Kulturjournal
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Wie kaum ein Zweiter polarisiert Günter Grass mit Worten und Schriften die deutsche und die internationale Öffentlichkeit. Doch der Literat ist nur eine Seite der Person Grass. Seine Werke als Maler, Bildhauer und Grafiker sind seit Jahrzehnten hoch geschätzt.
Aus diesem Grund zeigt nun das Schleswig-Holstein-Haus in Schwerin in einer Sonderausstellung auf zwei Etagen Grafiken und Plastiken des Künstlers. In eigens konzipierten Themenräumen gruppiert sind Werke aus sechs Jahrzehnten zu sehen, darunter mehr als 100 Arbeiten auf Papier, zudem mehrere Bronze-Skulpturen.
Die meisten der gezeigten Lithographien und Radierungen entstanden im Zusammenhang mit Buchveröffentlichungen des Nobelpreisträgers. Die Illustrationen zum Roman "Aus dem Tagebuch einer Schnecke" (1972), der Danziger Trilogie "Die Blechtrommel (1959), "Katz und Maus (1961) und "Hundejahre (1963), ebenso zu "Der Butt" (1977), "Die Rättin" (1986) und "Unkenrufe" (1992) werden im Erdgeschoss ausgestellt.
Nach einem Praktikum als Steinmetz bewirbt sich Grass an der Düsseldorfer Kunstakademie. 1953 zieht er nach Berlin, studiert an der Hochschule für Bildende Künste bei Bildhauer Karl Hartung. 1956 wird Grass zum Meisterschüler ernannt und schließt damit formell sein Kunststudium ab.
Im Obergeschoss sind Lithographien zum Lyrikband "Dummer August" (2007) und zum Gedichtband "Letzte Tänze" (2003) zu sehen, ebenso aus "Der Schatten: Hans-Christian Andersens Märchen gesehen von Günter Grass" (2004).
Aus den Büchern "Totes Holz" (1989/1990) und "Zunge zeigen" (1988) stammen Zeichnungen, die im Obergeschoss präsentiert werden. Zudem sind Werke zum Roman "Ein weites Feld" (1995) und eine Auswahl von Aquarellen von Günter Grass in der Ausstellung zu finden.
Zusätzlich lädt eine Leseecke mit Büchern des Schriftstellers zum Verweilen ein. Eine Hörstation bietet die Möglichkeit, sich Lesungen von Günter Grass anzuhören. Darüber hinaus werden besondere Buchausgaben mit von ihm gestalteten Umschlägen in Vitrinen präsentiert.
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Günter und Ute Grass Stiftung.

Er hat seine Bücher meist selbst illustriert. Zeichnungen, Lithografien, Aquarelle, aber auch Skulpturen aus dem umfangreichen Werk von Grass sind nun in Schwerin zu sehen.
Über das Zeichnen und Schreiben
Ich zeichne immer, auch wenn ich nicht zeichne, weil ich gerade schreibe oder nichts tue. Und auch beim Zeichnen schreiben sich die Sätze fort, die angefangen auf anderem Papier stehen. Das Schreiben hebt raffend oder verschleppend die Zeit auf. Beim Zeichnen findet sich der knappere Ausdruck.
Günter Grass, 1979