Kulturjournal
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Stefan Thiels Papierschnitt "Roma 2 (Blatt 6)" aus dem Jahr 2006.
Seit etwa drei Jahrzehnten haben Künstlerinnen und Künstler die Technik des Scherenschnitts neu entdeckt und weiterentwickelt. "Cut-outs", nur noch selten mit der Schere ausgeschnitten, nehmen als Skulpturen oder filmische Arbeiten neue Formen an. Auch der Berliner Stefan Thiel geht in seinen Papierschnitten eigene Wege. Die Kunstsammlung Neubrandenburg zeigt seine Arbeiten vom 14. Januar bis zum 18. März.
Der 1965 geborene Künstler hat an der Hochschule der Künste in Berlin studiert und war Meisterschüler bei Professor Dieter Appelt. Werke von Thiel waren im vergangenen Winter auch in der Überblickausstellung "Cut. Scherenschnitte 1970-2010" in der Hamburger Kunsthalle vertreten.
Marquis de Sade und die Strukturen
Detail aus Stefan Thiels Arbeit "Jimmi-Choo-Tasche" von 2011. Der Papierschnitt ist 123 x 102 cm groß.
Bevor sich Thiel dem Papierschnitt zuwandte, hat er in einem langwierigen Projekt Marquis de Sades Romanfragment "Die 120 Tage von Sodom" in Blindenschrift übertragen. Diese Schrift besteht aus von hinten in das Papier gepresste Punktmuster, die als Erhöhungen fühlbar sind. Vier Jahre lang, von 1994 bis 1998, war der Künstler mit dieser Arbeit befasst. Seine Idee war, den Romantext über die Blinden-Schrift in eine abstrakt-serielle Struktur zu übertragen. So entstanden die 25 Bände, die in der Kunstsammlung Neubrandenburg in Vitrinen zu sehen sind.
Als das Roman-Projekt beendet war, habe er Sehnsucht nach Bildern gehabt, hat der Künstler in einem Interview berichtet. Ausgehend von selbst gemachten Fotos und von Filmen schuf er jetzt Papierschnitte. Sie zeigen Menschen, Alltagsszenen oder Landschaften und neuerdings oft auch Mode, reduziert auf den Schwarz-Weiß-Kontrast. Aber Stefan Thiel vereinfacht dabei nicht unbedingt: Manches übersetzt er bis ins kleinste Detail und präsentiert so ein kompliziertes Geflecht von Strukturen: Aus Netzstrumpfhosen, Handtaschen, Maschendraht oder Spinnennetzen. Auch die Körpertätowierung eines Mannes ist in der Ausstellung als Papierschnitt zu bewundern.

Der Künstler Stefan Thiel schneidet komplizierte Muster von Strumpfhosen ebenso aus dem Papier wie Alltagsszenen. Eine Ausstellung in Neubrandenburg zeigt seine Arbeiten.