.000 Euro überarbeiteten Dauerausstellung. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig würdigte den Autor als "streitbaren Geist und wertvollen Impulsgeber für die Gesellschaft". Grass repräsentiere die deutsche Literatur in der Welt wie derzeit kein anderer, sagte der SPD-Politiker. Er setze politische Streitgespräche in Gang, die enorm wichtig seien. "Sie wollen gesellschaftliche Debatten anstoßen. Unsere Gesellschaft ist nur dann stark, wenn sie diese Debatten aushält", fügte Albig an.
Grass selbst las zur Eröffnung einige Gedichte aus seinem neuen Band "Eintagsfliegen" vor. Unter den rund 400 Gästen waren die Schriftsteller Feridun Zaimoglu und Eva Menasse sowie der Maler und Bildhauer Markus Lüpertz, dem im nächsten Jahr eine Ausstellung im Grass-Haus gewidmet werden soll. Allround-Entertainer Helge Schneider trat mit seiner Jazzband auf.
Altkanzler Gerhard Schröder, der sich vor zehn Jahren für die Einrichtung des Hauses stark gemacht hatte, lobte nach einem ersten Rundgang das neue Ausstellungskonzept, das stark auf digitale Medien setzt. "Ich wünsche mir, dass möglichst viele Schulklassen das Haus besuchen und dadurch Zugang zur Literatur und zum Werk von Günter Grass finden", sagte Schröder. Von heute an ist das Haus wieder für alle Besucher geöffnet.
Schriftstellerin Eva Menasse warf Grass eine "Torheit" vor.
Es gab am Sonntagabend aber auch kritische Töne: Eva Menasse nahm sich Grass' israelkritisches Gedicht "Was gesagt werden muss" vor: "Ich halte das Gedicht für eine Torheit", sagte die Literatin. Grass konterte: "Ja, es war eine Torheit, das so auszusprechen. Aber es war eine notwendige Torheit." Zuvor hatte er auf NDR Kultur seine Kritik an der israelischen Regierung erneuert.
Die neue Dauerausstellung zu Grass' Leben und Werk trägt den Titel "Das Ungenaue genau treffen". Den Besuchern sollen mehr Facetten des Schriftstellers, Zeichners und Bildhauers als bisher vermittelt werden. Um verstärkt junge Besucher anzusprechen, setzt das Haus zunehmend auch auf digitale Medien. Das Haus gibt einen Überblick über das Schaffen des vielseitigen Künstlers in insgesamt sechs Jahrzehnten. Es beherbergt mehr als 1.200 Grafiken von Günter Grass, eine Forschungsbibliothek sowie ein Medien- und Sammlungsarchiv mit Manuskripten des Schriftstellers. Auch Selbstporträts werden gezeigt, die Grass in verschiedenen Jahrzehnten schuf. Die neu gestaltete Ausstellung geht neben dem künstlerischen Schaffen stärker auf sein politisches Wirken und auf Skandale, in die der streitbare Autor verwickelt war, ein. Auch Grass' Verhältnis zum Nationalsozialismus wird thematisiert.
Die Schau präsentiert auch das zeichnerische Werk des Literaten, wie hier "Frau mit Spiegel und Vogel".
Das Günter Grass-Haus eröffnete am 20. Oktober 2002 nach zwei Jahren Planungs- und Bauzeit - es war quasi das Geschenk zu Grass' 75. Geburtstag. Erwerb und Umbau des Hauses in der Glockengießerstraße sowie der Kauf eines repräsentativen Teils aus dem Grass'schen Vorlass kosteten insgesamt zwei Millionen Euro. Bund, Land und verschiedene Stiftungen teilten sich die Summe. Das Lübecker Grass-Haus ist neben der Akademie der Künste in Berlin und der Günter Grass Stiftung in Bremen die dritte Einrichtung in Deutschland, die das Gesamtwerk des Künstlers betreut.

Zwei Tage vor dem 85. Geburtstag des Literaten ist am Sonntag das Günter Grass-Haus in Lübeck wiedereröffnet worden. Viel Prominenz kam, um die überarbeitete Ausstellung zu feiern.