Kulturjournal
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Auf den ersten Blick haben die Werke der deutschen Künstlerin Katharina Sieverding, des Schweizers Andy Denzler und des Koreaners Hwang Young-Sung nicht viel gemein - Sieverding arbeitet mit Fotografie, Film und Video, Denzler verzerrt in seinen oft monochromen Ölbildern aus den Medien bekannte Posen von Prominenten, Hwang Young-Sung montiert dagegen in seinen grell-bunten grafischen Arbeiten Farben und Formen die in Details und im Ganzen an Piktogramme erinnern.
Die Sängerin Rihanna ist in der Welt des Pop bereits eine Ikone. Das Porträt von Andy Denzler stilisiert sie abermals.
Unterschiedliche Herangehensweisen sind es also und doch ist eine Linie erkennbar: Zunächst die direkte und sehr unmittelbare fotografische Sicht, dann die Überhöhung durch Reduktion von Farbigkeit bei gleichzeitiger Verzerrung bekannter Konturen und zuletzt die grelle Abstraktion in grafischen Mustern. Alle Drei bearbeiten ein Thema formal künstlerisch als Serie.
Die Kunsthalle Rostock vereint nun diese drei Sichten unter einem Dach in parallelen Ausstellungen der drei Künstler.
Sie hat bei Joseph Beuys in Düsseldorf studiert und konnte sich bereits Ende der 60er-Jahre mit Film- und Videoarbeiten einen Namen machen. Ihre großformatigen Bildfolgen haben die Möglichkeiten der künstlerischen Fotografie erweitert. Dabei hat sich die Künstlerin zugleich selbst als Motiv verwendet. Unverkennbar ist die Dominanz der Farbe Rot.
Die grobkörnige Aufnahme des grell geschminkten Gesichts ist Teil von Katharina Sieverdings Arbeit "Ohne Titel XX".
Ihre Hauptthemen sind die Polarität von Leben und Tod sowie die Überlagerungen des Individuums durch gesellschaftliche und mediale Einflüsse. Die Kunsthalle zeigt unter dem Titel "Katharina Sieverding - Ich sehe Rot" sechs Serien von ihr mit jeweils sechs Fotoarbeiten sowie hinterleuchtete Foto-Sequenzen. Die Arbeiten entstanden nach ihrem Film "Life - Death" und erlauben den Einblick in den konzeptionelle Anspruch der Künstlerin.
Sieverding gehört heute zu den eigenständigsten Künstlerpersönlichkeiten in Deutschland. Mehrfach war sie mit Werken auf der Documenta vertreten, bei der Biennale in Venedig hat sie mit Gerhard Merz 1997 Deutschland vertreten. Für ihr Lebenswerk erhielt sie 2004 den Goslarer Kaiserring.
Zu den etablierten Künstlern der Schweiz zählt Andy Denzler. Sein Werk ist unverwechselbar: Er wendet sich zunächst realistischen Themen zu, um sie auf besondere Art zu stören. Er verzerrt und verwischt entfärbte Motive, zerschneidet Form und Kontur, um sie verschoben wieder zusammen zu fügen. Sein Mittel ist die handwerklich anspruchsvolle Ölmalerei. Denzler arbeitet fast ausschließlich in Serien. In seinen Arbeiten spielen häufig sowohl soziale Hintergründe eine Rolle als auch psychologische Themen.
Das Timing in der Musik des Rappers "50 Cent" ist linear, das Porträt von Andy Denzler gibt dem Musiker eine non-lineare Note.
Die 20 gezeigten Werke sind unmittelbar aus dem Atelier des Künstlers entstanden und waren bisher noch nirgends ausgestellt. Unter dem Arbeitstitel "Rappers, DJs & Producers" hat Denzler sogenannte Celebreties porträtiert - Prominente, die durch ihre mediale Präsenz Berühmtheit erlangt haben. Die verklärte Sicht der großformatigen Abbilder von Snoop Dog, Beyonce, P Diddy oder Rapper 50 Cent und anderen erweitert tausendfach bekannte Posen hintergründig. Andy Denzler nennt die Präsaentation "Paintings / Empire Inc."
Der koreanische Künstler Hwang Young-Sung genießt international hohe Anerkennung, in Deutschland vor allem durch Ausstellungen in Galerien. Die Kunsthalle präsentiert nun einen Querschnitt seines Schaffens mit 20 Werken aus den Jahren 2006 bis 2012.
Die Arbeiten von Hwang Young-Sung vereinen Vielfalt und Gleichförmigkeit, so wie sich auch Menschen zwischen Individualität und Angleichung bewegen. In beiden Fällen lohnt der einlassende, der zweite Blick.
Sein Name steht für leuchtend bunte grafische Arbeiten, die in Farben und Formen an die schemenhafte Bedeutung von Piktogrammen erinnern. Sein Hauptthema ist das Individuum und die Interaktion mit anderen. Seine oft großformatigen Malereien vereinen tableauartig zusammengestellte Zeichen, die sowohl der traditionellen koreanischen Bildsprache entspringen als auch modernen Bildzeichen-Systemen westlicher Prägung.
Konsequenterweise gibt Hwang allen seinen Werken den Titel "Family Story" - Familiengeschichte - und so nennt er schließlich auch die Ausstellung selbst, die zusammen mit den beiden anderen in Rostock noch bis zum 7. Juli zu sehen ist.

Katharina Sieverding sieht Rot, Andy Denzler malt in Serie und Hwang Young-Sung spricht in Piktogrammen zu uns. Die Kunsthalle zeigt parallel Werke der renommierten Künstler.