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Klimt-Rätsel: Hannoveraner liefern heiße Spur

Das mutmaßliche Original des von Gustav Klimt gemalten Werkes "Der Trompetende Putto" in Nahaufnahme © NDR Fotograf: Karoline Grothe "Der trompetende Putto" hing bis zu seinem mysteriösen Verschwinden in Gustav Klimts Wiener Atelier.

Ist das ein echter Klimt? Das kreisrunde Gemälde mit einem Durchmesser von 1,70 Meter zeigt eine fliegende Engelsfigur, die Trompete spielt. Es soll der lange verschollene "Trompetende Putto" sein und vom berühmten österreichischen Maler Gustav Klimt stammen. Ein Kunsthändler will ihn entdeckt haben, in einer Garage im oberösterreichischen Linz. Doch in Expertenkreisen gibt es Zweifel an der Echtheit. Forscher der Leibniz Universität in Hannover liefern nun die vermutlich entscheidenden Hinweise.

Ein Puzzle aus kleinsten Legosteinen

Die Wissenschaftler um Franz Renz vom Institut für Anorganische Chemie der Leibniz-Uni haben herausgefunden, dass das Bild übermalt wurde, was eine rein optische Begutachtung erschwert und einen Blick "hinter die Fassade" mit naturwissenschaftlichen Methoden erfordert habe. Die Experten hätten das Gemälde unter anderem mit speziellem Licht bestrahlt. Die Strukturen, Farben und Maltechniken konnten so näher erforscht werden. Wie das Zusammensetzen einzelner kleinster Legosteine beschreibt Lenz die Arbeit der Wissenschaftler - die gefundenen Beweise könne kein Kunsthistoriker infrage stellen. Die Naturwissenschaftler sind von der Echtheit überzeugt.

Zur Person: Gustav Klimt

Der österreichische Maler Gustav Klimt wurde am 14. Juli 1862 in Baumgarten bei Wien geboren. Er gilt als der bedeutendste Vertreter des Wiener Jugendstils, auch Wiener Secession genannt. "Der Kuss" von 1908 ist Klimts berümtestes Werk. 1907 schuf er das Gemälde "Adele Bloch-Bauer I", es ist heute eines der teuersten der Welt. Am 6. Februar 1918 starb Klimt nach einem Schlaganfall in der österreichischen Hauptstadt.

"Reine Dekorationsmalerei" von Bruder Ernst?

Das Deckenfresko soll in dem Wiener Atelier des Jugendstil-Malers Gustav Klimt gehangen haben. Bei einem Lifteinbau in den 80er-Jahren wurde es verstaut und galt bald darauf als verschwunden - bis der besagte Kunsthändler mit detektivischen Spürsinn es im vergangenen Sommer offenbar entdeckte. Der Klimt-Experte und Vizedirektor des Wiener Belvedere, Alfred Weidinger, hatte allerdings damals gleich betont, das Werk sei definitiv nicht Klimt zuzuordnen. Er sprach von "reiner Dekorationsmalerei" und vermutete als Urheber Gurstav Klimts Bruder Ernst, mit dem sich der Bruder das Atelier geteilt hatte.

Kunsthistoriker entscheiden über Echtheit

Zur Klärung der Echtheitsfrage wandten sich die Österreicher an die Wissenschaftler aus Hannover. Die halten das Bild nun für zweifelsfrei echt. Doch nur Kunsthistoriker können ein Gemälde verifizieren. Ihr Urteil über den trompetenden Engel steht noch aus. Bei ihrer Analyse wollen sich die Österreicher aber wohl nicht allein auf die Ergebnisse der hannoverschen Chemiker verlassen. Auch Physik-Experten der Universität Mainz wurden um Hilfe gebeten. In Rheinland-Pfalz kommt nun ein Strahlenmessgerät zum Einsatz, das auch schon bei Marsmissionen der Nasa benutzt wurde. Das letzte Kapitel in diesem Krimi ist also noch nicht geschrieben.

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