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Vielleicht haben Sie sie noch nie gesehen - ihre Zeichnungen aber kennen Sie: Die Illustratorin Kat Menschik ist längst kein Geheimtipp der Szene mehr und lässt ihre Linien überall tanzen: in Zeitschriften, Zeitungen und Büchern. Auch wenn ihr Strich leicht ist - ein Hinkritzeln ist es nicht. "Normalerweise formt sich bei mir ein Bild vorher schon gedanklich", erzählt sie. "Ich sehe es so vor mir, wie ich es haben möchte und dann mit Bleistift skizziere. Da brauche ich allerdings lange. Manchmal Radiergummi und Bleistift."
Gerade hat sie die "Die Bäckereiüberfälle", die neue Erzählung von Haruki Murakami, illustriert. Es ist bereits die zweite Zusammenarbeit mit dem japanischen Bestsellerautor. Dabei sind melancholische Zeichnungen entstanden - die mystische, exotische Stimmung wird spürbar. Kat Menschik sucht sich kleine Feinheiten am Rand der Erzählung und rückt diese in den Mittelpunkt.
Für neue Ideen muss Kat raus. Dann streift sie durch ihren Kiez, Prenzlauer Berg. In Berlin ist sie auch geboren. Schon als Kind verlor sie sich stundenlang im Zeichnen. Später studierte sie dann Grafik. Im Auslandsjahr in Paris gründete sie mit einem Freund ein Comicmagazin. Der Durchbruch, wie sie sagt: "In dieser Zeit hab ich überhaupt den Mut zu dieser ganzen Sache gelernt. Also, sich zu trauen rauszugehen, sich zu trauen, die Sachen zu zeigen. Die Sachen überhaupt erstmal zu machen. Und ich habe bemerkt, dass das funktioniert. Dass die Leute ja nicht mehr als 'Nein' sagen können. Was sie aber selten gemacht haben."
Erst kürzlich hat Kat Menschik "Die Bäckereiüberfälle", das neue Buch von Haruki Murakami, illustriert.
So ist es bis heute. Inzwischen zeichnet Kat Menschik jede Woche für das Feuilleton der"Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Großflächige Kirchenfenster nennt sie ihre Bilder. Die Anlehnung an die Pop-Art ist unübersehbar. Dafür arbeitet sie mit Fotos der Filmstars und einem Lichttisch. Bei der Arbeit mit Murakami stand sie unter einem ganz besonderen Druck. Dem sind die Illustrationen zu seinen Büchern so wichtig, dass er sie alle persönlich abnimmt - weltweit. Im Café gleich neben dem Atelier traf sie auf, wie sie sagt, "ihren Meister". Vor der ersten Begegnung war Menschik sehr aufgeregt. "Und als wir uns dann begegneten, setzte ganz plötzlich so was wie eine meditative Stimmung ein. Ich hab mich beruhigt und mir saß so ein wahnsinnig netter, höflicher Japaner gegenüber, der es geschafft hat, wirklich alles auf so ein wohliges Niveau runterzubringen. Das war toll."
Die Berlinerin Kat Menschik ist freie Illustratorin und inzwischen eine der gefragtesten Deutschlands.
Kat zeichnet erst mit Tusche, dann bearbeitet sie die Bilder am Computer. Das Weiche in ihren Illustrationen bringt erst die Farbe, die sie digital aufträgt - als Kontrast zu den harten schwarz-weißen Vorlagen. In Zukunft möchte Kat nicht mehr nur die Erzählungen anderer illustrieren, sondern auch selbst Geschichten schreiben. Gerade arbeitet sie an einem Gartenbuch. Wir sind gespannt, was da so wächst.