Kulturjournal
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Paul Wunderlich: "Bosomfriends II (Goldfinger)", 1965
Der international angesehene Maler und Grafiker Paul Wunderlich (1927-2010) hat viele Jahre seines Lebens in Hamburg gelebt und gearbeitet. Unter anderem Kunstmuseen in Kiel, Hannover, Gottorf und Lübeck haben seine Arbeiten ausgestellt. Mitte der 90er-Jahre zeigten sogar mehrere japanische Museen eine Retrospektive. Aber ausgerechnet in Hamburg hat es bisher keine Einzelausstellung seiner Werke gegeben.
Die Hamburger Kunsthalle holt dies nun nach und zeigt rund 80 seiner frühen Lithografien. Auch Radierungen und Ölgemälde aus dem Bestand des Hauses sowie aus der Sammlung seiner Witwe Karin Székessy-Wunderlich sind zu sehen.
Der Maler und Grafiker Paul Wunderlich (1927-2010)
Ab 1947 studierte Wunderlich in Hamburg Kunst - unter anderem zusammen mit Horst Janssen - und war bald Lehrbeauftragter für Radierung und Lithografie an der Hochschule. Er leitete ab 1951 die Druckwerkstatt und arbeitete dort unter anderem für Oskar Kokoschka und Emil Nolde. Nach wenigen Jahren in Paris kehrte er als Kunstprofessor nach Hamburg zurück und wohnte bis zu seinem Tod mal hier und mal in Südfrankreich.
Paul Wunderlich: "Sandwichlady II", 1960 (Detail)
Wunderlich war einst durch einen Skandal international berühmt geworden: 1960 hat die Hamburger Staatsanwaltschaft seinen Lithografie-Zyklus "qui s’explique" beschlagnahmt - die Bilder galten als unzüchtig. Jahre später kaufte das Museum of Modern Art in New York den umstrittenen Zyklus - und auch die Folge "20. Juli 1944". Sie zeigt Körper, die am Galgen hängen und erinnert an die Hitler-Attentäter vom 20. Juli.
In der zweiten Hälfte der 60er-Jahre experimentierte Wunderlich mit unterschiedlichen Techniken, ließ sich von Fotografien inspirieren, malte mit Schablone und Spritzpistole. Die Gouache-Technik wurde besonders wichtig für ihn. 1968 gab Wunderlich seine Professur in Hamburg auf und arbeitet nur noch als freier Künstler. Jetzt verfremdete er zum Beispiel Dürer-Motive auf surrealistische Art.
In den 80er-Jahren konzentrierte er sich auf die Skulptur, entwarf aber auch Geschirr und Besteck. Wunderlich wurde 2007 mit 80 Jahren als einziger deutscher Künstler in die Pariser "Académie des Beaux-Arts" aufgenommen.
Paul Wunderlich: "Odaliske (nach Ingres)", 1975
Eine Schenkung des Berliner Kunsthändlers Dieter Brusberg hat den Anstoß zur Hamburger Ausstellung gegeben. Dessen Sammlung enthielt viele, teils sogar unveröffentlichte Lithografien aus Wunderlichs Schaffensphase bis 1975. Die frühen Arbeiten zeigen oft merkwürdig proportionierte Körper vor leerem Hintergrund. In den 60er-Jahren spiegeln seine Werke den Respekt vor Art Déco und Jugendstil.
Nach dem Ende der Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle, wird sie im Horst-Janssen-Museum in Oldenburg zu sehen sein.

Obwohl der 2010 verstorbene Maler und Grafiker Paul Wunderlich lange in Hamburg gelebt hat, war in der Stadt bisher keine Ausstellung von ihm zu sehen. Jetzt ist es soweit.