Kulturjournal
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Raketen wie diese prangen an Wänden in Hamburg.
Knallbunt leuchten die Raketen an der grauen Fassade. Graffiti oder Kunst? Immer wieder tauchen die dreidimensionalen Formen an Wänden in Hamburg auf. Keine Rakete ist wie die andere - einige haben ein Gesicht und Hände, andere sehen aus wie Gestalten aus einem Kinderbuch. Mal bleiben sie einige Monate hängen, mal sieht man sie nur für wenige Stunden.
Hinter dem Street-Art-Phänomen stecken zwei Hamburger, die sich "Zipper die Rakete" nennen. Wer den Namen googelt, stößt als erstes auf ein Facebook-Profil. Hier wird die Raketen-Kunst präsentiert. Auch einen Kurzfilm gibt es im Netz über "Zipper die Rakete". Darin posieren die Künstler lässig in knallroten Overalls, Sonnenbrillen und fetten Goldketten. Doch wer sind die beiden wirklich und was wollen sie Hamburg mit ihren Raketen sagen?
An einem verregneten Sonntagnachmittag sitzen "Zipper die Rakete" leicht verkatert in einem Hamburger Café und bestellen Unmengen von Cola. Die Overalls haben sie heute zuhause gelassen. Wer sie sind, damit wollen sie nicht so richtig rausrücken: Ihre echten Namen sollen lieber nicht im Netz zu lesen sein. Stattdessen wünschen sie, Günter Piff und Heinz Wobbl genannt zu werden. Auch woher sie kommen, soll ein Geheimnis bleiben. Beide sind fast dreißig, Piff arbeitet als freiberuflicher Grafikdesigner, Wobbl ist Architekturstudent - so viel wird verraten.
Lieber wollen die beiden über ihre Raketen reden. Die Idee mit den Raketen kam den Sprayern 2010. Ein Freund hatte Wobbl damals gefragt, ob er im kreativen Hamburger Künstlerquartier, dem Gängeviertel, ausstellen wolle. "Ich fand klassische Graffiti zu langweilig und wollte mit einem neuen Material arbeiten", erzählt er. Schnell war die Idee von "Zipper die Rakete" geboren und sein Kumpel Piff natürlich auch am Start.
Die Rakete ist für die beiden Hamburger ein Symbol für Pop-Kultur und für Abenteuer. "Für mich steckt darin die Idee: 'Raff dich auf, mach was.' Das ist besser, als vor der Glotze hängen", sagt Wobbl.
Die Raketen bestehen aus Styrodor, einem Hartschaum, der fester und robuster ist als Styropor. Auf Styrodorplatten malt das Künstlerduo die Rakete und sägt sie anschließend mit einer Thermosäge aus. Dann wird die Rakete in ihre Einzelteile zerlegt, bunt angesprayt, wieder zusammengeklebt und mit Details bemalt. Eine Rakete zu bauen, dauert von zwei Stunden bis acht Tagen.
Aufraffen - das mussten die beiden Freunde sich auch als sie die ersten Raketen gebaut hatten. Die lagen noch ein halbes Jahr nach der Ausstellung rum. "Wir haben immer gesagt, dass wir sie mal aufhängen müssten. Haben es aber nie geschafft, weil wir zu faul waren", erinnert sich Piff. Doch nachdem sie das erste Mal losgezogen waren, habe das Raketen-Fieber sie direkt gepackt.
Ihre Kunstwerke hängen die beiden mit Montagekleber an Hauswände und Brücken in Hamburg - und das nicht heimlich und im Schutz der Dunkelheit wie viele Sprayer. "Wir gehen auch schon mal nachmittags los", sagt Piff. Schließlich seien die Raketen nur mit Kleber an die Wände angebracht und können ganz leicht wieder entfernt werden. "Man hat schon ein paar Klebespuren, aber die kriegt man wieder weg", erklärt Wobbl entspannt.
Doch genau wie Graffiti sind die Figuren illegal. Die Landespolizei Hamburg erklärt auf Anfrage von NDR.de: "Bei der Handlung ergibt sich der Verdacht einer Sachbeschädigung." Wird eine Anzeige erstattet, droht eine Geldstrafe, im Extremfall sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren. Außerdem könnten die Künstler für die Beseitigung des Schadens haftbar gemacht werden.
Die Landespolizei rät Hausbesitzern, Strafanzeige zu erstatten und die Figur dringend zu entfernen: "Damit nicht noch eine gewisse Werbewirkung erzielt wird und gegebenenfalls Nachahmer findet."
Doch Wobbl und Piff haben bisher nur positive Erfahrungen mit ihrer Kunst gemacht. Sie hoffen, dass sich die Hausbesitzer über die Raketen freuen. Wenn sie hängen bleiben, ist das ein gutes Zeichen für sie. Mitunter würden die Raketen allerdings auch von Fans geklaut.
Erste künstlerische Erfolge konnten die beiden schon einstreichen: Im Dezember vergangenen Jahres stellten sie in einer Hamburger Galerie aus, in zahlreichen Streetart-Blogs wie urbanshit und Owl's Eye's werden sie gefeiert, einige Raketen haben sie sogar schon verkauft. Momentan träumen sie von einem eigenen Atelier in Hamburg: "Wir brauchen Platz für unsere Raketen", erklärt Piff.
Einmal den Blick geschärft für die Kunst von "Zipper die Rakete", sieht man Hamburg mit anderen Augen. Es ist spannender durch die Stadt zu gehen - schließlich könnte an jeder Wand eine Rakete kleben. Und vielleicht sieht man gerade noch zwei Männer im roten Overall hinter der nächsten Straßenecke verschwinden.
Land der Egoisten
Ich finde, man sollte das Verhalten der jungen Männer tolerieren und" ichbinsnur" sollte ihnen die Adressen seiner Fassaden zukommen lassen damit auch diese beklebt werden können. Ich finde aber... [mehr]
Anzeige?
Falls die Kleberrückstände wirklich leicht zu entfernen sein sollten... Polizei rufen? Anzeige erstatten? Das sollte der deutsche Michel natürlich sofort machen. Die Obrigkeit muss einschreiten. Das... [mehr]