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Plattdeutsch, so sagt man, ist eher die Sprache der einfachen Leute auf dem Land, nicht aber die der Intellektuellen. Dass sich aber Niederdeutsch und Hochkultur nicht ausschließen müssen, das will nun das Landesmuseum Hannover beweisen. Gemeinsam mit dem NDR hat es einen Audioguide für die Landesgalerie erstellt - op platt. Am Donnerstag wurde der Guide vorgestellt.
Platt ist ihr eine Herzensangelegenheit: NDR Redakteurin Ilka Brüggemann.
Eigentlich fällt Ilka Brüggemann das Plattdeutsche nicht schwer. Die Redakteurin leitet die Plattdeutsch-Redaktion von NDR1 Niedersachsen, Platt ist für sie wie eine zweite Sprache. Aber die Aufnahmen für den neuen Audioguide des Landesmuseums waren auch für sie eine Herausforderung: "Am schwierigsten war es eigentlich, die verschiedenen Sprachen in Einklang zu bringen, also ein flämischer Maler, der eine Seeschlacht der Holländer gegen die Franzosen vor einem englischen Ort unter einem niederländischen General auf die Leinwand gebracht hat. Das war zum Teil doch eine ziemlich große Herausforderung, aber es hat viel Spaß gemacht, und es war einfach ein ganz besonderes Erlebnis."
Die Idee dazu kam vom Landesmuseum Hannover. Dort gibt es bereits einen Audioguide für die Gemäldesammlung der Landesgalerie. Doch bislang nur auf hochdeutsch. Da aber in Niedersachsen fast die Hälfte der Menschen plattdeutsch spricht oder zumindest versteht, beschloss das Museum gemeinsam mit NDR Kultur, erstmals auch eine niederdeutsche Version anzubieten.
40 Texte für 40 Gemälde mussten zunächst einmal übersetzt werden. Eine Aufgabe, die Reinhard Goltz vom Institut für Niederdeutsche Sprache in Bremen übernommen hat.
Ludger Abeln erklärt op Platt, was es zu Paula Modersohn-Beckers Selbstbildnis zu erklären gibt.
So kann man sich nun Werke von Caspar David Friedrich, Auguste Renoir und Henry van de Velde auf Plattdeutsch erklären lassen - von Ilka Brüggemann und vom Moderator des NDR Magazins Hallo Niedersachsen, Ludger Abeln - der von der Idee sofort begeistert war:
"Oftmals wird Kunst in den sehr gut bebilderten und wissenschaftlich ausgeführten Katalogen schön erläutert. Auf Platt kann man die Werke aber nochmal auf eine ganz andere Art erklären. Wir wollen zeigen, dass Plattdeutsch und Kunst sehr wohl zusammenpassen und auch zusammengehören können."